Verein Deutsche Sprache hält Sprachpanschern den Spiegel vor

Kolumne

Moment mal

(Dortmund/Darmstadt/Krefeld, 22. Juli 2017)
Deutsche Sprache, schwere Sprache. Selbst für jene, die sich tagtäglich von Berufswegen damit beschäftigen oder es, wie in meinem Falle, weiterhin aus Spaß an der Schreiberei und im Interesse der gemeinsamen Sache (Senioren-)Leichtathletik tun. Deutsch ist vermutlich unschlagbar aussagekräftig, vielseitig, aber bisweilen auch vieldeutig, dass kleinere Fehltritte wie ein Bumerang auf einen zurückkommen. Wenngleich jetzt aus dem Zusammenhang gerissen, indes ein praktisches Beispiel, kann sich jemand am Wort „ersatzweise“ reiben und es ihm beliebig interpretieren, wobei der Verfasser es anders gemeint hat. Oder: Die absolut identischen Worte in einer anderen Satzstellung können einen völlig anderen Sinn ergeben.
Als vorwiegender Alleinunterhalter werden meine vielen Beiträge in aller Regel nicht gegengelesen, also auf irgendwelche sachlichen, fachlichen oder die vermeintlich simplen Fehler die Rechtschreibung betreffend abgeklopft und redigiert.

Niemand ist perfekt, der Verfasser eingeschlossen

Neben einigen netten Lektoren unter den Stammbesuchern, die mich auf dieses oder jenes hinweisen, springen mir gelegentlich bei bereits eingestellten Berichten Missgriffe selber ins Auge. Ganz besonders peinlich, wenn es um die Überschrift geht. Da lautete kürzlich die ursprüngliche, nur für fünf Minuten sichtbare Fassung: „Ingrid Meier lief vermutlich in 14,73 Sekunden Weltrekord über 100 Meter“. Natürlich lief sie jene 14,73 nicht vermutlich. Die waren schließlich in unbestechlicher elektronischer Zeitnahme und mit Zielfotografie gestoppt worden. Vielmehr sollte es heißen, dass es sich vermutlich um einen Weltrekord handelte, da die jeweiligen Listen bei Senioren/innen nicht sonderlich zeitnah gepflegt werden. Thema bekannt. Also korrekt und in abgeänderter Version: „Ingrid Meier lief in 14,73 vermutlich Weltrekord…“. Soviel zum Thema Satzstellung.
Der Verein Deutsche Sprache e.V mit Sitz in Dortmund, in Kürzel-Verwandtschaft mit meiner berufsständischen Organisation Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS), hat mit seinen vielen klugen Köpfen unter den insgesamt 35.000 Mitgliedern der Verhunzung und Verunglimpfung der deutschen Sprache den Kampf angesagt. Ein besonderer Dorn im Auge ist der um sich greifende und wie ein Flächenbrand ausweitende Anglizismus-Wahnsinn und unerträgliche Denglish-Misch-Masch. So findet dann alle Jahre wieder die Kürung zum Sprachpanscher statt. Die fünf Kandidaten für 2017 sind bereits benannt und stehen zur Wahl.

Nur 6 % der Deutschen verfügen über ein fehlerfreies Englisch-Niveau

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), der 2015 einen unrühmlichen zweiten Platz belegt hat, hätte auch wieder darunter sein können. Denn die wegen ihres Ausrüstungssponsors USA-affinen Hessen sind von ihrem Denglish, das bis in Ergebnislisten Einzug hält, nicht abgerückt. Der DLV und allen anderen Verunzierer sollten sich vergegenwärtigen, dass nach einer verlässlichen Erhebung nur maximal 6 (in Worten: sechs) Prozent der Deutschen über ein nahezu fehlerfreies Englisch-Niveau in Wort und Schrift verfügen. Gehen wir schlankweg davon aus, dass die rund 800.000 Mitglieder des DLV dem repräsentativen Bildungsquerschnitt der Republik entsprechen, bedeutet das im Umkehrschluss, dass etwa 752.000 davon die Verlautbarungen aus Darmstadt in Teilen schlechterdings nicht verstehen.
Dumm gelaufen!