Ingrid Holzknecht erzielte höchste Punktzahl bei Fünfkampf-DM

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(Zella-Mehlis/Amstetten/Krefeld, 29. August 2016) Es liegt nun einmal in der Natur der Sache einer Vorschau auf Titelkämpfe, dass der Chronist sich aus dem Fenster lehnt und einen Ausblick wagt. Dabei gibt es nur zwei Möglichkeiten: ins Schwarze zu treffen oder grandios zu scheitern. Hinsichtlich der Deutschen Meisterschaften im Wurf-Fünfkampf am vergangenen Wochenende im Stadion „Schöne Aussicht“ in Zella-Mehlis (Thüringen) war beides darunter. So die Fehleinschätzung, dass Weltrekordler (4.696 Punkte) Norbert Demmel vom TSV Unterhaching in der M50 wohl auch mit vier Disziplinen gewinnen würde. Einmal ist die Tendenz beim 53-jährigen Münchner über jene globale Bestmarke vom Wonnemonat Mai in Dingolfing, den 4.496 Zählern im Juli in Hilversum (Niederlande) und nunmehr 4.251 Punkten in ähnlicher Größenordnung kontinuierlich fallend, zum anderen war dadurch bedingt der zweitplatzierte Joachim Rieck (3.723) vom TSV Altenberg beim „Best of the Rest“ nicht ganz so weit entfernt.
Goldrichtig lagen wir hingegen mit unserer Etikettierung, dass Georg Ortloff vom LAC Quelle Fürth eine sportliche Wundertüte sei. Trotz guter Vorleistung (4.128) hatte der Franke mit dem mutmaßlichen Dreikampf um die Vielseitigkeitskrone in der M65 absolut nichts zu tun, wurde er abgeschlagen Vierter (3.706). Das Titelrennen entschied Gerhard Zachrau (Phoenix Mutterstadt) für sich, der seine eigene deutsche Jahresbestleistung (4.161) auf 4.202 Punkte steigerte. Nicht nur sein Glanzlicht setzte er mit 46,25 m im Diskuswurf. Just da musste der sichere 43-m-Werfer Klaus Kynast vom ASC Dortmund  als Zweiter (4.015) seine durchaus berechtigten Siegchancen mit für ihn stark unterbelichteten 34,54m oder einem Minus von etwa 203 Punkten begraben.

Margarete Tomanek entschied nicht vorhersehbare Duell mit Eva Nohl klar für sich

Was uns aufgrund der Orientierung an der Meldeliste erst einmal verborgen blieb  – Eva Nohl vom TSV Langenzenn konnte nicht ohne ihre Dauerrivalin Margarete Tomanek von der LG Ebersberg-Grafing das Kind in der W65 gemütlich nach Hause schaukeln. Die Wahl-Bayerin aus Belgien meldete nach. Keine Spur von der Ellbogen-Verletzung, die sie zuletzt plagte. Womöglich hat sie den berühmten Wunderheiler in der bayerischen Landeshauptstadt aufgesucht, auf den auch Sprinter Usan Bolt aus Jamaika schwört. Egal wie: die gute Margarete setzte sich locker und überlegen mit 4.488 zu 4.050 Punkten durch.
Wären wir zugleich bei der Überleitung zur „Erklimmung“ des begehrten 4.000er-Gipfels. Den schafften bei den Seniorinnen noch weitere drei fürwahr echte Wurf-Mehrkämpferinnen. Wobei Ingrid Holzknecht am ersten Tag (wir berichteten) sogar die 5.000-Punkte-Grenze im spannenden Duell mit Hella Böker (4.993) knackte und das überhaupt höchste, vielleicht nicht beste Resultat nach der inoffiziellen „All-Star-Wertung“ erzielte. Allerdings wollen wir dabei nicht verschweigen, dass insbesondere in der Alterspyramide nach oben in der Relation eine bessere Bewertung erfolgt. Acht Senioren überboten als Qualitätsmerkmal die 4.000-Punkte-Marke, allein fünf davon bei der M70 (1), 75 (1) bis 80 (3). Was die soeben aufgestellte These bestätigt.
Für mehr Details verweisen wir auf die restlos verhunzte, wild gemischte Online-Ergebnisliste. Doch wer sucht, der wird auch da irgendwann das finden, was ihn am meisten interessiert.

Deutsche Senioren/innen feierten 15 Erfolge in Österreich

Die mit zwei Ausfällen und zwei Nachmeldungen letztlich wieder avisierten 29 deutschen Teilnehmer, darunter eine Quotenfrau, bei den Internationalen Österreichischen Senioren-Meisterschaften in Amstetten bei Linz boten ein breit gefächertes Leistungsspektrum. Bei dem einen oder anderen konnte für den unvoreingenommenen Betrachter der Eindruck entstehen, dass die Spezialisierung auf maximal zwei, drei artverwandte Disziplinen etwas für Feiglinge ist. Eine Beobachtung, die im Grunde bei allen internationalen Meisterschaften gemacht werden kann. Kurz und knackig auf einen Nenner gebracht, verzeichneten die Gäste aus Deutschland 15 Erfolge. Aus unserer Sicht vergeben wird das Prädikat „wertvoll“ für die 43,92m im Diskuswurf der M70 von Jung-Siebziger Georg Kinadeter (*1946) vom TV Hauzenberg. Bei den Hausherren aus "Felix Austria" ragte erwartungsgemäß Gottfried Gassenbauer (*1958) aus Wien im Hammerwurf der M55 heraus. „Gassi“, momentan im vollen „Wintertraining“ für die sehr spät im Jahr liegende Senioren-WM im australischen Perth, weiß offenbar zu jeder Zeit sein Potenzial sehr genau einzuschätzen und vor allem umzusetzen. Eine 53 vor dem Komma sollte es sein, eine 53,50m ist es geworden. Bereits der Zweitplatzierte (41,80m) folgte in respektvollem Abstand. 
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