Ein charistmatischer, leidenschaftlicher Ehrenamtler wird heute 75 Jahre

(Krefeld/Ahlen, 14. November 2015) Es ist ein schier unmögliches Unterfangen, dass Leben und Wirken von Dieter Massin (*14.11.1940) aus Ahlen in Westfalen auch nur ansatzweise beleuchten und würdigen zu wollen. Eine halbwegs gescheite, einigermaßen umfassende Laudatio zu seiner heutigen Vollendung des 75. Lebensjahres würde in biografischen Zügen ausufern, die allenfalls in etwa 300 mit nicht allzu großen Buchstaben bedruckten Seiten zwischen zwei Buchdeckeln zu leisten wäre. Was an dieser Stelle folgt, kann sich nur um eine unvollendete, unvollkommene Personengeschichte handeln.
Der zunächst vertriebene Jungspund, der in Teschen im Kreis Mährisch-Ostrau als Kind deutscher Eltern geboren wurde, mit ihnen und seinem 18 Monate älteren Bruder Rolf nach dem 2. Weltkrieg nach Ahlen floh, hat später als stets umtriebiger erwachsener Mann einfach unheimlich viel in (s)ein Dreivierteljahrhundert gepackt. Und tut es aktuell und unermüdlich weiterhin. Ruhestand scheint nicht nur, sondern ist für den Pensionär offenbar getreu dem Motto “Wer rastet, der rostet” ein Fremdwort.

Generationen gingen durch seine Schule

Der wohl berühmteste Sohn des beschaulichen Städtchens (rund 53.000 Einwohner) im Münsterland hat in seiner Wahlheimat nicht eigener Wahl einen Bekanntheitsgrad von nahe 100 Prozent. Säuglinge und Zöglinge im Kindergartenalter ausgenommen. Nicht nur wegen seiner mannigfaltigen Aktivitäten und Ehrenämter rund um den Sport, speziell der Leichtathletik. Denn als Lehrer und irgendwann Konrektor sind mehrere Generationen von Ahlenern buchstäblich durch seine Schule gegangen.
Dieter Massin hat daneben in der einstigen olympischen Kernsportart von der Pike auf alle Weihen durchlaufen. In Schlaglichtern, ohne indes einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu können: Aktiver Leichtathlet, Trainer, Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des SSV Westfalia Ahlen, westfälischer Landestrainer im Stabhochsprung (der ehemalige Bottroper Wolfgang Ritte gehörte zu seinen Schützlingen), Ideengeber für neue Wettkampfformen, Schulsportbeauftragter, Organisator von Sportveranstaltungen, darunter insgesamt 26 Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften aller Art in Ahlen, die eng mit seinem Namen verknüpft sind, Trainerausbildung in verschiedenen Ländern Afrikas und Asiens im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums, tätig für das Nationale Olympische Komitee (NOK, heute DOSB), für den Weltverband IAAF, DLV-Vizepräsident Allgemeine Leichtathletik und, kürzen wir es brutal ab, schlussendlich zehn Jahre bis August 2012 Präsident des kontinentalen Senioren-Dachverbandes EVAA (jetzt EMA?), dessen Ehrenpräsident er seither ist

Nachwuchsarbeit wörtlich genommen

Die Liste der Ehrungen, Auszeichnungen, Ehrenmitgliedschaften et cetera ist nicht minder lang. Nennen wir stellvertretend die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande im Jahre 2009. Es ist allein bei dieser ziemliche Lücken aufweisenden Auslese aus seiner Vita geradezu ein Meisterleistung des Zeitmanagements, dass der Jubilar im besten Mannesalter noch Nischen für wortwörtlich genommene Nachwuchsarbeit fand und unter unerlässlicher Mitwirkung seiner Ehefrau Mechtild Vater von fünf Kindern (in dieser Reihenfolge drei Mädchen und zwei Jungen, heutzutage zwischen 28 und 38 Jahre) werden konnte. Schließlich gibt es auch immer eine gewisse Streuung bei der Trefferquote, ist auch in diesem Zusammenhang Fleißarbeit gefragt und angesagt.  
Nicht unerwähnt bleiben darf, dass sich der Zufallswestfale seiner Muttersprache als Mitglied im Verein Deutsche Sprache stark verpflichtet fühlt, bekennender Gegner von Anglizismen ist (insofern ein Bruder im Geiste). Er gab bislang drei Bücher heraus, war Chefredakteur von Senioren-Leichtathletik Plus (als gedrucktes Monatsmagazin) und SeLa Netz (Internetportal), fühlt sich aber auch der Mundart der Region verbunden. Als “Juppa” veröffentlicht Massin wöchentliche Kolumnen im Ruhrpottdeutsch in der “Ahlener Zeitung” und inzwischen einer eigenen Netzseite (www.juppa.eu). Unverändert und unverdrossen liegt ihm die Seniorenbewegung, nicht nur in der Leichtathletik, ganz besonders am Herzen, hinauf bis zu Aktionen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter der damaligen Ministerin Ursula von der Leyen, Mutter von sieben Kindern. Bei der Kampagne “Zählt Taten statt Falten” zierte Massin 2008 zeitweise bundesweit alle Litfaßsäulen. Er bereiste beruflich, ehrenamtlich und privat über 100 Länder in allen sechs Kontinenten. Wer seinen Vor- und Nachnamen “googelt”, erhält in 0,72 Sekunden 497.000 Ergebnisse. Etliche Publikationen über ihn auf Lampis kommen auch dabei vor.
Und abschließend werden wir in Gestalt des Chronisten noch ein bisschen persönlich. Der ich ihn seit mittlerweile 16 Jahren recht gut kenne, wage ich mal eine Charakterisierung. Er vereinigt alle klassischen Eigenschaften eines Machers in hochkarätigen Ehrenämtern auf sich: Organisationstalent, Willensstärke, Überzeugungskraft, Entscheidungsfreudigkeit, Kommunikationsvermögen, leidenschaftlichen Einsatz für die Sache und nicht zuletzt eine charismatische Ausstrahlung. Ein “Alpha-Tier” eben, wie es erst kürzlich der bereits erwähnte, immer noch aktive und äußerst erfolgreiche “Stabi” Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen formulierte.
Dieser Spruch, in dem Fall von mir, ist nicht neu, stimmt aber ungebrochen: Wenn es ihn nicht schon geben würde, müsste er glatt erfunden werden. Bleibt noch ein herzlicher Glückwunsch, lieber Dieter, zur 76. Wiederkehr des Wiegenfestes!