Klaus Liedtke: Eine Vita wie der Roman-Trilogie 08/15 entliehen

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(Lünen/Krefeld, 05. Januar 2016) Diese Vita könnte auch der verfilmten Roman-Trilogie zu 08/15 von Schriftsteller Hans Hellmut Kirst entliehen sein, ist aber die blanke Realität: Geboren am 05. Januar 1941 in Lünen im damals noch wahrhaftigen Kohlenpott, aufgewachsen mithin im Krieg sowie beim Wiederaufbau danach im zerstörten Deutschland, zu allem Überdruss bereits mit 13 Jahren Vollwaise, dazu die wie den Vorschlaghammer auf den Amboss passende Lehre als Huf- und Wagenschmied sowie schließlich anstelle der Bundeswehr eine dreijährige Ausbildung an der Polizeischule Münster. Danach folgte eine Beschäftigung als Kfz-Schlosser bei einer VW-Vertragswerkstatt in Lünen. All das trifft auf den späteren Wurf-Allrounder Klaus Liedtke (im Bild in voller Aktion beim Kugelstoß-Training an der Algarve) aus Lünen nahe Dortmund zu, der folglich heute sein 75tes Lebensjahr vollendet. Nicht weiter verwunderlich, dass ihn dieser harte Werdegang geprägt, er frühzeitig gelernt hat die Ärmel aufzukrempeln und, wenn nötig, die Ellenbogen auszufahren. Er hat seinen Weg beruflich und sportlich gemeinsam mit Ehefrau Thea gemacht, die ihm mit den Söhnen Uwe und Peter gleich zwei Stammhalter schenkte.
Da er für die seit Kindesbeinen leidenschaftlich betriebene Leichtathletik zeitliche Freiräume benötigte, übernahm er eine Tankstelle mit Kfz-Werkstatt. Den Trend frühzeitig erkennend, gesellte sich später parallel ein Fitness-Studio in seiner Heimatstadt hinzu. Beides versetzte ihn in die Lage die Betriebe hübsch paritätisch verteilt an seine Söhne zu verpachten und 1994 mit 53 Jahren praktisch Leichtathletik-Profi zu werden. Fortan verbrachte er mit seinem komfortablen mobilen Hotel auf vier Rädern plus Anhänger mit allen sportlichen Utensilien und einer 400er Vespa im Schlepp den deutschen Winter (bis 2011) jeweils im klimatisch günstigen Monte Gordo an der Algarve (Portugal) zum optimalen Training. Dazu nahm er sich rund 2.700 Kilometer, einfache Strecke, versteht sich, unter die Räder. Natürlich begleitet von Thea und (zuletzt) Schäferhündin Bella.
Aber nicht erst seit 1994 sammelte der Westfale speziell im Kugelstoßen und Diskuswurf Rekorde und Titel bis weltweit aufwärts wie andere Leute Swatch-Uhren. Schier unmöglich, das alles aufzuzählen, mehr ein Fall zum Nachschlagen in Statistikbüchern. Diese Erfolgsstory wurde 2009 jäh gestoppt. Bei den Senioren-Weltmeisterschaften im finnischen Lahti stürzte er beim Diskuswurf schwer auf die Schulter. Die Pechsträhne holte ihn 2012 ein. Bei einem Spaziergang mit Hündin Bella an der Lippe wurde er von einem Trecker angefahren und durch die Luft geschleudert. Der Aufprall hinterließ Abrisse im Meniskus und der Supraspinatussehne in der Schulter. Und dem Drei-Jahres-Rhythmus folgend, war 2015 ein absolutes Seuchenjahr. Die Nervenbahnen zum Herzen spielten verrückt. In Abständen dreimaliger Herzstillstand mit „Tauchgängen“ bis zu drei Minuten. Das Gehirn nahm dabei glücklicherweise keinen Schaden. Mittlerweile wird sein Herz durch einen Schrittmacher buchstäblich intakt und im Takt gehalten. Ärztliche Prognose: der Patient darf wieder Sport treiben.
Und so hat Klaus Liedtke im Dezember 2015 das Training aufgenommen und will in der neuen Altersklasse M75 wettkampfmäßig zurück in die verschieden großen Ringe. Auf gutes Gelingen!
Doch zunächst heißt es von dieser Stelle „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“.