Ein Hammer: Dopingsünder Iwan Tichon neuer Boss seines Verbandes

Kolumne

Moment mal

(Minsk/Krefeld, 01. Oktober 2020)
Wenngleich Belarus (Weißrussland) derzeit mit seinem umstrittenen, diktatorischen Präsidenten Lukaschenko daheim und im Ausland für ganz andere Aufschreie der Entrüstung sorgt, gab es dazu im Vergleich noch einen Sturm im Wasserglas. Mit einer ziemlich lapidaren Meldung teilt der DLV auf seiner natürlich „Flash News“ genannten täglichen Nachrichtenspalte auf seinem Internet-Portal unter Vermischtes mit, dass der des Dopingmissbrauchs zweimal überführte Hammerwerfer Ivan Tikhon (Iwan Tichon) zum neuen Leichtathletik-Chef seines Landes ernannt worden ist (Wahlen im demokratischen Sinne sind da eher verpönt). Und dann noch, dass der 44-Jährige als Aktiver 2021 die verlegten Olympischen Spiele in Tokio anstrebe. Das war’s. Kritiklos, antiseptisch, keimfrei. Nur die nicht vorhandene heile (Leichtathletik-)Welt gefährden wollen.
Klarer Fall – das Magazin „Der Spiegel“ geht in seiner Online-Version naturgemäß mit dieser dreckigen Geschichte differenzierter um. Dort erfährt der geneigte Leser zum gewissermaßen krönenden Abschluss, dass Tichon auf Vadim Devyatovskiy folgt, der ebenfalls als Hammerwerfer eine Doping-Vergangenheit mit mehreren Positivtests und Disqualifikationen hat. Unter anderem wurde ihm olympisches Silber von 2008 in Peking aberkannt. Jener Wettkampf, von dem auch Tichon nachträglich disqualifiziert worden ist und Bronze quittieren musste.

Sündenbock wurde zum Gärtner gemacht

Meine bescheidene, logischerweise nicht repräsentative Meinung dazu fällt zweigespalten aus: Einerseits ist es selbstverständlich eine absolutes Unding, den Sündenbock zum Gärtner zu befördern. Andererseits ist es in einem totalitären Staat, in dem gesteuertes oder zumindest geduldetes Doping zur Normalität gehört, nur konsequent jemanden an die Spitze zu stellen, der sich bestens damit auskennt.
Da auch der Leichtathletik-Weltverband World Athletics (WA, zuvor IAAF) völlig zu Recht mit blankem Entsetzen auf diese extrem schmierige Posse reagierte, wird sich Iwan
der Schreckliche" Tichon wohl darauf einstellen müssen bei nächster Gelegenheit außerhalb Weissrusslands von der WADA zur Dopingkontrolle „gebeten“ zu werden. Das könnte seinen beabsichtigten Olympiastart gefährden. Schwer vorstellbar, dass bevorzugt Quark, der ja angeblich stark macht, bei seiner gezielten Vorbereitung auf seinem Speiseplan steht.