Für simplen formalen Akt benötigte der DLV fast sieben Monate

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Darmstadt/Krefeld, 17.September 2020) Na, schau an, wer hätte das gedacht oder gar für möglich gehalten? Insider gewiss nicht. Selbst beim als schwerfällig und langatmig bekannten Moloch Deutscher Leichtathletik-Verband (DLV) mit Sitz in Darmstadt geschehen noch sowas wie Zeichen und Wunder. Vorgestern wurde um 10:22 Uhr eine überarbeitete Fassung (siehe Punkt 5.2.4) der Deutschen Leichtathletik-Ordnung (DLO), so eine Art Bibel und Fibel des Reglements, mit Stand 21.Februar 2020 veröffentlicht. Nach geschlagenen fast sieben Monaten wurde nun endlich die Änderung zum Startrecht für Ausländer bekanntgegeben, die bereits für die Hallen-DM mit Winterwurf der Ü35-Generation vom 28.Februar bis 01.März 2020 in Erfurt in Kraft getreten ist. Und für diesen minimalen Verwaltungsakt hat die Administration im Hessischen über 200 Tage benötigt. Ein Drittklässler mit ein paar Grundkenntnissen in der Elektronischen Daten-Verarbeitung (EDV) schafft das in 20 Minuten. Höchstens.

Allzu oft weiß die Linke nicht was die Rechte tut

Bei der DLV-Wettkampforganisation, unter Leitung des Vizepräsidenten Frank O.Hamm (im Bild) aus Aachen, kann das schon mal „geringfügig“ länger dauern. Da fehlt es an allen Ecken und Enden, inklusive fähigem, engagiertem, sach- und fachkundigem Personal der über 50 hauptamtlichen Beschäftigten, weiß die Linke oftmals nicht was die Rechte tut. Allem Anschein firmierte diese erforderliche und überfällige Änderung nicht als „Leuchtturmprojekt“. Weltweiter Strahlkraft hätte es da nicht mal bedurft.
Noch bemerkenswert, dass es jetzt nicht mehr allein um EU-Ausländer mit Lebensmittelpunkt in Deutschland geht. Es können alle Athleten*innen aus den 212 Mitgliedsverbänden der World Athletics (früher IAAF) im Seniorenbereich des DLV an allen Wettkämpfen bis hinauf zu nationalen Titelkämpfen teilnehmen. Voraussetzung für DM-Auftritte ist jedoch, dass dieser Personenkreis einem deutschen Verein angehört, einen entsprechenden Startpass besitzt und sich verpflichtet international ausschließlich für die Wahlheimat Deutschland zu starten. 
Dies bedarf indes einer per Antrag beim Senioren-Weltverband World Masters Athletics (WMA) schriftlich fixierten Willenserklärung. Soviel Ordnung muss halt sein, ist zudem in solchen Fällen nachvollziehbar und sinnvoll. Dennoch: Für Außenstehende muss das sehr schräg anmuten, qua Mitteilung seine Nationaltät für diesen Zweck gewissermaßen abwählen zu können und für ein anderes Land nicht nur bei deren Meisterschaften zu starten. Das stelle man sich mal in den klassischen Ballsportarten oder mit Puck (Eishockey) vor. Unvorstellbar!

David Storl übertraf auf der letzten Rille die 21-Meter-Marke

(Zagreb/Krefeld, 16. September 2020) Ende gut, alles gut? Fast. Er hat es doch noch nicht komplett verlernt, der inzwischen zum nationalen Jung-Senior der M30 herangereifte einstige Kugelstoß-Wunderknabe David Storl (*27.07.1990) vom SC DHfK Leipzig. Auf der letzten Rille übertraf er wegen der durch Corona bedingten später begonnenen Saison mit all den bekannten Ausfällen nach manchen für seine Verhältnisse grauseligen Wettkämpfen (Versuche unter 20 Meter) noch die 21-Meter-Marke. Gewissermaßen das Entree zur erweiterten Weltklasse, die sich mittlerweile in breiterer Phalanx jenseits 22 Meter angesiedelt hat. Das gelang dem 30-jährigen Sachsen am Montagabend bei einem so genannten Markplatz-Wettbewerb in der Innenstadt der kroatischen Metropole Zagreb. Als Drittplatzierter hinter den beiden US-Amerikanern Ryan Crouser (22,74m), dem saisonalen Überflieger, und Joe Kovacs (21,30m) mit 21,20m im zweiten Durchgang. Der doppelte Ex-Weltmeister garnierte das mit einer sehr stabilen Serie von sechs gültigen Versuchen und einem Zielstoßen (gleich dreimal 20,81, noch 20,79 und 20,89m). Nicht nur wegen der Saisonbestleistung (SBL) sein absolut stärkster und stabilster Wettkampf anno 2020.
Ob nun gleich dermaßen auf den Putz gehauen werden muss wie in dem Beitrag auf der DLV-Netzseite, dass nun für die Olympiasaison 2021 wieder die 22-Meter-Marke in den Fokus rücke, sei dahingestellt. Da empfehlen wir der Autorin den Schlusssatz unserer gestrigen Kolumne, die Kirche im Dorf zu lassen. Nützt jetzt allerdings nix mehr. Geschmacksache auch die Überschrift in zum Teil englischer Sprache und einer nicht für jeden gängigen Abkürzung (könnte auch Selbstbedienung heißen) von: „21,20 Meter: David Storl beendet mit SB die Late Season“.

Einstige Diskuswurf-Ikone Kriemhild Limberg 85-jährig verstorben

(Neuss/Krefeld, 14. September 2020) Einen Nachruf zu verfassen ist ohnehin schon die traurigste aller Chronistenpflichten eines Sportjournalisten. Erst recht, wenn man einen Menschen sehr lange gekannt, geschätzt und – zugegeben – als leichtathletischer Jungspund sowie spätberufener Anfänger in dieser Sportart ihn sogar ein bisschen bewundert, zu ihm aufgeschaut und gelegentlich mit ihm trainiert hat.
Heimlich, still und leise ist Kriemhild Limberg, geborene Hausmann (*08.09.1934 in Rheinhausen), im 86. Lebensjahr stehend für immer von uns gegangen. So leise, dass es erst jetzt bekannt wurde, nicht einmal der Todestag (22. oder 23.August 2020) an dieser Stelle exakt benannt werden kann. Die von ihrem rheinischen Naturell an sich sehr lebenslustige und –bejahende einstige Weltklasse-Diskuswerferin hatte altersbedingt ziemlich zurückgezogenen in ihrer Wahlheimat Neuss gelebt.
Auf der traditionellen Matinee ihres Vereins Preussen Krefeld, dem sie seit Januar 1955 in Doppelfunktion als ältestes und langjährigstes Mitglied angehörte, war sie zuletzt 2017. Da habe ich sie als Preussen-Heimkehrer von 2016 nach mehreren Jahrzehnten erstmals wieder gesehen und mich sehr angeregt mit ihr unterhalten. Mit ihren seinerzeit 83 Jahren eine unverändert ausgesprochen gepflegte Erscheinung, zudem vom ganzen Habitus genau das, was der gebildete Volksmund landläufig als „Grande Dame“ bezeichnet.

Eine ausgesprochen vielseitige Diskuswerferin

Für die jüngere Generation muss naturgemäß erklärt werden, wer sich als einstige Spitzensportlerin und Amateurin reinsten Wassers dahinter befand (siehe auch Wikipedia). Die Frau mit dem geschichtsträchtigen Vornamen Kriemhild war überwiegend unter ihrem Geburtsnamen Hausmann (sie heiratete 1963) von 1958 bis 1965 achtmal in Serie deutsche Meisterin im Diskuswurf. Sie verbesserte zweimal den deutschen Rekord: 1958 in Nijmegen/NL auf 53,89m, ein Jahr später in Meerbeck (Niedersachsen) auf 55,70m. Insgesamt rund 800 Mal übertraf sie die damals begehrte 50-m-Marke. Dazu stehen in ihrer internationalen sportlichen Vita 32 A-Länderkämpfe, gekrönt durch die Olympischen Spiele 1960 in Rom (als Vierte knapp an Bronze vorbei) und Tokio 1964 (Siebte). Schlank und 1,82m groß von Wuchs verkörperte die Krefelderin alles andere als den seinerzeit  pfundigen Prototypen der Diskuswerferin osteuropäischer Gattung. Mehr so die verkappte Fünfkämpferin, die sie „nebenbei“ eingedenk ihres Talents und ausgeprägten Bewegungsgefühls tatsächlich war. Davon geben 4.506 Punkte im Fünfkampf beredtes Zeugnis. Die Vielseitigkeit spiegeln ihre persönlichen Bestleistungen wider: 100m 12,5, 200m 25,5, 80 m Hürden 11,6 Sekunden, Hoch 1,56m, Kugel 13,86m, Diskus 55,86. Wohlgemerkt – eine Diskuswurf-Spezialistin. Da können sich selbst die kreiselnden Mädels des Profitums von heute eine ganz dicke Scheibe von abschneiden.
Die Verstorbene war Ehrenmitglied ihres traditionsreichen, seit 2019 hundertjährigen Klubs (siehe Link), dem sie bis zu ihrem Tod 65 (!) Jahre lang die Treue hielt (ihre sportliche Wiege stand beim OSC Rheinhausen), wurde unter anderem mit der Sportplakette des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet, die höchsten Weihen dieser Art in NRW.

Entlarvendes Bekenntnis von DLV-Seniorenreferent David Deister

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Krefeld, 15. September 2020) Ein russisches Sprichwort lautet: „Ein hohles Fass dröhnt lauter als ein gefülltes." David Deister (im Bild), seines Zeichens beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt zuständig für das Referat Senioren, hat sich dies zu Herzen genommen und stellt im neuesten SPIEGEL (14.9.2020, S. 88/89) ernsthaft die Frage „...wie es uns gelingt, alle Senioren noch besser mitzunehmen".
Der Mann verfügt über Humor, denn sein Verband hat – sein polyglottes Führungspersonal ausgenommen – seine Senioren weder im Fahrzeug noch den Geldbeutel betreffend oder gar mit deren kritisch-konstruktiven Anliegen „mitgenommen", eher im Regen stehen lassen. Notgedrungen hat man sich daran gewöhnt.
Entlarvend, wenn er dem „SPIEGEL- Reporter" (der ihn bei der Mehrkampf-DM in Zella-Mehlis befragte) die Begründung gleich mitliefert: „Diese Zielgruppe ist interessant, auch wirtschaftlich." So ist es!
Angelehnt an den bevorzugten DLV-Sprachgebrauch: Dear Mr. Deister, let the church in the village!

Sportfans jenseits "König Fußball" kommen heute via TV auf ihre Kosten

(Berlin/New York/Krefeld, 13. September 2020) Nach jeder Menge Dauerberieselung mit Tennis (US Open) und Radsport (Tour de France) verspricht daneben der sportliche Speiseplan via TV ein wenig Abwechslung von diesem mehrwöchigen Einheitsbrei. Und das sogar, man lese und staune, mit hochkarätiger Leichtathletik. Die ARD berichtet heute im Rahmen der Sportschau ab ungefähr 17.35 bis 18.30 Uhr live (zuvor ab 16.30 Uhr im Internet) vom erstklassig besetzten, mit zwölf amtierenden Weltmeistern gespickten Internationalen Stadionfest, kurz ISTAF genannt, aus dem Berliner Olympiastadion. Und das erstmals in diesen lausigen Zeiten von Corona mit zugelassenen 3.500 Zuschauern in dem 74.475 Plätze umfassenden Oval (die verlieren sich im weiten Rund). Schön indes für all jene, die vor Ort dabei sein können. Ob es bei einer notgedrungenen Auslastung von lediglich 4,7 Prozent (wobei das ISTAF mit maximal 45.000 Zuschauern nie ausverkauft war) als Stimmungseinheizung für die Athleten*innen dienen kann, sei dahin gestellt.

Malaika Mihambo freut sich wieder vor Publikum springen zu dürfen

Dennoch ist bei Weitsprung-Weltmeisterin und Weltjahresbesten Malaika Mihambo (kürzlich 7,03m) die Vorfreude groß, wieder vor Publikum ihr überragendes Können zeigen zu dürfen. Nicht zu vergessen der momentane Speerwurf-Überflieger Johannes Vetter, für den mit seinen unlängst erzielten 97,76 Meter, die er noch nicht für ausgereizt ansah, die Stadien mit einer Feldlänge von meist 100 Metern bald zu klein werden könnten. Wie anno dazumal 1984 bei den 104,80 Meter von Uwe Hohn, der mit Änderung der Grifffläche eine Schwerpunktverlagerung der Speere und Neuausschreibung der Rekorde zur Folge hatte.
Eine ausführliche Vorschau ist unter leichtathletik.de nachzulesen.
Und noch ein Fernseh-Tipp für Patrioten: Das Tennisfinale vom Grand-Slam-Turnier in New York mit Alexander „Sascha“ Zverev gegen Dominic Thiem aus Österreich wird heute Abend ab 22 Uhr live auf EUROSPORT ausgestrahlt.