Wer legt der WMA-Statistikerin Sandy Pashkin endlich das Handwerk?

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 16. Juli 2017)
Hart, aber fair!? Da stellt sich in unserem noch zu schildernden Falle die Gretchenfrage, ob das Ende des Kurzsatzes mit einem Ausrufe- oder Fragezeichen zu versehen ist. Vorab ist erst einmal unbestritten, richtig und wichtig, dass es nicht nur, jedoch gerade im Sport klarer, unmissverständlicher Regeln bedarf, an denen sich alle zu orientieren haben. Aber: Was kann ein Zehnkämpfer dafür, wenn in einer der vier Laufdisziplinen die elektronische Zeitnahme ausfällt? Leichte Antwort: Nullkommanix! Zumal bei der Punkteermittlung eine Referenz-, richtiger: Reaktionszeit zur Handstoppung aus der Mottenkiste hinzugerechnet wird. Das dermaßen erzielte Endergebnis zählt auch für Titel, Medaillen und Platzierung, indes nicht für die Anerkennung etwaiger Rekorde. Dafür verlangen die Regelhüter losgelöst von weiteren Voraussetzungen wie Windmessung und zulässiger Rückenwind (im Mehrkampf darf der Querschnitt aus Sprint, Weit und Hürden nicht mehr als 2m/sec betragen) in diesem Punkt eben eine durchgängige, funktionierende elektronische Zeitnahme. Basta!

Wenn man(n) schon kein Glück hat, kommt mitunter noch Pech hinzu

Wenn man(n) schön kein Glück hat, kommt mitunter noch Pech hinzu. Zehnkampf-Ass Rolf Geese (*1944) von der LG Göttingen kann ein garstig Lied davon singen. Bei seinem vermeintlichen Fabel-Weltrekord von 9.143 Punkten (neue Wertung 8.487, eigentlich 8.459) in der M55 am 03./04.Juli 1999 fiel über 100 m Hürden (15,1h) die Elektronik aus. Die Zeit wurde später durch Anfügung einer 0, also 15,10, geadelt, und so fand das Ergebnis doch noch Eingang in einige Rekordlisten (außer bei der WMA). Allerdings wurden bei der Punkte-Berechnung nicht jene 0,24 Sekunden für die Handzeitnahme (= 15,34) zugeschlagen. Wobei einzuräumen ist, dass sich die Gelehrten oder Geleerten heute nicht mehr darüber einig sind, ob nun damals beim Hürdenlauf wirklich die elektronische Zeitnahme ausgefallen ist. Die ursprünglich geführten 15,1 deuten freilich halbwegs verlässlich darauf hin. Der Wind blies jedenfalls mit 0,4m/sec.+ im erlaubten Rahmen. Das ermittelte Bernd Rehpenning aus Garbsen bei Hannover, Schöpfer der Punktewertung „modelresults2010", in der niedersächsischen Bestenliste von 1999.
Als Weltmeister der Senioren-WM in Gateshead (GB) erreichte Geese am 28./29.Juli 1999, bereits umgerechnet nach der ab 2010 gültigen Tabelle, 8.120 Punkte. Doch hier streikte in der überhaupt einzigen Altersklasse im abschließenden 1.500-m-Lauf die Elektronik. So weist es auch die offizielle Ergebnisliste aus. Das würde bei Umrechnung (Zuschlag hier 0,14 sec) ein lausiges Pünktchen ausmachen. Verletzungsbedingt konnte der Niedersachse in den weiteren Jahren der Zugehörigkeit zur M55 keinen Zehnkampf mehr bestreiten, kann folglich kein bestenlistenreifes Resultat vorweisen.


Aktualisierungen dauern gerne mal neun Monate


Und nun kommt die bei uns schon mehrfach „lobend“ erwähnte Gott begnadete, vom Himmel gefallene Statistikerin der World Masters Athletics (WMA) namens Sandy Pashkin aus Eugene/Oregon in den USA ins Spiel. Neben all der von uns nicht zurück zu nehmenden Schelte und ihrem ausgewiesenen, unbestreitbaren Deutschland-Dünkel haben wir ihr, so sie diese soeben genannten Feinheiten tatsächlich alle gekannt haben sollte, Unrecht getan. Da wir keine anderen Erkenntnisse haben, könnte ihr Landsmann William Murry (*1954) mit 7.773 Punkten, aufgestellt bei der WM am 27./28.Juli 2009 im finnischen Lahti, jahrelang der legitime Weltrekord-Inhaber der M55 gewesen sein.
Der Konjunktiv verrät es bereits, dass sich Pashkin die Frage gefallen lassen muss, weshalb sie der Weltrekord-Verbesserung auf 8.031 Punkte von  Angel Estuardo Granillo Diaz (*1961) aus Gutemela am 27./28.Mai 2017 beim 5.Stendaler Hanse Cup weiterhin mit konstanter Bosheit die öffentliche und veröffentlichte Anerkennung verweigert? Das hat freilich bei ihr schon System und Methode, dass es elendig lange dauert, wenn sie ihre Landsleute zu Gunsten Dritter anderer Nationen aus der Liste entfernen muss. Das war auch bei den Zehnkampf-Weltrekorden der M60 sowie 70 von Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen und Rolf Geese so, ebenfalls 2014 und ’16 in Stendal aufgestellt, dauerte geschlagene neun Monate. Unerträglich, unfassbar, unmöglich, aber die Wahrheit und nichts als die Wahrheit!

Dankbare Aufgabe für Margit Jungmann

Weitere Beispiele schenken wir uns und ihr jetzt an dieser Stelle. Eines jedoch nicht: Wer legt dieser Dame aus dem Trump-Land „America first“ endlich ihr unseliges Handwerk. Es kann und darf nicht angehen, dass es zur unendlichen Geschichte ausartet. Das zu verhindern wäre doch mal eine dankbare Aufgabe für die deutsche Verbandsoberschwester und WMA-Vizepräsidentin Margit Jungmann (links) aus Rehlingen im Saarland, statt immer alles wegzulächeln und auszusitzen. Obendrein ein prima Bewerbungsschreiben. Denn dem Vernehmen nach scharrt die „Saarstute“ schon ungeduldig mit den Hufen (dieses kleine Wortspiel sei verziehen), um den trägen derzeitigen Präsidenten Stan Perkins (rechts) aus Daisy Hill (Australien) zu beerben, der im nächsten Jahr durch endgültigen Ablauf der Amtszeit(en) nicht wieder kandidieren darf.
In diesem Sinne einen schönen Sonntag und bei was auch immer eine geschmeidige 29.Kalenderwoche!
Redaktionelle Anmerkung: Durch zwischenzeitlich neu gewonnene Fakten ist die korrigierte, endgültige Fassung dieses Beitrages seit 12.20 Uhr im Netz.