"Highlander" Andreas Deuschle kehrte im Kugelstoßen der M50 zurück

(Erfurt/Krefeld 06. März 2018)  Wenn’s nicht zu einem Börsenbericht verkommen soll, bei dem gemeinhin Zahl an Zahl gereiht wird, bleibt letztlich nur die Rosinenpicker-Methode. Unausbleiblich, dass da einiges auf der Strecke bleibt. Zumal bei aller Objektivität des neutralen Betrachters die unterschwellige subjektive Wahrnehmung nicht komplett ausgeblendet werden kann. Jedoch bei dem Wust an Resultaten der 17. Deutschen Senioren-Hallen- und 15. Winterwurf-Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Erfurt selbst herunter gebrochen auf Stoß und Wurf nicht anders machbar. Über die Organisation und das ganze Drumherum ist an diesem Dauer-Schauplatz der letzten fünf Jahre in der Vergangenheit schon alles ausgeführt worden. Da wo gehobelt wird, fallen zwangsläufig Späne. Ecken und Kanten blieben übrig, ohne auf die nach Art des Kleinlichkeitskrämers näher einzugehen. Ganz neu war es freilich Eintritt zu erheben. Aber das hatten wir schon, stieß jedoch, wohin das Ohr auch hörte, auf allgemeines Unverständnis und Kopfschütteln bis hin zum Kopfschmerz.

Für die Titelkämpfe 2019 gibt es erfreulicherweise drei Bewerber

Den Fauxpas wird der Nachfolger hoffentlich nicht begehen. Wobei die Karawane 2019 bei den Bewerbern Halle an der Saale (Sachsen Anhalt) und Chemnitz in Sachsen wieder ostwärts ziehen dürfte. Nach noch unbestätigten Meldungen soll auch Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) den Hut in den Ring geworfen haben. Aus meiner ganz persönlichen Sicht des Sportjournalisten mit der unstreitig umfangreichsten Berichterstattung über diese Titelkämpfe haben die TLV-Geschäftsstelle sowie die beiden so genannten Führungskräfte Lahmann und Hafermann von Öffentlichkeitsarbeit so viel Ahnung wie die Kuh vom Sonntag. Nach früheren Schulnoten bemessen ein glatte 6 (in Worten: sechs).

Zweimal den Papst in der Sporttasche

Müßig zu erwähnen, dass bei Temperaturen bis vier Grad unter null mit Diskus, Speer und Hammer keine Wunderdinge zu erwarten waren. Nun aber Fleisch an die Knochen. Christoph Bischlager von der LG Stadtwerke München hatte zweimal den Papst in der Sporttasche. Der Bajuware aus der selbst ernannten Weltstadt mit Herz gewann das klassische Double von Kugel (14,80m) und Diskus (45,59m) mit jeweils denkbar knappem Vorsprung von sechs respektive 19 Zentimetern. Das Kunststück gelang zwei Altersetagen höher in der M45 derweil souverän Ralf Mordhorst vom LC Lübeck mit Kugel (14,26m) und Diskus (46,50m).  Hammerwerfer Marcel Kunkel vom USC Mainz war in seiner Disziplin mit 55,73m eine Liga für sich.

Kugelstoß-Anlage hat so ihre visuellen Tücken

Ein Wiedersehen gab es mit  Andreas Deuschle (*1968). Der bis in die M40 hinein aktive einstige 19,17m-Kugelstoßer hatte sich in den letzten Jahren mit großem Erfolg bei den Highlandern getummelt. Den urigen Typen mit dem vollen wuscheligen Haupthaar bis zur Schulter kann man sich prima im Schottenrock vorstellen. Die M50 mit dem sechs Kilo „leichten“ Gerät hat ihn zu einem Comeback gereizt. Die nötige Norm und viel mehr als das stieß er bei einem Hallen-Wettkampf in Biberach mit 15,60m. Diesmal brauchte er bis zum finalen sechsten Versuch, um mit 15,07m daran in etwa anzuknüpfen. Aller Wiederanfang ist eben schwer. Der Jung-Fünfziger hat auch für die EM in Madrid in gemeldet.
Wenngleich die Kugelstoß-Anlage visuell so ihre Tücken hat (ich weiß worüber ich schreibe), ist der für Außenstehende veritable Absturz von Drehstoßer Oliver Schembach vom LV Essen nicht nachvollziehbar. Mit einer M50-Bestleistung von 15,02m als klarer Medaillenkandidat gehandelt, erreichte der 52-Jährige mit für ihn unterirdischen 11,97m als  Neunter des zehnköpfigen Feldes nicht einmal das Finale. Helmut Maryiniak vom 1.FC Passau stürzte im dritten Versuch wahrhaftig und zog sich dabei eine Verletzung am Oberschenkelbeuger zu. Dennoch trat er gut zwei Stunden später im Diskuswurf an. Da ließ er offenbar zunächst große Vorsicht walten und erzielte nach viel Asche im letzten Durchgang für ihn halbwegs akzeptable 49,33m. Der Winterwurf-Spezialist hatte an Neujahr bereits 54,25m erreicht. Hinter ihm wurde Wieder-Einsteiger Norbert Weinreich (MT Melsungen) nach einer sehr ausgewogenen Sechser-Serie mit 43,69m Zweiter. Wie von uns berichtet gab es ein völlig unnötiges Gezerre um dessen Startberechtigung.

Enrico Pyritz trumpfte in der M55 mit 15,03m auf

Stark trumpfte Enrico Pyritz vom SC Neubrandenburg in der M55 mit der Kugel (15,03m) auf. Robert Ingenbleek von der LG Eder, ein früherer Schützling von Trainer-Legende Norbert Pixken (Stichwort: Jürgen Hingsen), wurde mit griffigen 14,14m Zweiter, hielt sich dafür mit dem Diskus (46,74m) schadlos. Mit viermal x wie war wohl nix und nach 13,48m einem kapitalen Ausreißer nach oben von 14,50m gewann Roland Wattenbach vom TV Eiche Bad Honnef das Kugelstoßen der M60. Hinter ihm fochten Rainer Horstmann (13,35m) vom TSV Kirchlinde und Uwe Heimreich (13,30m) vom TSV Zella-Mehlis in einem spannenden Zweikampf die Silbermedaille aus.

Top sechs im Diskuswurf der M65 mit großer Leistungsdichte

Eine ungeheure Leistungsdichte auf den ersten sechst Plätzen war im Diskuswurf der M65 zu notieren: 1. Johann Stein (TV Werther) 43,26 m, 2. Rolf Griesberg (Pulheimer SC) 42,19m, 3. Klaus Kynast (ASC 09 Dortmund) 41,78m, 4. Siegfried Greiner (TG Nürtingen) 41,65m, 5. Richard Bauder (SU Neckarsulm) 41,53m, 6. Karl-Heinz Deiss (LG Weserbergland) 41,15m.
Nun wollen wir die Speerwerfer, meist eingleisig fahrende Spezialisten, nicht vollends unterbuttern.
Die vielleicht nach der Relativwertung nicht beste Leistung, dafür jedoch metrisch größte Weite von 58,40m erzielte Christoph Maier von der LT DSHS Köln. Der Primus darf in der Einstiegklasse M35 allerdings irgendwie erwartet werden. Diese Ehre mit dem Hammer gebührt Holger Fettke (M50) von Union 1861 Schönbeck, der 57,05m weit warf.
Da es bis zu dieser Stelle schon jede Menge Lesestoff ist, der große Rest in der einmal mehr krausen Gesamtergebnisliste, das ist mittlerweile trauriger Standard, und die Seniorinnen in einem noch folgenden eigenen Beitrag.