RR verpflichtet: Richard Rzehak ein "Oldtimer" mit Rolls-Royce-Format

(Erlangen/Fürth/Krefeld, 10. Februar 2019) Alter schützt vor Torheit nicht, behauptet ein Spruch aus Volkes Mund. Doch ab wann ist man/frau überhaupt alt? Dazu müssen wir uns lediglich in der Senioren-Leichtathletik umschauen, wo die Alten noch Leistungen erbringen, wovon Schüler/innen nicht einmal träumen können. Nicht nur jene etwa erschreckenden 50 Prozent der Fast-Food-Generation, die Übergewicht mit sich herum schleppen oder gar an Fettleibigkeit (Adipositas) leiden. Auf den Punkt gebracht, lässt sich das geflügelte Wort auf „Alter schützt vor Leistung nicht“ erweitern.
Dazu fällt einem spornstreichs „König“ Richard Rzehak (*13.10.1929) vom SC Preußen Erlangen ein. Der Senior-Vater unter lauter Senioren/innen gab jüngst nach zweijähriger Abstinenz und vielen Überredungskünsten beim traditionellen Hallensportfest der ewigen Talente von gestern und vorgestern in Fürth seinen nationalen Einstand in der M90 (wir berichteten). Er war erst einmal mit den 7,31m im Kugelstoßen zufrieden, der sich „aus der kalten Hose“ so um die 7,50 Meter zugetraut hatte.
Das sagt indes über das einstige und womöglich wieder künftige Leistungsvermögen von dem Mann mit dem verpflichtenden Initialen RR (= Rolls Royce) herzlich wenig aus, wobei er sich fortan bevorzugt dem Hammerwurf widmen und bei den „Deutschen“ an Karneval in Erfurt starten will.

Einmalig: Alle vier DM-Titel bei Stoß und Wurf in der M60 gewonnen

Blenden wir also mit einem tiefen Griff in die Nostalgiekiste 30 Jahre zurück, ausgegraben von unserem Gastautor Dieter Krumm. Bei den Deutschen Senioren-Meisterschaften (oder hießen sie da noch Bestenkämpfe?) 1989 in Scheeßel (Niedersachsen) gewann Richard in der M60 alle vier Titel bei Stoß und Wurf. Das hat vor und bislang nach ihm keiner mehr in dieser Altersklasse geschafft. Höchstwahrscheinlich auch sonst nirgendwo. Aber nicht nur das. Der Wurf-Allrounder beeindruckte mit folgenden Resultaten: Kugel 14,43, Diskus 52,32, Speer 53,08 und Hammer 56,42m. Im Vorjahr bei den Titelkämpfen im Rheydter Grenzlandstadion in Mönchengladbach gab es hier vier verschiedene Sieger und bis auf eine Ausnahme kam keiner der Spezialisten mit 13,52 (Wattenbach), 48,06 (Horstmann), 52,14 (Schaffarzik) sowie 50.67 Meter (Nuschke) auch nur annähernd heran.
Das spricht einerseits für die ehedem einstige Klasse des nunmehr 90-Jährigen in Lauerstellung, andererseits, dass sich das Niveau von einigen wenigen Spitzenkönnern abgesehen seit Jahren im steten Sinkflug befindet.