Hochnotpeinliche Vorgänge bei den Senioren-Verbänden WMA und EMA

  • Drucken

Kolumne

Moment mal

(Monte Carlo/Kiew/Krefeld, 21. Februar 2020)
Ein ungeschriebenes journalistisches Gesetz verheißt: Namen sind Nachrichten. Die sollten nicht nur, sie müssen schlichtweg stimmen, sie sind schließlich in der Außendarstellung und –wahrnehmung das persönlichste Gut des Menschen. Wie pingelig und penibel mu(e)ss(te) es erst bei den Namen von überführten, gesperrten Dopingsündern zugehen. Konjunktiv! Das ist eben konkret durch die Ent- und Aufdeckung eines britischen Masters-Athleten leider nicht der Fall. Der bei der Hallen-EM im April 2016 in Ancona (Italien) erwischte und für vier Jahre gesperrte Hochspringer Oleg Kramar (*1965) aus der Ukraine kann schon bald wieder starten, so er zwischendurch seine „Sauberkeit“ nachgewiesen haben sollte, da beschäftigt er abermals die Verbände.

Ein Mann,  jedoch mit zwei unterschiedlichen Namen

Die Leichtathletik-Dachorganisation World Athletics (WA; vormals IAAF) mit Sitz in Monte Carlo führt ihn in der Liste „Sanctioned Athlets“ unter Oleg Kramarenko, der Senioren-Weltverband World Masters Athletics (WMA) jedoch unter Oleg Kramer. Was nun? Zwei Dopingfälle in derselben Disziplin und Altersklasse am selben Ort mit sehr ähnlichen Namen sowie aus einem Land? Schwer vorstellbar. Dem ist auch nicht so! Eine ukrainische Masters-Beauftragte brachte Licht ins Dunkel, schaffte Klarheit. Der Oleg heißt dahinter Kramarenko, die WA gibt es somit korrekt wieder.

Oleg Kramar steht immer noch in der Ergebnisliste der WM 2016

Hätten wir das also auch in unserer fürsorglichen Art im Interesse der Sache in Geschäftsführung ohne Auftrag geklärt. Jetzt müsste die WMA nur noch den echten Oleg und falschen Kramar endlich aus der Online-Ergebnisliste der Stadion-WM im September 2016 in Perth (Australien) löschen, wo er immer noch unverdrossen und zu Unrecht mit 1,78m als Silbermedaillen-Gewinner im Hochsprung der M50 geführt wird. Ganz abgesehen von den Weiterungen daraus. Aber all das haben wir in Art des Wanderpredigers schon x-mal heruntergeleiert, zuletzt in dem Beitrag vom 08.Januar 2020 „Spitzenverbände der WMA und EMA vernachlässigen ihre Sorgfaltspflicht“.

Mit Lindbergs steht eine weitere Unvollendete am Ufer

Da steht übrigens mit dem Doping-Sünder Sandris Lindbergs (M35) aus Lettland eine weitere Unvollendete am Ufer. Die European Masters Athletics (EMA) mit Präsidialherr Kurt Kaschke schweigt es bislang auf ihrer Netzseite völlig tot, um die nicht vorhandene heile Leichtathletik-Welt zu wahren. Derweil hat die von Steuerfrau Margit Jungmann gelenkte WMA das Vergehen zwar unzureichend vermeldet, führt Lindbergs jedoch nicht in letzter Konsequenz in schon besagter Aussperrliste. Alles in allem eine ungeheure, unverzeihliche Schlampigkeit. Wer mit seinen (Ehren-)Ämter überfordert ist, der sollte sie drangeben. Ein frommer Wunsch. Denn das bedeutet den Verzicht auf allerlei Annehmlichkeiten und Reisen rund um den Globus mit allen dazugehörigen Nebengeräuschen.
Und wer gibt schon gerne seinen Besitzstand auf? Eine rein rhetorische Frage mit der Antwort: Niemand! Mit ein bisschen Filz, Kungelei und Kumpanei lässt sich das nach dem Motto eine Hand  wäscht die andere über Legislaturperioden hinweg ausdehnen. Traurig, aber wahr.