Niederländer boten in vielerlei Hinsicht ein Leuchtturmprojekt

(Utrecht/Krefeld, 02. September 2020) Mit der plakativen Formulierung „Andere Mütter haben auch hübsche Töchter“, machten wir ganz bewusst den Wink mit dem Zaunpfahl, dass nicht nur der von uns so benannte, extrem eingebildete Deutsche Leuchtturm-Verband (DLV) mit seiner angeblich weltweiten Strahlkraft in Zeiten wie diesen von Corona nationale Titelkämpfe seiner vermeintlichen Elite kann. Einige andere europäische Länder konnten und können das auch. Eben zuletzt am vergangenen Wochenende unsere westlichen Nachbarn der Niederlande mit ihren „Kampioenschappen“ in Utrecht. Zeit- und Augenzeugen berichten übereinstimmend von in jeglicher Beziehung toporganisierten Meisterschaften auf hervorragend präparierten Anlagen, garniert von etlichen Klasseleistungen. Da strahlte selbst Wettergott „Petrus“ vom Himmel herunter.  

Ein Live-Stream zum Aussuchen nach Interessenlage

Aber das nur mal als Vorlauf zu unserem eigentlichen Thema in diesem Zusammenhang. Die „Oranjes“ legten einen blitzsauberen Internet-Auftritt beim so genannten Live-Stream hin, von dem die Verblendeten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (so heißt er wirklich; Kürzel identisch) um Cheik-Idriss Gonschinska und Jürgen Kessing in Darmstadt nicht einmal zu träumen wagen. Denn bei parallel laufenden Wettbewerben, und davon gab es einige, konnte der geneigte Betrachter nach seiner Interessenlage selber die Disziplin auswählen. Entweder sich die gesamte Konkurrenz bei technischen Wettbewerben vom ersten bis zum letzten Durchgang anschauen oder halt beliebig hin- und herspringen.
Was nun mich betrifft, habe ich mir aus alter, über rund vier Jahrzehnte gewachsener Verbundenheit zu meinem niederländischen Sportkameraden Peter Holthuijsen, dem Gründervater von LAMPIS, den Hammerwurf der Frauen angeschaut, bei dem seine 24-jährige Tochter Sina Mai, die ich kenne, als sie noch im Kinderwagen spazieren gefahren wurde, mit guten Medaillenchancen im Einsatz war (wir berichteten zweimal). Und zwar alle 57 Versuche der elfköpfigen Konkurrenz.

Dazu ließen Transparenz und Überblick keine Wünsche offen

Feldmarkierungen im Radiusverlauf bei 45, 55 und 65 Metern gaben schon mal einen ersten Anhaltspunkt bei der Landung des Geräts. Nach jedem Messvorgang wurde die jeweils aktuelle Weite der Werferin in Fortschreibung eingeblendet, dazu nach Abschluss des Durchganges der Gesamtstand mit Platzierung und bisheriger Tagesbestweite. Mehr Transparenz, Über- und Durchblick geht nicht. Deshalb war für mich auch die zwangsläufig in niederländischer Sprache, von der ich nur ein paar Brocken beherrsche, abgehaltene Kommentierung verzichtbar. Ob das gesprochene Wort mit der ins Bild gesetzten Qualität mitzuhalten vermochte, vermag ich ergo nicht zu beurteilen.
Das ist aber auch nicht „belangrijke“ oder zu gut Deutsch wichtig. Es war anders als hierzulande auch so ein Genuss ohne Reue. Obendrein verbreitete der „Leuchtturm“ meines Vertrauens, dem ich beide Daumen gedrückt habe, mit Bronze den erhofften edelmetallenen Lichterglanz.

Mitgründer Dieter Massin und die LG Ahlen feiern 50-jähriges Jubiläum

(Ahlen/Krefeld, 22. August 2020) Wenn Dieter Massin und seine ihm angetraute Herzdame Mechthild (beide im Bild) aus Ahlen in Westfalen etwas auf die Beine stellen, dann hat das – um im Sprachbild zu bleiben – Kopf, Hand und Fuß. Nicht nur bei den fünf längst erwachsenen Kindern. Das umtriebige Ehepaar ließ in der 53.400-Einwohner-Stadt im Münsterland und weit darüber hinaus bis ins Baltikum schon so manches Projekt vom Stapel laufen. Diesmal aus gewichtigem Grund: Die vom passionierten Leichtathleten Dieter Massin, der auf diesem Gebiet hinauf bis zum Präsidenten des europäischen Senioren-Dachverbandes praktisch alle Weihen durchlaufen hat, 1970 mitgegründete LG Ahlen feierte in diesen Tagen ihr 50-jähriges Jubiläum. Dem widmete die „Westfälischen Nachrichten“ im Lokalsport eine ganze Seite mit vier historischen und einem aktuellen Foto. Davon abgesehen, können wir allein vom inhaltlichen Umfang eingedenk einer prallgefüllten fünfzigjährigen Geschichte nicht mithalten.

Bei der ersten „gemischten Raubtiergruppe“ war der Autor mittendrin

Allerdings mit dem von etlichen damaligen Weltstars unterschriebenen Plakat des Internationalen Abendsportfestes vom 03.September 1976 nach den Olympischen Spielen in Montreal schon. Denn da hatte ich als kugelstoßender Sportjournalist in meiner besten Saison auf der Jagd nach der 17-Meter-Marke das außerordentliche Vergnügen vor 4.000 Zuschauern nicht nur dabei, sondern mittendrin zu sein. Dazu einer Premiere. Denn von Dieter Massin in Szene gesetzt und in der Deutschen Leichtathletik-Ordnung (DLO) nicht vorgesehen, war es weit vor der Zeit die Geburtsstunde „einer gemischten Raubtiergruppe“ von Männlein und Weiblein im selben Wettkampf. Da durfte ich dann bei einer geforderten Mindestleistung von 16,50 Meter als eine Art Pausenfüller neben so Größen wie Al Feuerbach, Mark McWilkins (beide USA), Eva Willms und Beatrix Philipp (beide LAC Quelle Fürth) ans Werk gehen. Noch der guten Ordnung halber: Beflügelt hat es mich nicht, die klebrige Brause, die das verspricht, da auch noch nicht erfunden. Die 17 Meter sind nicht gefallen.

Insgesamt 25 Deutsche Leichtathletik-Meisterschaften in Ahlen

Dieses mit Olympiasiegern und Weltrekordlern nur so gespickte abendliche Meeting war fraglos das absolute Glanzlicht auf dem Veranstaltungssektor, allerdings beileibe nicht das einzige. Mit der Eröffnung des Sportparks Nord 1982 kam die erste Deutsche Meisterschaft in der Leichtathletik nach Ahlen, der in verschiedenen Bereichen, auch der Senioren und DAMM, noch 24 zu einem weiteren Jubiläum von 25 (in Worten: Fünfundzwanzig) folgen sollten. Das ist auf diesem Sektor vermutlich Deutscher Rekord. Oder bietet jemand mehr? Unvergessen auch nach den Teil- Boykotts der beiden Olympischen Spielen 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles der Mehrkampf-Länderkampf Deutschland gegen die damalige Sowjetunion im Olympiajahr 1984. Fürwahr ein sporthistorischer Moment. Nicht zu vergessen, dass in Ahlen der Jedermann-Zehnkampf und dazu das Maskottchen Deumel, ein Mammut, aus der Taufe gehoben wurden. Und, und, und... Noch mehr Details würden diesen Rahmen sprengen.  

Eine Ausstellung zum Jubiläum

Aber zum eigentlichen Geschehen: Aus besagtem geschichtsträchtigen Anlass haben die Massins eine Ausstellung ins Leben gerufen, die ab morgen im Ahlener Kulturkeller mit vielen Eckpfeilern und Dokumenten aus einem halben Jahrhundert LGA ihren Türen öffnet. Obwohl ich es jetzt auf blauen Dunst hin empfehle – wer Zeit und Gelegenheit hat, sollte sich das anschauen. Zumal die beiden Zeitzeugen als amüsante Plauderer vor Ort sein werden, für Gespräche und Erläuterungen zur Verfügung stehen.

Allzu schönfärberisches Wortgeklingel hilft niemandem wirklich weiter

Kolumne

Moment mal

(Braunschweig/Bonn/Krefeld, 09. August 2020)
Gemeinhin hat man bei Sportübertragungen (DLV-Sprech: Challenges oder Events) den Eindruck, dass deren Reporter und Moderatoren nach der ASS-Strategie (= Arbeitsplatz-Sicherungs-Strategie) verfahren, sich untereinander einen Überbietungswettkampf in Plattitüden („Sie sind für das nächste Gruppenspiel gesperrt. Wie bitter ist das für Sie persönlich?“) und Schleimspurkriecherei (siehe Bayern Münchens Sprachrohr Uli Köhler bei Sky) zu liefern. Der Klassikersatz der Journalistenlegende Hajo Friedrichs Ein Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten" gilt für diese Spezies häufig nicht.
So scheute sich ARD-Experte Frank Busemann bei der laufenden Leichtathletik DM in Braunschweig nicht, auf die zarte Andeutung des Moderators Claus Lufen, ob es denn richtig sei, dass Gina Lückenkemper (das ist die, mit dem nie versiegenden Redefluss; siehe Bild im nächsten Absatz) als „das Gesicht der deutschen Leichtathletik" diese DM auslässt, diesem zu entgegnen, sie müsse ja Geld verdienen. Er spielte damit auf den wenige Tage zuvor erfolgten Start Lückenkempers in Finnland an.

Heuchlerisch: Kesse Lippe der Wahl-Berlinerin Lückenkemper hat arg gelitten

Nun muss man wissen, dass die Dame im Vorfeld nicht müde war, die Bemühungen des DLV um diese Meisterschaft zu würdigen (Originalton: „Es ist und bleibt eine Deutsche Meisterschaft, bei der Medaillen vergeben werden. Und es ist gut, dass uns Athletinnen und Athleten überhaupt diese Startmöglichkeit so wie viele weitere geschaffen worden sind. Dafür sind wir alle sehr dankbar, denn die Veranstalter mussten ihre Meetings unter strengen Vorgaben umsetzen. Man darf nicht vergessen: Leichtathletik ist eine Sportart, in der vielehrenamtlich läuft. Da sind solche Extremsituationen nur unter erheblichem Aufwand umzusetzen.“ Heuchelei pur! Man muss auch wissen, dass die in Finnland gelaufene Zeit (11,37 sec.) nicht ausgereicht hätte, um den Titel zu verteidigen. Das wusste sie natürlich.

Auch kein Klartext von ARD-Experte Frank Busemann

Sportexperte Busemann, wo bleibt hier Klartext? Anstatt auf Pseudolockerheit zu machen, wäre es nicht professioneller, in die Mikrofone die ungeschminkte Wahrheit (die die ARD-Leute sich aus Joberhaltungsgründen nicht trauen zu verkünden), zu äußern, dass diese Athletin ihren Verband schmählich im Stich gelassen hat und zu feige war, sich der Konkurrenz zu stellen, da das vorhersehbare Ergebnis ihrem Werbeimage und damit ihrem Konto schaden könnte?
Es gibt/gab allerdings auch Ausnahmen in ähnlichen Situationen. So erlaubte es sich  ARD-Expertin Franziska von Almsick, den damaligen Liebling der Gazetten, Britta Steffen, deren Rückzug während der Schwimm-WM 2011 vor laufender Kamera zu kritisieren („Ich verstehe nicht, warum sie alles hinschmeißt. Ich hätte ein bisschen mehr erwartet, dass man als Frontfrau des Deutschen Schwimm-Verbandes auch Verantwortung übernimmt und im Zweifel sich die Beine herausreißt; noch mal alles gibt, um die Lagen-Staffel in die Olympischen Spiele zu bringen“).
So wird’s gemacht! Und manche Verbände (und Sender) sollten sich glaubwürdigere Frontfrauen und -männer aussuchen.

ZDF-Moderator Norbert König setzte im Interview feine Nadelstiche

Kommentar

Fern(ge)sehen

(Braunschweig/Bonn/Krefeld, 10. August 2020)
Moderator Norbert König hatte im Interview mit der Chef-Bundestrainerin Annett Stein die „Top-Stars-go-West"-Orientierung einiger Athletinnen im Kontext ihres Startverzichts bei der DM in Braunschweig problematisiert (dafür schon mal ein Lob!). Immerhin war Gina Lückenkemper wenige Tage zuvor in Finnland gestartet, und Konstanze Klosterhalfen wird kommenden Freitag dem Ruf des Geldes folgend bei der Diamond League in Monaco antreten.
 
Cheftrainerin Annett Stein antwortete mit Allgemeinplätzen

Die Antwort der Cheftrainerin (zu sehen ZDF-Mediathek ab 2:04:05 Std.) kennzeichnet wie unter einem Brennglas die ganze desolate Führungsstruktur innerhalb des DLV. Kurz zusammengefasst: Wir leben halt in einer globalisierten Welt, deshalb ist es durchaus legitim, sich mal anders zu orientieren, dies gibt es ja auch in anderen Berufen (!), dass man sich woanders neue Inputs holt und andere Kulturen kennenlernt. Dafür muss man Verständnis haben.
Muss man? Wir lernen daraus: Ausgerechnet am 8. und 9.August 2020, dem nationalen Leichtathletik-Höhepunkt des Jahres, orientieren sich die Athletinnen Klosterhalfen, Lückenkemper, Pinto neu, lernen andere Kulturen kennen und holen sich Inputs.

Kein Lob für die getreue Malaika Mihambo

Hallo DLV, hallo Frau Stein: Im DLV-Anglizismus-Sprachgebrauch nennt sich so etwas Appeasment! Das bedeutet nichts anderes als konturlos beschwichtigend, aber mit viel Ablenkungsanglizismen garniert, einer Entwicklung hinterher zu rennen, die zwar für falsch gehalten wird, der man aber auch nichts wirklich entgegen setzen will.
Wenn sich die Dame schon keiner klaren Worte bedienen wollte, so hätte sie zumindest die unmittelbar neben ihr stehende Malaika Mihambo öffentlich besonders loben können, die – wohl wissend, dass keine Glanzleistung möglich war – dennoch dem Verband treu blieb, startete und sich nicht feige verdrückte.

Einmal mehr hielt sich der DLV nicht an sein versprochenes Wort

(Darmstadt/Vaterstetten/Zella-Mehlis/Krefeld, 08. Juli 2020) Schade, dass ich nicht gewettet habe. Dabei wäre ein schneller Euro zu verdienen gewesen. Ganz seinem Naturell entsprechend, hielt der aufgepumpte, träge Verwaltungswasserkopf des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Darmstadt einmal mehr nicht sein Wort. Gestrenger formuliert: Er brach es und behielt es für sich. Nach einer internen Mitteilung, über die wir berichteten (siehe letzter Absatz Was zaubert Frank O.Hamm aus dem Hut"), sollten die Ausschreibungen für die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften (fast) aller Klassen in Vaterstetten (21.-23.August) und die der Senioren/innen in Zella-Mehlis (22./23.August 2020) mit den Modalitäten für die abschließenden 1.500-m-Läufe spätestens bis gestern, 07.Juli, auf der Verbandsnetzseite zu Verfügung stehen. Nix von alledem.

Senioren-DM im Mehrkampf fehlt unter Meisterschaftstermine

Die sowohl in den Fenstern Szene als auch Senioren mit Verlautbarung vom 23.Juni 2020 nachgeschobene Mehrkampf-DM der Ü35-Generation wird weiterhin nicht einmal unter Meisterschaftstermine geführt. Übrigens auch nicht auf der Netzseite des ausrichtenden Thüringer LV. Finden sie nun doch nicht statt oder liegt einfach abermals die handelsübliche Schlampigkeit der ihre Aufgaben grob vernachlässigenden Dienstleister vor? Wohlgemerkt: Es handelt sich hier wie da um hauptamtliche, gut dotierte Mitarbeiter bis hin zu Direktoren-Positionen. Jedenfalls bei der eigentlich finanziell latent klammen Dachorganisation mit über 50 Angestellten. Was machen die eigentlich alle den lieben langen Arbeitstag?

Wie sollen kontakt- und ansteckungsfreie 1.500-m-Läufe stattfinden?

Offen bleibt folglich auch weiterhin, wie sie in diesen besch…eidenen Corona-Zeiten kontakt- und ansteckungsfreie 1.500-m-Läufe gewährleisten wollen. Obwohl das in Bayern und auch Thüringen augenscheinlich nicht mehr die große Rolle spielt. Nicht was die latente Gefahr angeht, aber zumindest hinsichtlich der behördlichen Genehmigung. Denn vergangene Woche wurden – wie ich finde leichtsinnigerweise – in Erfurt (Freitag) und Regenburg (Samstag) bereits Rennen über 3.000 Meter ausgetragen.

Integralhelme als Patentlösung beim Hanse-Cup?
 
Sollten sie jedoch noch beim DLV daran in Sandkastenspielen herumwerkeln, schlicht mal in Stendal nachfragen. Da will der Org.-Chef für den Hanse-Cup (25.-27.September 2020), der es freilich mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, nachweislich als perfider Lügner bezeichnet werden darf (siehe Kolumne und Kommentar), bereits den Stein der Weisen gefunden haben. Der selbstgefällige „Ossimane“ drückt sich jedoch kryptisch aus, wonach es „vorerst noch unser Geheimnis“ sein soll.
Gut, spekulieren wir mal augenzwinkernd: Wie wäre es mit vom Motorsport und motorisierten Zweiradfahren bekannten Integralhelmen? Mehr Sicherheit geht nicht. Allerdings sehr unbequem und auf die Zeiten drückend.