Abschaffung des Ausländerstartrechts vor Gericht auf dem Prüfstand

(Darmstadt/Berlin/Krefeld, 14. Juni 2017) „Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand“, zitiert Rechtsanwalt Gerald Kornisch aus Berlin im Gespräch mit dem Chronisten den Klassiker unter Juristen und ihren Mandanten. Nicht ohne Grund. Denn Recht zu haben und es auch zu bekommen lässt sich längst nicht immer beliebig in Einklang bringen. Zumal manche Sachverhalte nicht stets so glasklar sind, als dass sie keinen Interpretationsspielraum zulassen würden. Also werden sich vermutlich auch heute (ab 10 Uhr) in der öffentlichen Verhandlung im Raum B 105 vor dem Amtsgericht Darmstadt auf dem Mathildenplatz 12 die Geister scheiden. Das liegt schlicht in der Natur der Sache, dass die streitenden Parteien anderer Auffassung sind.
Konkret geht es um das auch von uns ausführlich behandelte Thema der Abschaffung des Ausländerstartrechts bei Deutschen Meisterschaften durch den nationalen Dachverband DLV mit Wirkung zum 01.Januar 2017. Kornisch, selber Sprinter bei TopFit Berlin, vertritt die Interessen seines italienischstämmigen Klubkameraden Daniele Biffi (*13.06.1972). Er stellte für den 200-/400-m-Läufer der deutschen Spitzenklasse (2. und 3. der DLV-Bestenliste 2016 in der M40) und Trainer von 400-m-Weltrekordler Roland Gröger (M50) „den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung zur Gewährung der Teilnahme an der Senioren-DM vom 30.Juni bis 02.Juli 2017 in Zittau“.
Gibt es ein knapp nachträgliches Geburtstagsgeschenk für Biffi hinsichtlich der nahen sportlichen Zukunft in seiner langjährigen Wahlheimat Deutschland, für die er auf sein Startrecht für sein Geburtsland Italien bei internationalen Meisterschaften verzichtet hat?  Mit welchem Ergebnis die Verhandlung auch enden mag, wird deren Ausgang unweigerlich präjudizierende Wirkung haben, wenngleich hier erst einmal „nur“ eine Einzelfall-Entscheidung auf dem Prüfstand steht. Kuriosum am Rande, dass der zunächst angerufene DLV-Rechtsausschuss sich nicht zuständig sah und den Antragsteller an ein ordentliches Gericht verwies.
Ehrensache, dass Lampis im Interesse der vielen gleichermaßen betroffenen Senioren/innen und der unzähligen Sportkameraden, die sich mit ihnen solidarisiert haben, am Drücker bleibt.