EM: Betrug an Kugelstoßer David Storl und andere Ungereimtheiten PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Axel Hermanns   

(Krefeld, 01. August 2010) Mittlerweile haben wir uns sattsam an die stümperhafte Fernseh-Berichterstattung von den Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona (Spanien) gewöhnen können, nehmen es mann- und frauhaft als höhere Gewalt hin. Gestern kam ein neue, andere Dimension von Dilettantismus dazu. Für bekennende Werfer Blutdruck steigernd und gesundheitsgefährdend. Da darf getrost und offenkundig von Betrug gesprochen werden. Jahrhundert-Talent David Storl wurde zumindest um eine bessere Weite geprellt. Beim letzten Versuch des gerade 20-Jährigen im Kugelstoß-Finale landete die Kugel etwa 25 Zentimeter vor der stimmigen 21-Meter-Markierung. Gemessen wurde jedoch bei einem Abdruck, der etwa 20 Zentimeter davor lag. Das war für den Betrachter am Bildschirm klar erkennbar, wurde später von der ARD mit einem Standbild noch einmal eindeutig bewiesen. So gingen 20,57 m in die Ergebnisliste ein. Stellt sich ohnehin die Frage, wieso die Kampfrichter die nach dem Aufschlag der Kugel im Rasen entstehenden Krater nicht nach dem jeweiligen Messvorgang zu getreten haben. Zu diesem Zeitpunkt waren zwischen der 20- und 21-m-Marke rund 40 Einschläge. Wer will da noch den Durchblick behalten?! Und dennoch: Ein Athlet hat ein Anrecht darauf, dass seine tatsächlich erzielte Weite gemessen und nicht geschätzt wird.
Ob bei der Zentimeter-Entscheidung zwischen Andrei Mikhnevich (BLR, 21,01 m) und Tomasz Majewski (POL, 21,00 m) der richtige Europameister gekürt wurde, steht eingedenk dieser Tranfunzeln von Feld-Kampfrichtern, zwei an der Zahl, noch dahin. Unstreitig ist nach dem optischen Eindruck dagegen der dritte Platz von M-30-Senior Ralf Bartels (*78), der sich mit seinen auf dem letzten Drücker erzielten 20,93 m statt Blech noch Bronze sicherte. Geben wir zu, dass dem ungekrönten König des sechsten Versuchs ein unmöglicher Fauxpas der Wettkampf-Regie in die Karten spielte. Der gerade von ihm auf Platz vier verdrängte Lette Maris Urtrans (20,72 m) stand bereits im Ring und wollte seinerseits Versuch sechs absolvieren, als er wegen einer Siegerehrung (mit zwei Spaniern, versteht sich) abbrechen und warten musste. Klar, dass der Frust groß und die Spannung weg war. Das galt auch, wenngleich nicht ganz so extrem, für die beiden Erstplatzierten.
Andere Baustelle, ähnliches Szenario: Just bei dem auf Platz vier rangierenden ukrainischen Speerwerfer Pyatnytsya (82,01 m) wurde vor dessen letztem Durchgang für die Vorstellung der 5000-m-Finalisten unterbrochen. Dass er auf dem Weg zu einer Medaille noch fast fünf Meter hätte überbrücken müssen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Es geht schlicht um Fingerspitzengefühl, von dem in beiden Fälle keine Spur war.
Nehmen wir Storl hinzu, erbärmlich und einer EM absolut unwürdig!