Solide Hausmannskost war dem ungewöhnlichen Termin geschuldet PDF Print E-mail
Written by Axel Hermanns   
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(Düsseldorf/Krefeld, 28. November 2011) Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. Auf diesen plakativen Nenner lassen sich die Resultate nicht nur, aber eben auch in den Wurf-Konkurrenzen bei den nachgeholten Westdeutschen Senioren-Hallen- und Winterwurfmeisterschaften gestern im Arena Sportpark in Düsseldorf bringen. Denn wer nach ein paar Wochen Wintertraining aus der vollen Belastung heraus bereits in Höchstform ist, der sollte sich ernsthafte Gedanken über seine Leistungsperiodisierung machen oder als Attraktion im Zirkus auftreten. Schicken wir voraus, da sich von den üblichen Verdächtigen niemand dieses Verdachtes aussetzen muss. Es wurde unter dem dicken Strich das geboten, was zum jetzigen Zeitpunkt zu erwarten war: Solide Hausmannkost. Dazu ist in Rechnung zu stellen, dass bei den Außenwettbewerben neben der Halle zwischen 12.30 und 15.30 Uhr ein Nieselregen hernieder ging, wenngleich er mit rund zehn Grad für den 1. Advent relativ warm war. Ausgesprochen störend obendrein für Diskus und Speer der rheinseitig von links einfallende böige Wind. Hinzu kam ein hausgemachtes Problem durch die Möchte-gern-Werfer, die mit Trekkingschuhen und ähnlich abenteuerlichen, grobprofiligen Tretern Sand in die Ringe entsorgten. Als (späteres) Gemisch mit dem Regen wurden die Ringe zu seifigen Abschussrampen. Ungeachtet dessen gab es dennoch zumindest manch passable Leistungen.
Bei den Jungspunden der M 30 setzte sich Lokalmatador Andreas Probst (Düsseldorfer TV) mit Kugel und Diskus jeweils gegen Michael tom Felde (LT DSHS Köln) mit 14,46 m zu 14,11 m respektive 42,36 zu 41,50 m durch. Selbst ein ausgewiesener Speerwurf-Spezialist wie Carsten Gundlach (TV Beckum) vermochte, wie denn auch (?), nicht den Windunbillen zu trotzen, blieb mit 51,83 m rund zehn Meter unter seiner Saisonbestleistung. Reichte dennoch zu einem relativ knappen Erfolg in der M 35.

Tilman Northoff stieß zweimal 16,78 m

Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei Drehstoßer und „Trainingsweltmeister“ Tilman Northoff (Bild) vom TuS Jöllenbeck häufig auseinander. Diesmal war der völlig ungefährdete Ausnahmeathlet der M 40 allerdings durch eine Verhärtung der Schultermuskulatur gehandikapt. Unter diesem Aspekt konnten sich seine gleich zweimal erzielten 16,78 m bei einer Saisonbestleistung von 17,59 m durchaus sehen lassen. Auf den Diskuswurf verzichtete er, machte so den Weg frei für Michael Unger (SC Bayer Uerdingen). Der 42-Jährige brachte trotz der schwierigen Verhältnisse immerhin das Kunststück fertig, seine Bestleistung einer allerdings durch Verletzungen zerrissenen Saison um einen halben Meter auf 38,97 m zu steigern. Mit dem Hammer erzielte er nach ein paar Wochen Techniktraining und lediglich zwei Wettkämpfen zuvor bei nur zwei Drehungen gar einen „Hausrekord“ von 39,92 m (bisher 37,28 m). Da hat der ehemalige Zehnkämpfer und 1,99-m-Hüne bei einem so exzellenten Trainer wie Helmut Penert wohl das größte Potenzial im Wurf.

Triple für Peter Holthuijsen und Klaus Kynast

Als nunmehr waschechter Fünfziger (*07.11.61) schaffte Lampis-Betreiber Peter Holthuijsen vom TV Erkelenz mit 14,29 m, 46,31m und 39,35 m jeweils überlegen das Triple mit Kugel, Diskus und Speer. Den totalen Triumph verhinderten sechs ungültige Versuche im Hammerwurf und sein glänzend aufgelegter niederländischer Landsmann John Stegman (Team Voreifel), an dessen 45,62 m er auch ohne die Nullnummer nicht vorbei gekommen wäre. Eine Altersetage höher knackte Burkhard Zocher von der LG Plettenberg/Herscheid mit 13,04 m endlich die lang ersehnte 13-Meter-Marke, durfte sich drei Versuche lange an der Spitze sonnen, ehe der favorisierte Roland Wattenbach von der LG Siebengebirge die Rangordnung wieder herstellte. Allerdings mit für ihn eher unterbelichteten 13,46 m keineswegs standesgemäß. Aber wie einleitend erwähnt, sind Einschränkungen angebracht. Beim einen mehr, beim anderen weniger.
Die Optimalausbeute von drei Siegen bei drei Starts verbuchte Wurf-Allrounder Klaus Kynast vom ASC Dortmund in der M 60 mit Kugel (13,65 m), Diskus (43,05 m) und Hammer (47,68 m). Freilich profitierte er zweimal davon, dass Ralf Unger vom TuS Buir wegen Kreislaufproblemen stark indisponiert war, den Kugelstoß-Wettbewerb abrechen musste und im Diskuswurf nicht mehr antrat. Eingedenk der beschriebenen Bedingungen sehr stark in der M 65 Hermann Hupperstberg von der DT Ronsdorf bei seinem Doppel-Erfolg mit Diskus (43,24 m) und insbesondere Hammer (52,68 m).

Klaus Liedtke zweimal eingebremst

Übel mitgespielt wurde Weltklasse-Werfer Klaus Liedtke (*1940) von SuS Oberaden. Der 70-jährige Lünener wurde zunächst Samstag mit seinem Wohnmobil von einem Messe-„Sheriff“ auf rüde Art und Weise vom Parkplatz vertrieben und kam Sonntag durch ein Versehen bei der Abgabe der Stellplatzkarte für das früh beginnende Kugelstoßen um zehn Minuten zu spät. Wiewohl Bestimmungen dazu gemacht wurden, eingehalten zu werden, hätte man auch Gnade vor Recht ergehen lassen können. Mit Wut im Bauch machte er sich auf den Heimweg, ließ auch Diskus und Hammer sausen. Kuriosum am Rande: Das Wohnmobil von Gerd Tilmann (LG Olympia Dortmund) parkte stundenlang unbehelligt in der ersten Reihe des P 2 vor dem Rheinbad. Glück gehabt! Denn tatsächlich besteht auf den Stadion- und Messeparkplätzen rings um die Esprit Arena Einfahrtverbot.
Sogar ein Routinier mit tausenden von Wettkämpfen wie die lebende Werfer-Legende Peter Speckens (*1935) vom SV Rot-Weiß Schlafhorst, der garantiert alle denkbaren Szenarien erlebt hat, musste anbetracht der ungemütlichen Witterungsverhältnisse gehörige Abstriche hinnehmen. So sehr sich der zielstrebige Mister Zuverlässig auch mühte, mehr als jeweils für ihn bescheidene 36,74 m im Diskuswurf und 38,63 m mit dem Hammer kamen nicht dabei heraus. Die wirft er gemeinhin kurz nach dem Wecken Nachts und im Dunkeln.

Anita Richter beste Werferin

Für das beste Resultat in den nahezu durchgängig dünn besetzten Feldern der Seniorinnen sorgte Anita Richter aus der Leichlinger Hammerwurf-Schule von Kurt Benner, die in der W 30 mit 49,86 m die 50 Meter knapp und ihre Jahresbestleistung lediglich um einen Zentimeter verfehlte. Womit sich einmal mehr bestätigte, dass auch Ausnahmen von der Regel vorkommen können.
Alle Ergebnisse siehe http://www.lvnordrhein.de/images/stories/bereiche/Veranstaltungen_2011/WFLV-Seniorenhalle/WFVLSenHalle2011.htm