Sind im vorauseilenden Gehorsam zuviele Absagen erfolgt?

(St.Pölten/Krefeld, 09. Mai 2020) „Schrittweise Rückkehr in eine neue Normalität“. Die Bewältigung der Corona-Pandemie lässt auch sprachlich Stilblüten nur so sprießen. Es kann schlechterdings nicht in etwas zurückgekehrt werden, das in der Form noch nicht vorhanden war. Doch jeder weiß, was letztlich gemeint ist. Wenn denn schon am 30.Mai 2020 in Nordrhein-Westfalen, immerhin das mit knapp 18 Millionen Bürgern einwohnerreichste und dichtbesiedelte aller 16 Bundesländer, wieder Wettbewerbe in kontaktlosen Amateursportarten zugelassen werden, fragt sich Normalo Hans Mustermann, ob da im vorauseilenden Gehorsam in die Zukunft hinein nicht allzu voreilig Veranstaltungen abgesagt worden sind?

Manches kommt indes allzu sorglos daher

Wohlgemerkt – bei allem Verständnis für ein bisschen mehr Leben außerhalb des eigenen Mikrokosmos‘, gehöre ich nicht zu den sorglosen Befürwortern von zu forschen, lockeren Lockerungen. Es ist schließlich noch längst nicht vorbei mit der neuen Geißel der Menschheit. Meines Erachtens wird das in etlichen fußballaffinen Ländern wie Spanien, Italien, Frankreich und England bejubelte Modell, die 1. und 2. Fußball-Bundesliga mit so genannten Geisterspielen ab 16.Mai via Re-Start fortzusetzen, krachend scheitern. Da wird auf dem Altar Kommerz des Profizirkus‘ ein unübersehbares Opfer dargebracht. Nur ein positiv getesteter Spieler nach einer Partie – und das gesamte Kartenhaus bricht in sich zusammen, stellt sich der berühmte Domino-Effekt ein. Ganz zu schweigen davon, dass sich über diese Extrawurst trefflich streiten ließe. Beispielsweise ist es von Weltklasse-Speerwerfer Johannes Vetter massiv angeprangert worden. Das ist nachvollziehbar.

Ein Lichtlein am Firmament der Masters

Aber es gibt ein paar Etagen tiefer und in der Handhabung weitaus übersichtlicher wie machbarer auch in der Senioren-Leichtathletik ein Lichtlein am Firmament. Wenngleich nicht hier zu Lande. Der Österreichische Leichtathletik-Verband (ÖLV) hält unverdrossen an der Ausschreibung für die Internationalen Österreichischen Meisterschaften der Masters am 15./16.August 2020 in St.Pölten fest. So sie denn tatsächlich stattfinden sollten, könnten diese im benachbarten Ausland ohnehin schon von je her außerordentlich beliebten Titelkämpfe einen bislang nicht dagewesenen Zulauf erleben.
Aber es tut sich noch mehr in „Felix Austria“, worauf wir in einem eigenen Beitrag noch ausführlich eingehen werden.

Neuerliche Verlautbarung der EMA auf volle Erstattung der Startgelder

(Lausanne/Krefeld, 08. Mai 2020) Es gibt drei denkbare Szenarien: Die Linke weiß nicht was die Rechte tut bei der europäischen Senioren-Dachorganisation European Masters Athletics (EMA) mit Sitz im schweizerischen Lausanne, doppelt genäht hält besser (was eh auf Kante genäht und rechtlich nicht zulässig war!) oder EMA-Präsident Kurt Kaschke war seinerzeit in eigener Herrlichkeit mal wieder vorgeprescht. Er hatte am 05.April 2020 auf der Verbandsnetzseite in einer umschweifigen Erklärung verlauten lassen, dass die ursprünglich vorgesehene 50-prozentige Einbehaltung der Startgelder plus nationaler Organisationsgebühr für die drei ausgefallenen Europameisterschaften 2020 in Portugal nicht erfolgen würde (wir berichteten).
Doch nun kommt vorgestern, 06.Mai, diese sinngemäß ins Deutsche übersetzte, verkürzt wiedergegebene Meldung heraus, gezeichnet an der Spitze von Kaschke und den vier weiteren Präsidiumsmitgliedern: „Nach vielen Diskussionen fand der Rat der EMA einen Weg, die Eintrittsgebühr zu erstatten. In den nächsten Tagen wird PayPal die Rückerstattung vornehmen. Für die in den Januar 2021 verschobene Veranstaltung werden wir die Anmeldungen im Oktober dieses Jahres wieder öffnen. Bitte seien Sie so freundlich und entschuldigen Sie uns für etwaige Unannehmlichkeiten.“
Was da wochenlang diskutiert werden musste, erschließt sich dem neutralen Betrachter nicht. Außer Zeit geschunden zu haben. Die Nutznießer sollten es auf ihrem Kontoauszug im Auge behalten, ob sich der doppelt-gemoppelte Fallrückzieher nicht wieder als leeres Versprechen erweist.

"Stabi" Siegbert Gnoth in dreiminütigem Porträt im NDR-Fernsehen

(Bad Bentheim/Krefeld, 06. Mai 2020) „Komm ich jetzt im Fernsehen“, lautete einst der Spruch von Ingolf Lück in der Satire-Sendung „Die Wochenshow“ auf SAT1 als visionärer Rentner Herbert Görgens. (Un-)Ruheständler ist er sogar seit längerer Zeit wahrhaftig, und im Fernsehen war er ebenfalls, der Siegbert Gnoth (*21.07.1940; im Bild) vom TuS Gildehaus im niedersächsischen Bad Bentheim. Und das ist selbst erfolgreichen deutschen Senioren-Leichtathleten dann doch eher selten beschieden. Der 80-Jährige in Lauerstellung mit dem Schwerpunkt Stabhochsprung schaffte mit einem dreiminütigen Porträt über ihn beim derzeit noch abgespeckten, improvisierten Training auf der „Schützenwiese“ seiner heimatlichen Kurstadt den Sprung ins „Pantoffelkino“. Das NDR-Fernsehen strahlte diesen Beitrag vorigen Sonntag im Sendeformat „Hallo Niedersachsen“ aus. Wer es nicht live gesehen hat, kann’s in der von uns verlinkten Mediathek abrufen. Es lohnt sich, ich habe es mir gestern als Konserve angeschaut.

Rekordjagd mit dem Stab vorerst gestoppt

Aufmerksamen Lampis-Stammbesuchern sollte Siegbert Gnoth bekannt sein, der als „Pechvogel“ der vorjährigen Stadion-EM im Großraum Venetien in die Annalen einging (siehe Link). Für jene, die mit dem Mann mit dem verpflichtenden Vornamen nicht viel anfangen können, eine kurze Vorstellung aus der jüngsten Vergangenheit: Bei der Hallen- und Winterwurf-DM 2020 in Erfurt gewann der bereits nach der un- und widersinnigen DLV-Regelung der Wettbewerbsverzerrung bereits in der M80 starten dürfende vielseitige, drahtige 79-Jährige die Titel im Hochsprung (1,22m), mit dem Stab (2,50m), im Dreisprung (7,74m) und Speerwurf (34,62m). Dazu hält er in seiner Paradedisziplin Stabhochsprung aktuell drei deutsche Rekorde in der M75 (Freiluft 2,85m, zugleich Europarekord; Halle 2,80m) und M80 (Halle 2,70m). Weitere Jagden nach nationalen und internationalen Bestmarken sind vorerst gestoppt. Vielleicht irgendwann in einer späten Saison als echter Achtziger. Die 2,45m von Willi Klaus (ESV Lok Potsdam) aus dem Vorjahr sollten kein unüberwindbares Hindernis für ihn darstellen, auch der Europarekord von 2,60m nicht.

"Nordrhein-Westfalen macht auf" titelt die Rheinische Post heute

(Berlin/Düsseldorf/Krefeld, 07. Mai 2020) „Nordrhein-Westfalen macht auf“, überschreibt heute die vielzitierte Rheinische Post aus Düsseldorf in ihrer Papierausgabe einen fünfspaltigen Artikel auf der Titelseite. Dies ist stark vergröbert dargestellt die in unserem föderalistischen System der (Bundes-)Länderhoheit das Ergebnis der Online-Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den 16 Ministerpräsidenten. Das wollen wir nicht alles beleuchten, ist auch bei den jeweiligen Feinheiten und Unterschieden jener elf alten wie fünf neuen" Bundesländer nicht zu leisten. Abgesehen davon zudem nicht unsere originäre Mission. Da muss sich jeder für sein territoriales Gebiet schon selber schlau machen. Auch oder gerade was die Wiederöffnung in großen Teilen des so genannten Freizeit-, Breiten- und/oder Amateursports anbelangt.

Sport- und Trainingsbetrieb ab heute in NRW wieder erlaubt
 
Vergessen wir getrost das epochale, episch breite, ermüdende vierseitige Konzept-Papier, das der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) aufgrund von einem auf einen Bierdeckel passenden schlagwortartig entwickelten Zehn-Regeln-Plan („Leitplanken“) des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) abgesondert hat (wir berichteten). Ohne jetzt bis in kleinste Detail zu gehen, ist ab dem heutigen Donnerstag Sport- und Trainingsbetrieb im kontaktlosen Bereich auf öffentlichen oder privaten Freiluftsportanlagen unter strikter Einhaltung der Hygiene und Infektionsschutzmaßnahmen wieder erlaubt. Ab kommenden Montag dürfen auch Fitnessstudios und Hallen von Sportvereinen wieder öffnen, und ab 30.Mai 2020 sind sportliche Wettbewerbe im Kinder-, Jugend- und Amateurbereich zulässig. Nochmal: Das sind die Spielregeln für NRW. Das kann punktuell anderswo eben auch anders aussehen.

Eröffnung eines Glücksspiels?

Zusammen mit den anderen Maßnahmen wird die Öffnungsmentalität nicht einhellige Zustimmung finden. Mit der schrittweisen Rückkehr in die „Normalität“ sehen nicht wenige Bedenkenträger bei der unbestimmten Angst vor einer zweiten Corona-Welle die Eröffnung eines Glücksspiels. „Wir müssen aufpassen, dass uns die Sache nicht entgleitet“, mahnte Merkel. Meine persönliche Einschätzung und Erfahrung, dass immer noch viel zu viele sorg- und rücksichtslose Vollidioten in freier Wildbahn herumlaufen, die einfach diesen neuartigen Urknall einer pandemischen Seuche noch nicht gehört haben. Erst gestern begegnete mir ein junges Paar (wiewohl keine Altersfrage) bei bestehender Maskenpflicht in NRW und Zuwiderhandlung der Androhung eines Bußgeldes beim Lebensmitteldiscounter meines Vertrauens mit offenem Visier, also entblößtem Gesicht. Augenscheinlich geht hier in diesem gelobten Einwanderungsland ohne Kontrollen rein gar nix. Eigene Verantwortung und erst recht die für unschuldige Dritte  – was ist das?
Mehr Informationen unter tagesschau.de.

DLV lief in Sachen Konzept-Papier der Musik hinterher

(Darmstadt/Krefeld, 05. Mai 2020) Duplizität der Ereignisse oder reagierte der inzwischen offiziell kurzarbeitende Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) einmal mehr auf den digitalen Zuruf von Lampis als sein Leit- und Leidmedium? Das muss schon insofern noch er- und geklärt werden, ehe wir – das heißt die Redaktion und unser Gastautor Andreas Linnemann – noch als die ausgemachten Deppen der Nation mit Tomaten auf den Augen dastehen. Als gestern um exakt 9 Uhr der Beitrag „DOSB-Initiative: DLV behält Aktiven vierseitiges Konzept zum Re-Start vor“ online gestellt wurde, haben wir uns selbstverständlich vergewissert, ob der angemahnte DLV nicht vielleicht zufällig gleichzeitig seiner Informationspflicht (das ist ein Bringschuld!) nachgekommen ist.

Er hätte zeitgleich mit dem DOSB informieren müssen

Das war indes zu dem Zeitpunkt (noch) nicht der Fall. Obwohl ich selbst in Zeiten der allgemeinen Nachrichtenverknappung aufgrund dieser elendigen Seuche nicht ständig im Internet herumlungere, um der Dinge zu harren, die obendrein womöglich gar nicht kommen werden, haben Recherchen ergeben, dass das Referat Kommunikation & Medien in Person von Silke Bernhart im Laufe des Vormittags etwa nach 11 Uhr mit dem Hinweis auf und der Verlinkung jenes Konzept-Papiers des Verbandes ins Netz ging. Vorher sind wohl auch schon Vereine, ob alle 7.621 vermögen wir logischerweise nicht zu beurteilen (wahrscheinlich nur die Newsletter-Abonnenten), per E-Mail informiert worden, wie wir von Kugelstoß-Spezialist und Lampis-Leser Niels Depner von SuS 09 Dinslaken erfahren haben.
All dies ändert nichts an der Tatsache, dass der DLV am 30.April 2020 zeitgleich mit dem DOSB mit der Geschichte hätte herauskommen müssen (schließlich waren da seine Vorstellungen hinterlegt) und mal wieder der Musik hinterherlief. Ob nun durch uns aufgeschreckt, sei einmal dahingestellt. Aber ein Gutes hat es doch, bescherte uns einen nicht eingeplanten Beitrag.
Hinweis auf eine aktuelle Geburtstagslaudatio im Fenster Flurfunk.