Unendliche Geschichte: Rolf Geese der legitime Weltrekordler der M55

(Stendal/Gateshead/Krefeld, 21. Juli 2017) Wer unfallfrei lesen, schreiben und Regeln deuten kann, ist klar im Vorteil. Allesläufer Herbert E. Müller (*1929) vom TSV Bayer Dormagen ist nicht nur noch sehr flott auf seinen betagten Beinen unterwegs, stellte selber so manchen (Welt-)Rekord in den verschiedenen oberen Altersklassen auf (er hält in der M85 alle Nordrhein-Rekorde von 100 bis 3.000 Meter) und ist obendrein ein ganz ausgeschlafenes Kerlchen. Mitunter im eigenen Interesse setzte er sich damit auseinander, wann ein Rekord wirklich ein Rekord ist. Diesmal jedoch auf Nachfrage von Statistik-Guru Bernd Rehpenning aus Garbsen, um Licht ins offenbar immer noch vorhandene Dunkel um den mutmaßlich von Angel Estuardo Granillo Diaz (*1961) aus Gutemela am 27./28.Mai 2017 beim 5.Stendaler Hanse Cup mit 8.031 Punkten aufgestellten Zehnkampf-Weltrekord in der M55 zu bringen. Müller stieg dafür  in die (Un-)Tiefen der Internationalen Wettkampf-Regeln (IWR), sogar in englischer Original-Fassung beim Weltverband IAAF, hinab.
Dabei entdeckte  der 88-Jährige, dass auch hier der Grundsatz „keine Regel ohne Ausnahme“ gilt. Denn eigentlich finden Rekorde jedweder Art nur bei elektronischer Zeitmessung und erlaubter Windunterstützung Anerkennung. Und nun die Ausnahme: Bei Strecken ab 1.000 Meter aufwärts ist ersatzweise auch die Handzeitnahme zulässig. Das ist auch analog auf den Zehnkampf, also hier den abschließenden 1.500-m-Lauf, anzuwenden. Die schlechte Nachricht für Diaz, die gute für Rolf Geese (*1944) von der LG Göttingen: Jetzt kommen dessen beim Titelgewinn anlässlich der Senioren-Weltmeisterschaften Ende Juli 1999 in Gateshead (Großbritannien) erzielten 8.120 Punkte wieder aufs Tableau. Da war beim „Marathon der Mehrkämpfer“, den 1.500 Meter, die elektronische Zeitmessung ausgefallen, wurden mit „Opas Stoppuhr“ 5:11,5 ermittelt und in der Ergebnisliste mit dem notwendigen Zusatz „h“ für Handzeitnahme versehen. Für die Berechnung der Punkte sind die obligatorischen 0,14 Sekunden ab einer Streckenlänge von 400 Meter zugerechnet (= 5:11,64) worden.  
Wie wir nun alle dank „Herbie“ wissen, steht das einer Rekord-Anerkennung (anders als bei den 8.459 Punkten von Geese drei Wochen zuvor, wo über 100 m Hürden die Elektronik ausfiel) nicht entgegen, da sonst alles regelkonform war. Siehe dazu jeweils die „ewigen Top Ten“ bei der European Masters Athletics (EMA) und zur Thematik unsere Kolumne.
Nunmehr muss sich in der „Unendlichen Gesichte“ nur noch jemand finden, der die Eintragung in den verschiedenen Rekordlisten in Deutschland, Europa und der Welt veranlasst. Daran wird es scheitern. Bei der ignoranten WMA-Statistikerin Sandy Pashkin aus Eugene (USA) sowieso.