Hallen-Wintercup: Kalkulierbares Risiko oder bodenloser Leichtsinn?

(Frankfurt-Kalbach/Krefeld, 17. Januar 2021) Kalkulierbares Risiko oder bodenloser Leichtsinn unter dem Hallendach? Das muss sich erst noch erweisen. Vorausgesetzt, die Organisatoren sind im konkreten Falle ehrlich genug öffentlich Farbe zu bekennen, ehe ihnen womöglich Dritte auf die Schliche kommen. Jedenfalls ging ungeachtet durch Corona bedingter teilweiser kurzfristiger Absagen von Hallen-Veranstaltungen (Dortmund, Unna) und weiter vorausschauender der Hallen-DM im Mehrkampf Ende Januar in Halle/Saale (selbst der Straßenlauf „Rund um das Bayer-Kreuz“ am 07.März fiel bereits dem Rotstift anheim) der gestrige erste Tag des Wintercups in Frankfurt-Kalbach ungerührt über die sportliche Bühne. Wie noch am Abend in den Sportnachrichten verlautete und auf Videotext vom Hessischen Rundfunk nachzulesen ist, wurde die weltmeisterliche deutsche Vorzeige-Leichtathletin Milaika Mihambo von der LG Kurpfalz bei ihrem Ausflug zum 60-Meter-Sprint in 7,46 Sekunden Dritte hinter Lisa Mayer (7,26) aus Wetzlar und Yasim Kwadwo vom LC Paderborn.
Bei Online-Stellung dieses Beitrages um exakt 08:11,05,28 Uhr der Atomuhr in Braunschweig (nicht jede/r wird jetzt diesen Seitenhieb verstehen) waren noch keine Ergebnisse auf der DLV-Netzseite veröffentlicht. Einen ausführlichen Bericht haben wir beim Veranstalter Eintracht Frankfurt entdeckt (siehe Link).

Russischer Sportsender macht dem Anglizismuswahnsinn den Garaus

Glosse

Neben der Spur

(Moskau/Darmstadt/Krefeld, 16. Januar 2021)
Na, da schau her oder hin! Wer hätte das gedacht, dass wir in Sachen Sport noch etwas halbwegs Gescheites von den Russen lernen könn(t)en? Und sei's „lediglich“ in der pfleglichen Anwendung der Muttersprache. Beim russischen Sportsender Match TV sind die Kommentatoren vergattert worden, fortan auf englische Begriffe zu verzichten. Da wurden beispielsweise Worte und Bezeichnungen wie Loser, Play-Off, Coach, Performance, Derby, Restart und Shortlist auf den Index gesetzt und sind künftig ins Russische zu übersetzen. „Sudden death“ (plötzlicher Tod) bei der vom allmächtigen Staatschef Wladimir „Der Schreckliche“ Putin bevorzugten Sportart Eishockey steht nicht auf der „Shortlist“ (engere Auswahl). Mag natürlich sein, dass es die Herren Reporter nicht benutzt haben.

Augenkrankheit mit drei Buchstaben? Auflösung später!

Egal wie: Die vom Anglizismuswahnsinn heimgesuchten Sprachpanscher beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) sollten sich wenigstens auf diesem Gebiet ein leuchtendes Beispiel an den – um sich ihres kulturverleugnenden Wortschatzes zu bedienen – „Bad Boys“ (böse Jungs) aus Putin-Land ein leuchtendes Beispiel nehmen. Es würde diesen Rahmen bei Weitem sprengen, die vielen Verfehlungen aufzuzählen. Einfach mal auf deren Internet-Portal umschauen. Es springt einem beginnend bei
Flash-News des Tages" an allen Ecken und Enden förmlich in die danach entzündeten Augen.
Noch ein kleines Quiz in dem Zusammenhang: Augenkrankheit mit drei Buchstaben? DLV!

Ein höchst seltsam anmutendes Kontrastprogramm zwischen hü und hott

(Darmstadt/Dortmund/Frankfurt/Krefeld, 14. Januar 2021) Ohne eine Zusammenhang zu unserer gestrigen Kolumne herstellen zu wollen und können, da es nahezu zeitgleich erschienen ist, wird im handelsüblichen Denglisch-Misch-Masch unter „Flash-News des Tages“ auf der Netzseite des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) von der Absage des Hallensportfestes der LG Olympia Dortmund am kommenden Samstag berichtet. Aus sportlicher Sicht schade, aus gesundheitlicher absolut und definitiv vernünftig.

Was in der Metropole von Westfalen nicht geht, ist in der von Hessen möglich

Aber was in der Metropole von Westfalen nicht geht, scheint in der von Hessen (noch?) möglich. Der DLV kündigt ebenfalls gestern in einem eigenen Beitrag in größerem Umfang den 1.Frankfurter Wintercup an, der gleich an zwei Tagen am Wochenende in der Leichtathletikhalle im Vorort Kalbach stattfinden soll. Als Hingucker in Überschrift und Bild wird der Doppelstart von Deutschlands zweimaliger Sportlerin des Jahres Malaika Mihambo von der LG Kurpfalz im Weitsprung und über 60 Meter schwärmerisch angepriesen. Per Saldo ein seltsam anmutender Kontrast zwischen hü und hott. Manches bleibt wie die uneinheitlichen Corona-Maßnahmen für den objektiven Betrachter nicht nachvollziebar. Föderalismus auch beim Sport in unterschiedlichen Bundesländern.
Salto rückwärts in die einstige Bierstadt. Dort sind am selben Schauplatz für den 20./21.Februar 2021 die Deutschen Hallen-Meisterschaften der Männer/Frauen geplant. Da müsste schon ein mittelprächtiges Wunder geschehen, wenn sich bei dem nicht von „Wetterfröschen“ um Sven Plöger prognostizierten „harten Winter“ die Seuchen-Gemengelage entscheidend verbessern würde.

Ralf Bartels hält mit 21,44 Meter den deutschen M30-Hallenrekord

Machbar erscheint hingegen bei einem überschaubaren Teilnehmerkreis mit zudem leicht möglicher Abstandswahrung das traditionelle Rochlitzer Kugelstoß-Meeting (ehedem „Fliegende Kugeln im Advent“) am 31.Januar 2021 im Geburtsort des einstigen „Wunderknaben“ David Storl (*1990), der inzwischen für den SC DHfK Leipzig in den Ring geht. Natürlich wird/will der Lokalmatador dabei sein.
Ein paar Nummern zu groß, erst recht auf Anhieb, ist indes für den Jung-Senior der deutsche M30-Rekord von Ralf Bartels (*1978) vom SC Neubrandenburg. Den stellte der Schützling von Trainer Gerald Bergmann mit 21,44m als Dritter der Hallen-WM 2010 in Doha (Katar) auf. Da geht es für den immerwährenden „Storli“ schlicht um einen halbwegs gescheiten Auftakt.
Mit von der Partie bei den Frauen ist die zuletzt mit Motivationsproblemen kämpfende Zwillingsmutter Christina Schwanitz (*1985) vom LV 90 Erzgebirge. Sie gehört bereits der W35 an. Hier stehen als Rekordwert 19,67m von Nadine Kleinert (*1975) vom SC Magdeburg zu Buche, erzielt ebenfalls in Doha. Allerdings 2012.

Zweiter Versuch: World Masters Games nunmehr auf Mai 2022 verlegt

(Kansai/Krefeld, 15. Januar 2021) So schwer es auch fällt –  gewöhnen wir uns einfach daran, dass sportliche Großereignisse in Zeiten wie diesen der noch wütenden Corona-Seuche abgesagt und auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden. Denn der Spruch „Kein Risiko, kein Spaß!“ (im Original: No risk, no fun!) ist mehr etwas für Abenteuer- und Extremsportler, die den besonderen Kick benötigen, um ihre Hormonausschüttung in Schwung zu bringen. Nix jedoch für lupenreine Amateure fortgeschrittenen Alters bis hin zur Risikogruppe ab M/W60 plus etwaiger Vorerkrankungen. Und wenn schon mit dem 78-jährigen IOC-Mitglied Richard Pound aus Kanada als dienstältestem Hüter des Olympischen Gedankens konstatiert, dass dieser Virus wie ein Elefant im Raum stünde, wollten die Organisatoren der 10.World Masters Games (WMG) nicht den Elefanten im Porzellanladen abgeben. So wurden die für den 13. bis 30.Mai 2021 geplanten Titelkämpfe in der westjapanischen Region Kansai (22,4 Millionen Einwohner) von der International Masters Games Association (IMGA) nach der Beschlussfassung von Anfang November 2020 (wir berichteten) nunmehr für den 13. bis 29. Mai 2022 terminiert (siehe Link).
Es ist ein bisschen so wie in den technischen Disziplinen der Leichtathletik mit zunächst drei Versuchen im Vorkampf. Versprühen wir Optimismus, dass nach einem vergeblichen Anlauf bereits der zweite gelingt.

Sport treiben oder gesund bleiben erhält ganz neue (Be-)Deutung

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Kairo/Krefeld, 13. Januar 2021)
Sport treiben oder gesund bleiben. Dieser ketzerische Spruch erhält in Zeiten der Corona-Diktatur (neben Rückführungspatenschaften Unwort/e des „Fuck you 2020“) eine ganze neue (Be-)Deutung. Alle Virologen und Immunologen würden sich angesichts des Terminkalenders vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) vermutlich höchst verwundert die Augen reiben. Derweil private Kontakte auf fünf Personen aus zwei Haushalten beschränkt sind, die für Ende Januar vorgesehene Hallen-DM im Mehrkampf in Halle/Saale bereits abgesagt ist, werden zwischen dem 16.Januar und dem 07.Februar 2021 in genanntem Wettkampfkalender nicht weniger als acht Veranstaltungen im Innenbereich auf deutschen Hallenböden mit zwangsläufig größeren Menschenansammlungen ausgewiesen. Als gäbe es diese neue Geißel der Menschheit nicht, preist der DLV sogar mit größeren Werbebotschaften in seiner News-Spalte die so genannten Indoor-Meetings in Karlsruhe (29.Januar) und Dortmund (07.Februar) wie Sauerbier an. Wie passt das zusammen?

USA und Tschechien meldeten sich mit 29 Neuinfektionen von der Handball-WM ab

Nun komme mir bitte keiner mit ausgeklügelten Hygiene-Konzepten und PCR-Tests (Letzteres stellt ohnehin nur eine Momentaufnahme dar). Die hätte es in Sachsen-Anhalt auch gegeben. Und was das alles (nicht) wert ist, belegen die immer wieder auftretenden Corona-Infektionen in Profi-Sportarten wie Fußball, Handball, Skispringen und Biathlon, deren Sportler sich in vermeintlich geschützten „Blasen“ aufhalten. Erst jüngst, nämlich gestern, mussten Team und Tross der Tschechen mit zehn Neuinfektionen von der heute beginnenden Handball-WM in Ägypten abgemeldet werden. Vorher sagte bereits die USA (sogar 19 Infizierte) ab. Wenigstens werden im Land der Pharaonen und Pyramiden nach langem Hin und Her sowie Interventionen einiger Nationen der Vernunft gehorchend doch keine Zuschauer zugelassen.
Verantwortungsbewusstsein hält eben leider nicht überall Einzug (siehe oben), gilt augenscheinlich der Wahlspruch „Den Mutigen gehört die Welt“. Dazu meine bescheidene Anmerkung: „Die Leichtsinnigen landen womöglich auf der Intensivstation“, um ein nicht noch düsteres Bild mit dem ominösen Deckel auf der Nase an die Wand zu malen. Entschuldigung, nun habe ich es doch erwähnt.