Norbert Demmel der alle überragende Werfer bei der Senioren-EM

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(Ancona/Krefeld, 04. April 2016) Nunmehr ist auch seit gestern die nachösterliche Messe im und am Banca Marche Palas, früher Palaindoor, gelesen, gehören die 11. Hallen-Europameisterschaften mit Winterwurf in Ancona an der italienischen Adriaküste der Historie an. Ob sie darin einen Ehrenplatz beanspruchen können, steht zumindest aus Werfersicht füglich zu bezweifeln. Selbst wenn die Verantwortlichen 99 Dinge richtig machen, kann ein Fehlgriff das Gesamtkunstwerk zerstören. Und das war mit der unsäglichen Posse um die zunächst in „Bierzelte“ ausgelagerten Kugelstoß-Wettbewerbe letztlich der Fall. Das erste Provisorium geriet mit einer lichten Höhe von 3,45m so etwas von zu niedrig, dass auch ein Blinder mit Krückstock daran hätte fühlen können. Auch der Umzug in eines mit mehr Luft nach oben erwies sich als untauglicher, kläglicher Versuch. Schlussendlich wurden die „Zelte“ unter erheblichen Zeitplanverschiebungen und –änderungen in der Haupthalle aufgeschlagen. Warum nicht gleich so, stellt sich hiermit die letztmals an EMA-Präsident Kurt Kaschke als Hauptverantwortlichem gerichtete Frage? Klar, dass wir darauf von diesem „Super-Physiker“ aus Freudenstadt im schwarzen Walde keine Antwort bekommen. Dafür haben wir von LAMPIS es ihm als einziges Medium in aller Deutlichkeit – hoffentlich – oft  genug aufs Butterbrot geschmiert. Dazu von der Schmierenkomödie übelster Prägung noch ein Zeitdokument in bewegten, schriftlich kommentierten Bildern.
Um nicht die abgenudelte Plattitüde „Übliche Verdächtige“ zu strapazieren, war es durch die deutsche Brille betrachtet der bekannte Mikrokosmos von Werfern, der sich an der Adria drehte, angleitete und anlief. Und es waren auch mehr als genug amtierende nationale Titelträger der DM in Erfurt, die dem mutmaßlichen kontinentalen Festival der Ü35-Generation fernblieben. Also gratulieren wir pauschal allen schwarz-rot-goldenen Medaillengewinnern, ohne sie jedoch einem Börsenbericht gleich alle an dieser Stelle erwähnen zu können. Denn es handelt sich um je fünf Disziplinen von M35 – 95. Da schweigt bei aller Liebe zum Detail des Sängers Höflichkeit. Für die hart gesottenen Statistik-Freunde sei auf die Online-Ergebnisliste verwiesen. Achtung – der Hammerwurf der Senioren ist nicht in der normalen Abfolge eingereiht, findet sich weiter unter en bloc wieder.

Frühlingshafte Temperaturen beim Winterwurf

Die teilweise guten Weiten in den so genannten Winterwurf-Konkurrenzen unter freiem Himmel erklärten sich durch die milden, frühlingshaften Temperaturen um die 20 Grad tagsüber. Jene, die bei Flutlicht um 20 Uhr und später anzutreten hatten, mussten mit etwas weniger vorlieb nehmen. Es war zudem mit einer Anpassungsphase über das Einwerfen hinaus verbunden. Davon konnte der favorisierte Österreicher Gottfried Gassenbauer im Hammerwurf der M55 ein Lied singen. Eingedenk seines Wohnsitzes in der Ösi-Metropole auf Wienerisch. Der 57-Jährige begann mit für ihn unterirdischen 44,48m, steigerte sich dann über 50,25, zweimal 53,23, einem Zwischentief von 50,74 im letzten Durchgang auf die Abend-Bestweite von 55,08m. Dem hatte der zweitplatzierte Dänen Tom Jensen lediglich 50,66m entgegen zu setzen.
Bereits gewürdigt haben wir in der Nachrichten-Spalte das herausragende Resultat von Kugelstoßer Andy Dittmar (*1974) aus Gotha mit 18,27m in der M40. Das galt auch zum Auftakt für den Erfolg von  Norbert Demmel (*1963; im Bild) mit den glänzenden 56,21m im Diskuswurf der M50. Doch das „Münchner Kindl“ legte kräftig nach, bestritt alle fünf Wurfkonkurrenzen, gewann das Kugelstoßen in einem hochkarätigen Dreikampf um den Titel mit 16,66m (auf den Plätzen hinter ihm 16,48 und 16,21m), wurde jeweils Dritter mit dem Speer (52,80m) und im Gewichtwurf (19,58m) sowie Siebenter mit dem Hammer (47,58m). Gut, der Vergleich hinkt, Kugel in der Halle, jeweils mehr als drei Versuche, nicht alles an einem Tag, doch eine nette Spielerei ist es allemal: Demmel übertraf seinen schon hochkarätigen eigenen deutschen M-50-Rekord im Wurf-Fünfkampf (4.436 Punkte) in der Addition um 308 Zähler. Doch eines dürfte ebenfalls gewiss sein: Ende März, Anfang April wird sich der bärenstarke Bayer noch nicht in Höchstform befinden. Wohin führt ihn die sportliche Reise noch in 2016? Die Szene darf gespannt sein.

"Herminator" Albrecht schlug zweimal zu

Werfer-Urgestein Hermann Albrecht (*1940; rechts im Bild) aus Satteldorf in Baden-Württemberg wurde seinem anspruchsvollen Beinahmen „Herminator“ einmal mehr vollauf gerecht. Der 76-Jährige landete in der M75 mit Hammer (49,14m) und Wurfgewicht (17,40m) jeweils einen unangefochtenen Doppelsieg vor seinem ostdeutschen Landsmann Eberhard Kliesch (40,33m/13,84m). Mit Beteiligung des Schweden Osten Edlund wurde bei überschaubarem Teilnehmerkreis die M80 zu den Festspielen der gleichaltrigen Dauerrivalen Peter Speckens und Lothar Huchthausen (beide Jg. 1935). Letzterer heimste gleich fünfmal Edelmetall ein: Sieger mit Kugel (12,97m) und Speer (40,46m), jeweils Dritter mit Diskus (29,17m), Hammer (39,93m) und Gewicht (14,52m). „Don Pedro“ war bei seinem persönlichen Dreikampf mit Diskus (34,85m) und Hammer (41,13m) nicht zu schlagen, wurde Zweiter mit dem Wurfgewicht (17,71m). „König“ Richard Rzehak (*1929) aus Erlangen focht in der M85 zweimal einen Strauß mit dem Finnen Leo Saarinen aus. Zunächst unterlag er dem „Nordlicht“ im Gewichtwurf um winzige acht Zentimeter (11,24 zu 11,32m), drehte dann mit dem Hammer den Spieß mit 28,19 zu 26,93m eindeutig um.

Kontrast beim Kugelstoßen der M60: Erster und Letzter

Noch einer kleiner Schlenker zu den unvermeidlichen Sport-Touristen. Die meisten kamen zwangsläufig aus dem Gastgeberland, das ein Drittel aller Gemeldeten stellte. Den Vogel schoss im negativen Sinne Flavio Bertuzzo mit 10,67m als Elfter und Letzter im Hammerwurf der M55 ab. Erfreulich bleibt festzuhalten, dass er sich bei seinem unsinnigen Tun nicht verletzt haben soll. Eine "Rote Laterne" ging freilich auch nach Deutschland. Nämlich an Gotthold Knecht als 17. im Kugelstoßen der M60, mit 8,65m knapp über Sportabzeichen-Niveau. Geldverschwendung! Vergessen wir darüber im selben Wettbewerb den diesmal nervenstarken Roland Wattenbach (*1955) aus Bad Honnef nicht, der mit im letzten Versuch erzielten 14,44m (zuvor 13,90m) dem Finnen Jouko Nikola (13,91m) noch die Goldemedaille entriss. 
Natürlich gab es auch erfolgreiche deutsche Werferinnen. Darauf werden wir morgen in einem eigenständigen Beitrag eingehen.