Forschung: Wer Sport treibt, wird nicht zwangsläufig fitter

(Zürich/Köln/Krefeld, 25. August 2020) Sport treiben oder gesund bleiben, und Sport ist Mord oder ähnlichen Allgemeinplätzen versuchen Bewegungsmuffel und oftmals Dickleibige ihr (schlechtes) Gewissen zu beruhigen. Da haben regelmäßige Besucher von Lampis in den über 100 Beiträgen in der Rubrik „Sportsch(l)au“ von Sport- und Ernährungswissenschaftler Prof.Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln etwas anderes gelernt. Stark verkürzt wiedergegeben, dass beispielsweise trainierte Muskeln noch in jedem Alter wachsen, allenfalls die (Über-)Dosis das Gift mache. Und doch haben Forscher herausgefunden, dass jede fünfte trainierende Person, und das sind plakativ formuliert immerhin 20 von Hundert, nicht zwangsläufig fitter wird.
Dazu gibt es einen höchst interessanten Artikel in der Online-Ausgabe der angesehenen „Neue Züricher Zeitung“ (NZZ), den wir hiermit verlinken. Viel Spaß und vor allem entsprechend neue, umzusetzende Erkenntnisse bei der Lektüre dieser ausführlichen Reportage!

Mehrkampf-DM: Deutsche Rekorde durch Schilling und Gähling

(Zella-Mehlis/Krefeld, 24. August 2020) „Ladies first“, oder Ehre, wem Ehre gebührt. Und das sind  bei den Deutschen Mehrkampf-Meisterschaften der Ü35-Generation mit dem Anhängsel Gewichtwurf an den letzten drei Tagen in Zella-Mehlis (Thüringen) zwei Vertreterinnen des angeblich schwachen, dafür jedoch schönen Geschlechts. Wenngleich es sich nur um die deutsche Machart des Fünfkampfes handelte (100m flach statt 100 oder 80 m Hürden) wurden von zwei ausgewiesenen Mehrkämpferinnen absolute Weltklasse-Leistungen geboten. Die noch nicht 50-jährige Tatjana Schilling (*05.10.1970) vom TSV Korbach durfte nach national unsinniger Regelung den vier Jahre alten deutschen Rekord (4.114 Punkte) der W50 kurzerhand auf 4.644 Zähler verbessern. Eine Altersetage höher setzte Barbara Gähling (*20.01.1965) als echte 55-jährige noch einen drauf, steigerte die nationale Bestmarke (4.158) der W55 aus 2013 auf 4.745 Punkte. Obwohl das jetzt ein Vergleich von Äpfel mit Birnen ist, liegt das 10 Zähler über dem Weltrekord, bei dem eben auf der gleich langen Sprintdistanz noch die Hürden im Weg stehen.

MK-Elterrunde: Was soll das sein, ihr Strategen von SELTEC?
 
Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) kocht nach dem Motto „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ halt gern mal seine eigenes versalzenes Süppchen. Und sein österreichischer Software-Dienstleister SELTEC tut sein Übriges. In der Gesamtübersicht der Mehrkämpfe Männer und Frauen heißt es unter jeder Altersklasse jeweils „MK-Elterrunde“. Das war mir in 54 Jahren Leichtathletik-Berichterstattung noch nie vorgekommen, muss sich meines Erachtens um einen landsmannschaftlichen Begriff aus der Alpenrepublik handeln. Der Duden bezeichnet jedenfalls unter „Elter“ die Einzahl von Eltern. 

Kontrastprogram am Schlusstag der „Notopfer-DM“ im Gewichtwurf

Kontrastprogramm am gestrigen Schlusstag der „Notopfer-DM“ im Gewichtwurf. Sören Triebel (*1970) vom LAC Erdgas Chemnitz erzielte als Titelträger der M50 mit 19,76m die klassenübergreifend größte Weite. Als „einsamer Wolf“ in der M45 entschied  – wir müssen den Namen jetzt leider nennen, zumal er in der Ergebnisliste verewigt ist – Jörg Morbitzer (*1972) von der LAV Dietzhölztal mit 8,55m zwangsläufig die M45 für sich. Wenn es keinen Medaillenstandard geben sollte, was aus der Ausschreibung nicht hervorgeht, dürfte er sich tatsächlich Deutscher Meister nennen und das auf seinen Briefkopf schreiben. Kaum zu glauben, aber womöglich wahr.
Nicht nur, aber auch gerade das wirft die ganze Fragwürdigkeit dieser angehängten Titelkämpfe auf.

 

Virtuelle Senioren-WM mit finaler Ergebnisliste nunmehr abgeschlossen

(Wien/Pleasant Valley/Krefeld, 22. August 2020) Mittlerweile ist die Überprüfung der gemeldeten real oder virtual in selbst organsierten Wettkämpfen erzielten Leistungen für die am 02.August 2020 beendete virtuelle Senioren-Weltmeisterschaft abgeschlossen. Bei der bis 20.August andauernden Überprüfung habe es eine überschaubare Anzahl unglaubwürdiger Resultate gegeben. Die Athleten/innen dahinter sind angeschrieben und um eine plausible, faktisch erhärtete Erklärung gebeten worden. Wo dies nicht erfolgte, ist ein „unverified“ (sinngemäß: nicht bestätigt) in der Ergebnisliste ausgewiesen. Eine Veröffentlichung war durch den Zeitunterschied zu den USA von sechs bis neun Stunden für gestern Abend vorgesehen und ist inzwischen erfolgt.

Ein „zweiter Aufguss“ läuft bis zum 11. Oktober 2020

Alles neu macht nicht nur der Mai, sondern auch diesmal der August. Da mittlerweile doch viele reale Wettkämpfe bis hin zu nationalen Senioren-Meisterschaften stattfinden (aktuell an diesem Wochenende in Dänemark mit Teilnehmern auch aus Schweden, Norwegen, Finnland und Deutschland), haben sich die drei Initiatoren und Organisatoren um Ideen-Geber Gottfried Gassenbauer aus Wien für eine unabhängige neue Auflage entschieden, die bis zum 11.Oktober 2020 läuft. Demzufolge erfordert dies ein neuerliches Anmelde-Prozedere der Interessenten. Sie bietet bei einem bestimmten Personenkreis zudem einen Vorteil: Sollte jemand zwischenzeitlich die Altersklasse gewechselt haben (international gilt der Tag der Vollendung), kann er seine Leistungen im nunmehr vorliegenden Alters-Segment erzielen und melden.

Oneitha Lewis und Hermann Albrecht gewinnen die Lampis-Trophäen

Für Lampis ist die Messe allerdings hiermit endgültig gelesen. Beim „zweiten Aufguss“ klinken wir uns ganz bewusst aus, halten dies offen gestanden für so überflüssig wie einen Kropf. Eine echte WM bekommt auch keinen zweiten Teil angepappt. Aber bitteschön: Jedem wie es ihm gefällt.
Die ausgelobten Acryl-Pokale für die klassen-übergreifend punktbesten Leistungen im Wurf-Fünfkampf gehen jeweils überlegen an Oneitha Lewis (W60) aus den USA mit 5.049 und zu meiner besonderen Freude an Hermann Albrecht (M80) von der Spvgg. Satteldorf mit 5.317 Punkten. Der „Herminator“ stellte diese Weltrekord-Leistung gleich zu Beginn des Meldezeitraumes bei einem offiziellen Wettkampf in Osnabrück auf, dazu noch im Hammerwurf mit 50,59m (wir berichteten). Dass es ebenfalls in einem angemeldeten Wettbewerb war, ist von Lewis nicht überliefert. So dies der Fall sein sollte, wäre auch das Weltrekord (bisher 4.727). Das gehört nicht in den oben angerissenen Bereich von Märchen und Sagen. Denn ein unbeschriebenes Blatt ist die Jung-Sechzigerin nicht. Sie hält die globalen Bestmarken in der W45 (4.752) und W50 (4.800). Lediglich in der W55 musste sie der in Oberbayern lebenden Belgierin Margaretha Tomanek (*1949) den Vortritt lassen, die seit bald 15 Jahren mit 4.581 Punkten die Höchstmarke in ihrem Besitz hat.
Hinweis auf weitere aktuelle Beiträge in unserem Schaufenstern Flurfunk und Ergebnisse!

Gewichtwurf: Klaus Albers steigerte eigenen deutschen M80-Rekord

(Bremerhaven/Zella-Mehlis/Krefeld, 23. August 2020) Nicht von der 1.Senioren-DM im Gewichtwurf aus Zella-Mehlis, sondern aus Bremerhaven kommt die Meldung des Tages in dieser exotischen, der dem Hammerwurf angelehnten, nicht-olympischen Disziplin. Mit einigen Änderungen (kürzerer Draht, schwerere Gewichte) versehen von den Amerikanern beim guten alten deutschen Rasenkraftsport abgekupfert, um sie in einen ungerechten Wurf-Fünfkampf (auch deren Kreation) einzubauen. Doch nach diesen Fakten zum eigentlichen Fakt: Das vom Diskuswurf kommende Werfer-Urgestein Klaus Albers (*1940) vom BSC Grünhöfe verbesserte bei einem kleinen abendlichen Meeting seines Klubs in Bremerhaven seinen bereits eigenen deutschen Rekord der M80 um 37 Zentimeter auf formidable 19,65m.

Weltrekord nur noch 26 Zentimeter entfernt

Lediglich mal so zum Vergleich: Der Titelträger der DM, von der Albers als Internet-Muffel bis zu unserem gestrigen 105-minütigen (kein Tippfehler!) Telefonat nichts wusste, warf 13,09m. Der Klaus von der Waterkant bezeichnet sich selber als das nicht sonderliche Technikwunder in diesem Wettbewerb. Als studierter, diplomierter Sportlehrer habe er sich erst ziemlich spät als Autodidakt zwei Drehungen drauf geschafft.  Bei jenen 19,65 m „habe ich einfach einen Traumwurf erwischt, bei dem für meine Möglichkeiten rundherum schlicht alles gepasst hat“. Wenn es ginge, würde er sich den einrahmen lassen. Doch wer weiß, was noch passiert? Der sieben Jahre alte Weltrekord (19,91m) der italienischen Werfer-Legende Carmelo Rado (*1933) ist nur noch 26 Zentimeter entfernt.  

Klaus Kynast im finalen Versuch zum Titel in der M70

Kommen wir noch zu der „Notopfer“-DM, bei dem von uns beschriebenen „Mut zur Lücke“ vielfach Not gegen Elend am Start ist. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Dazu gehörten in der M70 solch ausgewiesenen Könner wie „Mr. Wurf-Fünfkampf“ Klaus Kynast (*1949) vom ASC 09 Dortmund und Gerhard Heduschke (*1950) vom Leichlinger TV. Die lieferten sich dann auf ordentlichem Niveau einen bis zum letzten und da auch erst entschiedenen Zweikampf um den Titel. Der Jung-Siebziger aus dem Bergischen (oder ist noch 69?) legte im ersten Durchgang 17,42m vor und behauptete hiermit bis zum „Finale furioso“ die Führung vor dem Westfalen, der im dritten Versuch 17,10m erzielte. Kynast vorlegen müssend, packte im „Sechsten“ 17,51m aus, dem Heduschke nur eine minimale Verbesserung auf 17,44m entgegen zu setzen vermochte.

Margret Klein-Raber ragte bei den Seniorinnen heraus

Die deutsche Rekordhalterin Margret Klein-Raber (*1964/W55) vom LC Rehlingen warf in einer breitgestreuten Serie abwärts bis 14,43m im zweiten Versuch wie ein Zufallstreffer anmutende 16,05m. Gut sich zu vergewissern, dass sie die nationale Bestmarke mit 16,47m hält. Noch eine Zahl: Die Siebt- und Letztplatzierte in der W55 warf 6,91m. Das sind mal gerade 43 Prozent der Siegerleistung. Derlei oder ähnliche Beispiele gibt es etliche.
Soviel zur im Keller angesiedelten Abteilung „Not gegen Elend“. Eine DM ohne Normen ist eine Farce, ein Solo im Gewichtwurf dazu. Eine weitere Missgeburt aus der „Ideenschmiede“ des ach so innovativen Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Darmstadt. Da gehört eine knallharte Analyse auf den Tisch. Doch darauf können wir alle miteinander bis zum Sankt Nimmerleinstag warten.
Alle Ergebnisse, auch von der Mehrkampf-DM der Ü35-Generation, unter diesem Link.

"Notopfer"-DM im Gewichtwurf feiert ab heute Premiere

(Zella-Mehlis/Krefeld, 21. August 2020) Hübsch auf alle drei Tage verteilt feiert die erstmals als Solo-Disziplin ausgetragene Senioren-Meisterschaft im Gewichtwurf als Anhängsel der nationalen Titelkämpfe der Ü35-Generation im „normalen“ Mehrkampf ab heute in der „Arena Schöne Aussicht“ in Zella-Mehlis (Thüringen) Premiere. Immerhin hatte der Zeitplangestalter die zündende Idee an einem Freitag keine Werktätigen in den Ring zu schicken. Außer es wäre bei den drei Gemeldeten der W60 noch jemand darunter. Den Auftakt machen ab 13.45 Uhr im Fünf-Jahres-Rhythmus die Altersklassen W60 bis 75 mit insgesamt sehr überschaubaren elf Startwilligen, so sie denn alle antreten. Dazu sinnigerweie zum Kehraus um 16.45 Uhr „Sieben auf einen Streich“ in der M65. Dermaßen gut im Zeitplan unter den Mehrkämpfern versteckt, dass ich schon dachte sie seien übersehen worden.

Heißes Titel-Duell zwischen Hubert Berger und Wilfried Bury zu erwarten

Bekannteste weibliche Protagonistin zum Aufgallop ist die amtierende Hammerwurf-Weltrekordlerin Eva Nohl (*1948/W70) vom TSV Langenzenn, die erst vorige Woche bei den „Masters Europa“ in Lovosice (Tschechien) im erfolgreichen Einsatz war. Im meldestärksten Wettbewerb der Senioren ist mit Hubert Berger (*1954) vom TSV Schwabmünchen der frühere Deutsche Junioren-Meister im Diskuswurf im nominell siebenköfpigen Feld. Der Buchautor und Betreiber einer Fahrrad-Manufactur dürfte sich bei einer Meldeleistung von 16,23m aus diesem Jahr eine heißen Strauß um den Titel mit dem auch vom Rasenkraftsport bekannten Spezialisten Wilfried Bury (*1954) von der TSG Dissen ausfechten, der aktuelle 15,99m zu Buche stehen hat.  

Wer mag, kann in 14 Tagen wieder anreisen

Ohne jetzt alles näher beleuchten zu wollen, aus Platzgründen auch nicht zu können, verteilt sich der große Rest vom Fest auf morgen mit der  M70 - 90 und W35 - 55, derweil die M35 - 60 Sonntagvormittag für den Kehraus zuständig sein wird. Und wer von den potenziell 81 Teilnehmern (48 männlich, 33 weiblich; siehe Meldeliste) dieser „Notopfer“-DM mag, der kann dann in zwei Wochen (05./06.September) wieder an denselben Ort der Handlung reisen. Da haben sich irgendwelche blitzgescheiten Gehirne des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) als Wiedergutmachungsprojekt für die ausgefallene DM im Wurf-Fünfkampf eine „Senioren-Challenge“ in diesem Vielseitigkeitswettbewerb für Werfer/innen ers(p)onnen (wir berichteten).
Übrigens: Eine der vielen Übersetzungsmöglichkeiten für Challenge neben dem gemeinten Herausforderung ist „infragestellen". Das sollte der DLV in eine der momentan besonders vielen stillen Stunden in der Geschäftsstelle in Darmstadt auch mal tun. Schafft ihr genialen Vor- und Querdenker (erkenne sie, die Ironie) schon irgendwie! Auch wenn’s zu keinem Ergebnis führt.