Nicht alle Trümpfe stachen bei den NRW "Open" im Winterwurf

(Krefeld/Leichlingen, 16. November 2015) Trotz einiger klangvoller Namen hoch dekorierter Athleten stachen bei den Offenen Nordrhein-Westfälischen Senioren-Winterwurfmeisterschaften (so der unvermeidliche offizielle Bandwurmtitel) vergangenen Samstag im Sportzentrum Balker Aue in Leichlingen längst nicht alle Trümpfe. Dafür kann auch nicht das Wetter verantwortlich gemacht werden, dass bei um die 10 Grad und leichtem Wind für den gemeinhin tristen elften Monat im Jahr ganz passabel war. Allenfalls, dass sich manche eben doch schon zwischen Baum und Borke befanden. Soll heißen, dass sie “zwischen den Saisons” die Belastung runter- oder dem Beginn des eisenhaltigen Wintertrainings bereits wieder hochgefahren haben.

Schwächsten Saisonleistungen von Peter Speckens

Manches unverkennbare Formtief war allerdings auf ganz andere Art und Weise hausgemacht. Peter Speckens (*1935) vom SV Rot-Weiß Schlafhorst in Übach-Palenberg, seines Zeichens weltweit erfolgreichster aktiver Werfer, hatte zusammen mit “König” Richard Rzehak aus Erlangen im tschechischen Franzensbad 14 Tage gekurt. Dabei verkehrten sich 48 (!) therapeutische Anwendungen zunächst einmal ins Gegenteil: Nämlich Schlaucherei, statt beabsichtigte regenerative Wirkung. Obendrein haben sie noch gemeinsam trainiert. Die ernüchternde sportliche Quittung wurde im Bergischen ausgestellt. Für ihn unterirdische 31,25m mit dem Diskus (SBL 36,07m) und 37,74m mit dem Hammer (SBL 44,38m) gingen in die Ergebnislisten ein. Seine absolut schwächsten Leistungen im Premierenjahr in der M80. Die Konkurrenz vermochte indes seine “Rohrkrepierer” nicht zu nutzen, die bei etwa 85 Prozent seines wahren Leistungsvermögens lagen.
Ein von den überdurchschnittlichen Möglichkeiten noch größeres Desaster erlebte Hermann Huppertsberg (*1945) von der Deutschen Turnerschaft Ronsdorf in seiner Paradedisziplin Hammerwurf mit 34,80 m (SBL 54,38m) und einer Beinahe-Niederlage in der M70 gegen den normalerweise völlig chancenlosen Torsten Lange (34,05m) von der LG Kreis Ahrweiler. Aber auch dafür gab es einen sehr plausiblen Grund: Hermann verdrehte sich auf schmierigem Untergrund bei einem Sturz im zweiten Durchgang das linke Knie, benötigte jedoch für den nicht als Meisterschaftswettbewerb (wie Kugel und Gewichtwurf) gewerteten Wurf- Fünfkampf noch einen gültigen Versuch im Vorkampf. Das zeitigte halt unter großen Schmerzen jenes Würfchen mit einer für ihn restlos unterbelichteten Weite. Eine Röntgenuntersuchung im Krankenhaus Wuppertal-Barmen ergab glücklicherweise keine Knochenverletzung. Eine Kernspintomografie (MRT) muss nun darüber Aufschluss geben, ob eventuell Bänder oder Meniskus geschädigt worden sind.

Ingrid Kusche überraschte positiv

Allemal erfreulich, dass es auch einige positive Überraschungen gab. Dazu zählte zweifellos Wurf-Allrounderin Ingrid Kusche (*1940) vom TV Erkelenz  als Alleinunterhalterin in der W75, die vermutlich keiner auf dem Zettel hatte. Sie ließ den 2-Kilo-Hammer im finalen letzten Versuch auf bemerkenswerte 33,13m fliegen und sammelte im Wurf-Fünfkampf nicht weniger beachtliche 4.825 Punkte. Bleiben wir zunächst bei diesem Vielseitigkeitswettbewerb. “Mr. Fünfkampf” Klaus Kynast (*1949) vom ASC Dortmund “erklimmt” im Normalfalle ausschließlich Viertausender. Diesmal waren es 4.042 “Höhenmeter”. Trotz durch Verletzung (LWS-Syndrom) bedingter Zwangspause im Frühjahr das vierte Resultat über 4.000 Punkte (4.280 zuvor).
Noch zum Stichwort aus dem ärztlichen Bulletin: Herbert Mussinghoff (*1949) vom Team Voreifel, im wirklichen Leben Dr. med. und Oberarzt der Orthopädie in der Eifel-Höhenklinik, warf nach dem erst im August an und nicht von ihm operativ behandelten Bandscheibenvorfall den Diskus 46,58m weit. Er gewann zudem den Speerwurf der M65 mit 38,47m und stieß als Dritter im ungeliebten Kugelstoßen erstmals über 11 Meter (11,06m). Klassenübergreifend war Lokalmatador Swen Linden (*1967) vom vollendeten Gastgeber Leichlinger TV in der M45 mit der Tagesbestweite Chef im Hammerwurf-Ring. Seine 52,69m mit dem 7,26 Kilogramm schweren Gerät widerlegen eindrucksvoll, dass „Hair-Stylisten” ausnahmslos Weicheier und Warmduscher seien. Der gute Swen ist selbständiger Friseurmeister. Sehr ordentlich auch die griffigen 55,33m im Speerwurf der M55 des Thomas Stoltefuss von der LG Hamm-Kamen-Holzwickede.  - 
Des Weiteren verweisen wir auf die Verlinkung zu den Einzel-Resultaten und im Mehrkampf.