Stendaler Hanse-Cup machte seinem glänzenden Ruf wieder alle Ehre

(Stendal/Krefeld, 29. Mai 2018) Machen wir nach unserer brandaktuellen Berichterstattung mit der Exklusiv-Meldung vom  wahrhaftig historischen M70-Weltrekord (8.142 Punkte) von Zehnkämpfer Valdis Cela (*1948) aus Lettland und der gestrigen Kolumne noch einen ausführlichen Nachdreher zum 6.Stendaler Hans-Cup (SHC) und dem Drumherum. Vorab kommen wir einem an uns herangetragenen Anliegen nach. EMA-Ehrenpräsident Dieter Massin legt als einer der Gründerväter des SHC großen Wert auf die Feststellung, dass Geraldine Finegan (W50) aus Irland keineswegs im Zehnkampf außer Konkurrenz, wohl aber konkurrenzlos gestartet sei. Das Solo für sie wäre ordnungsgemäß beim Leichtathletik-Verband Sachsen-Anhalt angemeldet und genehmigt worden. Außerdem sei es kein Gag der Organisatoren gewesen, sondern wäre dieser Wunsch von ihr ausgegangen. Außerdem habe es auf seine Iniitiative hin bereits am 20./21. September 1997 im westfälischen Ahlen einen Zehnkampf der Frauen mit acht Teilnehmerinnen, an der Spitze Mona Steigauf vom USC Mainz, unter Anwesenheit der damaligen DLV-Vizepräsidentin Ilse Bechtold gegeben. Die seinerzeit 27-jährige Mainzerin erzielte bis heute unerreichte 7.822 Punkte. Hätten wir das also auch geklärt. Festzuhalten bleibt jedoch, dass der Zehnkampf der Frauen/Seniorinnen nicht zum offiziellen Wettkampfprogramm der IAAF, WMA, EMA und des DLV gehören, keine Meisterschaften darin ausgetragen und folglich keine offiziellen Rekord-/Bestenlisten geführt werden.

Es gibt lediglich offiziöse Rekordlisten im Zehnkampf der Frauen/Seniorinnen

Offiziöse gibt es schon. Den in der W50 hält Rita Hanscom aus den USA mit 7.327 Punkten. Davon blieb die extrovertierte Irländerin ein großes Stück entfernt. Selbst von dem von ihr angestrebten Siebentausender. Per Saldo waren es 6.858 Punkte. Ein völlig verhauener Diskuswurf von 20,30m (399 P.) machten ihr einen dicken Strich durch die 7.000-Punkte-Rechnung. Sehr beachtlich allerdings ihre Zeit von 5:53,13 Minuten (796 P.) im abschließenden 1.500-m-Lauf. Davon hätte sich so manches Mannsbild eine dicke Scheibe abschneiden können. Relativ gesehen wie tatsächlich. Es darf konstatiert werden, dass die taffe Frau von der Grünen Insel mit acht sehr ausgewogenen Leistungen, im Stabhochsprung blieb sie ebenfalls unter ihren Möglichkeiten, fürwahr eine ernsthafte Zehnkämpferin ist. Respekt! Applaus! Chapeau! Obwohl der Vergleich von Äpfeln und Birnen zu hinken pflegt, sei noch erwähnt, dass der Stendal-Sieger der M50 lediglich 4.355 Punkte sammelte und auch über 1.500m in 6:06,34 Minuten langsamer lief.

Marathon der Mehrkämpfer wurde auch für Wolfgang Ritte zum Scharfrichter

Der Marathon der Mehrkämpfer wurde auch für Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen zum Scharfrichter. Ob es nun die mit einer Sauerstoffschuld einhergehende angeborene Unterproduktion der roten Blutkörperchen oder die Aussichtslosigkeit des Unterfangens nach neun Disziplinen mit 7.709 Punkten noch den Weltrekord der M65 (8.205 P.) verbessern zu können war, gab er nach zwei Runden auf. Das Handtuch zu werfen will nicht so recht zu seiner ansonsten makellosen sportlichen Vita passen. Bei Halbzeit lag der vornehmlich stabhochspringende Alleskönner und Inhaber des Weltrekords im Zehnkampf der M60 (8.123 P.) mit famosen 4.406 Punkten noch auf Kurs. Doch am zweiten Tag blieb er in allen Disziplinen, einschließlich seiner „Schokoladenübung“, hinter seiner Marschroute (in Klammern) zurück: 100 m Hürden 16,13 sec. (16,10), Diskus 31,96m (35,00), Stabhoch 3,70m (3,80), Speer 31,12m (34,00). Die 1.500m (Sollzeit 7:30 Minuten) schenkte er sich dann zum Leidwesen vieler Sportkameraden und Zaungäste in Gänze.
Aus dem Weltrekord-Zweiklang der M65 und 70 wurde also nichts. Doch darunter gab es noch durchgängig von der W55 bis 70 vier nationale Bestmarken. Als da wären im Siebenkampf: W55: Marite Vilcane (Lettland) 4.108 Punkte; W60: Wiebke Baseda (SV Grün-Weiß Hamburg) 5.961; W65: Ulrike Hiltscher (LG Neiße) 6.086; W70: Margaritha Dähler-Stettler (Schweiz) 4.509.

Phil Raschker lediglich in der Zuschauer- und Betreuerrolle

Der Veranstalter beklagt die schwache Resonanz in den Einzelwettbewerben bei den Internationalen Altmark-Meisterschaften. Allerdings dürfte das Problem hausgemacht sein. Das Programm ist neben dem Hauptereignis Hanse-Cup mit Sieben- und Zehnkampf schlichtweg überfrachtet. Darauf noch Dreikämpfe und den Internationalen Fünfkampf aufzupfropfen, ist schlicht des Guten zu viel. Hinzu kam, dass sich die angekündigte Galionsfigur Phil Raschker (*1947) aus Atlanta/USA mit der Zuschauer- sowie Betreuerrolle ihres deutschen Freundes Heinz Keck (sehr ordentliche 6.046 Punkte in der M75) und der gerade erst erwähnten Schweizerin begnügte. Die geborene Hamburgerin absoliverte zwar schon wieder Wettkämpfe in ihrer Wahlheimat und qualifizierte sich für die US-Masters, hat aber momentan eine Zwischenphase mit verstärktem Krafttraining eingelegt. Da wollte sie mit einer Schnellkraftdisziplin verständlicherweise kein Risiko eingehen. Schade drum. Ein „Schaulaufen“ mit der gleichaltrigen Sprint-Weltrekordlerin Ingrid Meier vom LAC Quelle Fürth wäre natürlich ein absolutes Glanzlicht gewesen. Allerdings wäre die flotte Ingrid trotz Trainingsrückstand mit ihren 15,20 Sekunden über 100 Meter innerhalb des Dreikampfes schwerlich zu packen gewesen.
Es wäre jetzt ein wenig vermessen zu konstatieren, dass Dainis Kula (*1959) aus Lettland als Speerwurf-Olympiasieger (91,20m) von 1980 in Moskau alte Klasse aufblitzen ließ. Freilich sind seine 51,14 m für einen 59-Jährigen im letzten Jahr der M55 aller Ehren wert. Klarer Fall, dass sich M80-Sieger Lothar Huchthausen (39,95m) so manchen Tipp und ein Erinnerungsfoto (siehe Bild) bei dem sympathischen, der deutsche Sprache ganz passabel mächtigen „Goldjungen“ von einst holte.
Der gesamte Ergebnisspiegel ist in Etappen unter diesem Link abrufbar.