Australien nach dieser WM keineswegs neuer Nabel der Masters-Welt

Kommentar

Unter uns gesagt

(Perth/Krefeld, 07. November 2016)
 Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Dies sang 1987 Stephan Remmler. Geben wir unsere vornehme, selbst auferlegte Zurückhaltung auf und berichten mit (k)einer Träne im Knopfloch, dass seit gestern Abend Ortszeit mit den Staffelwettbewerben die 22.Senioren-Weltmeisterschaften im westaustralischen Perth Geschichte sind. Es ist bei unseren Stammbesuchern hinlänglich bekannt, dass wir nicht dem Götzen Medaillenspiegel huldigen. Doch diesmal lohnt ein kühner Blick darauf oder darein. Und zwar nicht aus Gründen der Selbstbeweihräucherung und „Heldenverehrung“, wie es die nationalen Verbände, inklusive DLV, gerne tun. Vielmehr, um einen schiefen Eindruck zu recht zu rücken. Denn dass diese restlos überflüssige „Wertung“ mit überwältigendem Vorsprung anführende Gastgeberland ist nun keineswegs der neue Nabel der Leichtathletik-Welt der „ewigen Talente“ ab 35 Jahre. Und das lässt sich auch nicht damit erklären, dass die „Kiwis“ mehr als ein Drittel der Teilnehmer unter ursprünglich 4.026 Gemeldeten (der Schwund beträgt meist über 20 Prozent) stellten. Ganz im Gegenteil. Es ist vor allem Ausdruck dessen, dass sich bei diesen Ozeanien-Meisterschaften mit überschaubarer internationaler Beteiligung der Großteil der wahren Weltelite halt auch „in vornehmer Zurückhaltung“ übte. Deutschland, eine traditionell führende Nation bei den „Masters“, war unter den 186 Startwilligen gerade mal mit 27 (so sie alle da waren) von 326 aktuellen Titelträgern der Senioren-DM 2016 in Leinefelde-Worbis vertreten. Und bei den anderen starken Ländern wie USA, Großbritannien, Frankreich, um nur drei davon zu nennen, verhielt es sich gleichermaßen.

WM-Titel taugt nicht für den Briefkopf

Wer sich also mit einem Weltmeister-Titel schmücken durfte, sollte sich sehr wohl überlegen, ob er den auf seinem Briefkopf verewigt. Denn bei dem Stellenwert dieser WM ist das kein Türöffner. Mehr ein Muster ohne Wert. Böse Zungen behaupten gar, dass diese ranghöchsten Meisterschaften der Ü-35-Generation in den für die allermeisten sehr fernen und damit von den Reisekosten exorbitant teuren „fünften Kontinent“ vergeben worden sind, damit die Ehefrau des australischen WMA-Präsidenten Stan Perkins bei schwacher internationaler Konkurrenz überlegen den Titel im Siebenkampf der W65 mit 5.592 Punkten abgreifen konnte. Dazu  der normalerweise hässliche Vergleich zum Weltrekord der Niederländerin Weia Reinboud (6.253) aus dem Vorjahr in Stendal. Gleichwohl immer noch eine sehr ordentliche Leistung. Aber: Das sonst in der Außendarstellung vollkommen unterbelichte Internet-Portal der World Masters Athletics (WMA), dem diese WM weitestgehend am Allerwertesten vorbeiging, entblödet sich nicht, unter der Überschrift „President’s wife wins gold!“ darüber zu berichten. Als Alibi werden noch einige andere „Gold-Mädels“ im Siebenkampf genannt. Ansonsten gibt es nur noch einen weiteren Beitrag von einem bisschen Sprint der Senioren. Alles in allem hochnotpeinlich!
Dass Australien von Land, Leuten, Kultur und Natur sicherlich unter rein touristischen Gesichtspunkten ein sehr attraktives Ziel ist, kann für eine Weltmeisterschaft, und sei es „nur“ die für Senioren/innen, beileibe nicht das Hauptkriterium sein. Womit nicht gesagt sein soll, dass sie deshalb bei der Vergabe ausgeschlossen werden müssen. Nur darf sich dann hinterher keiner über das unter dem dicken Strich mäßige Niveau wundern und sollte sich vor allem vor einer Glorifizierung jedweder Art hüten.
Der Medaillenspiegel gehört als Erstes in die Tonne gekloppt. Doch es darf gemutmaßt werden, dass Stan Perkins den ausdruckt, schmuckvoll rahmen lässt und an exponierter Stelle in seinem Arbeitszimmer an die Wand hängt. Gleich neben die Siegerurkunde seiner Frau Wilma.