Olympia-Norm: Allzu kühnes Vorhaben folgerichtig grandios gescheitert

(Mutterstadt/Wiesau/Köln/Krefeld, 23. Juni 2016) Auf heißen Kohlen saßen gestern Abend Chef-Organisator Gerhard Zachrau von RKS Phoenix Mutterstadt und die „Statisten“ für den Diskuswurf-Wettbewerb. Wer nicht (pünktlich) erschien, war der Hauptdarsteller, für den und um ihn herum dieser Werferabend kurzfristig geplant wurde. Ahmed Mohammed Al Deep (Katar) nebst Begleitung saßen bei Querung der Rheinbrücke in Ludwigshafen über Gebühr lange im Stau fest. So begann die ursprünglich für 18 Uhr geplante Konkurrenz mit einstündiger Verspätung. Ob es allein an den widrigen Begleiterscheinungen lag, dass der Katari bei einem „Hausrekord“ von 63,70m sein ohnehin sehr kühnes Vorhaben die Olympianorm (65m) zu werfen deutlich verfehlte, darf füglich bezweifelt werden. Denn die von ihm letztlich erzielten 58,96m, immerhin für ihn Saisonbestleistung, liegen fast zehn Prozent unter dem verlangten Soll für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro (Brasilien). Das dürfte auf der nicht mehr allzu lange währenden Hatz danach selbst bei besserer Vorbereitung ein schweres bis nahezu unmögliches Unterfangen werden.
Unsere flankierende werberische Maßnahme mit einer Meldung einen Tag vor der Ad-hoc- Veranstaltung war für etwaige potenzielle Interessenten offenbar dann doch zu kurzfristig. Schlussendlich war es von den Teilnehmern der Mikrokosmos, der sich meist bei Meetings im schönen Sportpark Mutterstadt um die eigene Achse dreht. Die besten Leistungen der, pardon, „Pausenfüller“ für den nicht ganz so tief wie erhofft schürfenden Al Deep boten aus der Seniorenriege in einem geschlechter- und altersklassenübergreifenden Privat-Duell Bettina Schardt (W40) von der MTG Mannheim und der gastgebende Lokalmatador höchstpersönlich. Gerhard Zachrau (*1949/M65) entschied es knapp mit 42,32 zu 42,12m zu seinen Gunsten.

Bankrott-Erklärung des BLV

Machen wir noch den schon angekündigten kleinen Nachklapp einer Auslese eigener Gnaden von Meisterschaften (teilweise schon berichtet mit einem Dreisprung-Weltrekord) und einem altgedienten Sportfest des vorigen Wochenendes. Häppchenweise, gewissermaßen als Drei-Gang-Menü offerierten die Bayern ihre Titelkämpfe  für Senioren/innen. Das mag für ein gemütliches Essen angemessen sein. Für ein Festival der großen Leichtathletik-Familie der Ü30-Generation kommt es einer Bankrott-Erklärung gleich. Und das beim Freistaat Bayern, der sich – zurecht – rühmt, der mitgliederstärkste Landesverband im DLV zu sein und dessen streitbarer Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) „sein“ Bundesland für den Nabel der Welt hält. Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Grundsätzlich mag ich das vermeintliche Vorzeigeland und seine Leute, verbringe häufig meinen Urlaub dort und habe viele Sportfreunde daher.

Wurf-Allrounder Norbert Demmel gewann alle vier Titel

Wenden wir uns jedoch nunmehr kurz und knackig dem zweiten Teil der Familiensaga zu, der von Stoß und Wurf. Ganz der oft zitierten Papierform gemäß war Wurf-Allrounder Norbert Demmel (*1963) vom TSV Unterhaching der alle und alles überragende Protagonist im beschaulichen Wiesau, einem 4.202-Einwohner-Ort im Landkreis Tirschenreuth. Der Leiter eines Münchner Fitness-Studios entschied alle vier Konkurrenzen für sich. Die mit Kugel (16,04m), Diskus (50,18m) und Speer (51,86m) hoch überlegen. Allerdings hatte er im Hammerwurf (48,90m) mit dem ausgewiesenen Spezialisten Stephan Frey (*1962) vom LAZ Obernburg-Mittelberg eine denkbar harte Nuss (47,95m) zu knacken. Ohne jetzt alles bis in kleinste Detail durchgewühlt zu haben, dafür steht den Berufskiebitzen schließlich die Online-Ergebnisliste zur Verfügung, bot Martina Greithammer (*1974) vom TSV Münnerstadt mit 43,10m im Diskuswurf der W40 eine respektable Weite. Bereits auf die Zweitplatzierte betrug ihr Vorsprung 18,62m. Das spricht für sie, nicht jedoch ihre drei „Opfer“.
Unter keinem günstigen Stern stand das nach einer kleinen Durststrecke diesmal wieder ordentlich frequentierte Traditionelle Seniorensportfest vom TuS Köln rrh im Sportpark Höhenberg der Domstadt. Heftige Regenschauer machten so manchen ambitionierten Teilnehmern einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Besonders arg erwischte es die Kugelstoßer der Klassen M70 und älter, die nach dem gerade abgeschlossenen Einstoßen und dem Aufruf zum Wettkampfbeginn eine 35-minütige Unterbrechung wegen Starkregens hinnehmen mussten. Der Leistungskiller schlechthin, da ja dann auch die Temperatur um etliche Grad abzusacken pflegt. Obendrein glichen Sektor und Ring einer Seenlandschaft, waren vor der Wiederaufname erst einmal von den gröbsten Wassermassen zu befreien. Dies gilt es irgendwie beim Blick auf die Resultate zu berücksichtigen und besagt exemplarisch, dass eine - in diesem konkreten Fall ausgesprochen ungeordnete -  Ergebnisliste bisweilen nur sehr bedingte Aussagekraft hat. Die vielseitige Barbara Gähling (*1965) vom LT DSHS Köln erzielte im Kugelstoßen der W50 mit 13,12m eine überdurchschnittliche Leistung, hatte indes den gewaltigen Vorteil, nicht schon vor der Dusche nass gemacht worden zu sein.