Es war einmal und wird so niemals wieder beim DLV...

(Darmstadt/Krefeld, 22. April 2022) Es war einmal… So fangen alle Märchen an. Normalerweise. Diesmal ist es jedoch auf den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) mit seinen vermeintlichen Leuchtturmprojekten von selbst ernannter weltweiter Strahlkraft gemünzt. Der erlebte bei einem gaaanz tiefen Griff in die Nostalgiekiste auch schon bessere Zeiten und damit seine damals noch weitaus größere Zahl an Aktiven. Auf seinem Internet-Portal schrieb – man beachte das Datum – am 08.Juli 2008 Jörg Erdmann unter dem Arbeitstitel Verbandsrat trifft Entscheidungen über die Vergabe der Meisterschaftstermine für 2009 bei den Senioren (seinerzeit noch ohne Gendergedöns):

- DM Halle mit  Winterwurf vom 28.02. bis 01.03.2009 in Düsseldorf
- DM Senioren I vom  27. bis 29.06.2009 noch offen
- DM Senioren II vom 10. bis 12.07.2009 in Vaterstetten
- DM Bahngehen Senioren am 29.08.2009 in Jüterbog
- DAMM-Endkampf am 20.09.2009 in Hamburg

Die vom Schauplatz zunächst vakanten DM Senioren I wurde irgendwann nach St.Wendel im Saarland vergeben. Kleine Entdeckung am Rande: Bei diesen Titelkämpfen warf Ralf Mordhorst (*1973) vom Athletik Team Hamburg als Sieger der M35 den Diskus 51,25m weit. Für den „Mordsbuben“ gilt anders als beim DLV nicht „Es war einmal“. Das inzwischen für den LC Lübeck startende hell strahlende Nordlicht warf über zwölf Jahre später am 02.Oktober 2021 in Wehdel die 2-Kilo-Scheibe zehn Zentimeter weiter auf 51,35m, belegt damit in der deutschen Bestenliste bei den Männern den 24.Rang. Einfach grandios, der Dauerbrenner mit extrem langem Haltbarkeitsdatum.

Stadtmuseum München nicht an Relikt der Geschichte interessiert

(München/Dannenberg/Köln/Krefeld, 21. April 2022) Eine Weiterleitung mit langer Leitung. Erst gestern erhielt Wolfgang Knüll aus Dannenberg eine Antwort vom Stadtmuseum München auf seine E-Mail von vor rund einem Monat. Der ehemalige Kugelstoßer, Mediziner und langjährige Freund des verstorbenen Ferdinand „Fred“ Schladen (*24.05.1939, 29.03.2021) hatte passend zum 50-jährigen Jubiläum der XX. Olympischen Sommerspiele von 1972 in München der bayerischen Landeshauptstadt die in seinen Besitz gelangte riesige, sechs Meter lange Originalfahne des Olympischen Dorfes stiften wollen (wir berichteten). Die Reaktion erstaunte ihn und vermutlich alle mit ihm, die es sogleich erfahren werden (sinngemäß gekürzt): „Nach der Absprache mit Projektkoordinator:innen teile ich Ihnen mit, dass wir so ein großes Stück in unsere Ausstellung nicht integrieren können. Gerne würden wir sie jedoch in unser Erzähl-Café einladen, um Ihre interessante Geschichte zu dieser Fahne zu hören.“

Bajuwarisch formuliert: Do legst di nieda

Formulieren wir es bajuwarisch: Do legst di nieda! Da wird die Chance vertan, dass ein außergewöhnliches Relikt der Historie an den Ort der Handlung zurückkehrt. Dass sie deswegen die Deckenhöhe nicht auf sechs Meter ausbauen können, ist klar. Aber es hätte sicherlich zig andere Möglichkeiten durch einen sein Handwerk verstehenden Dekorateur (darf auch weiblich sein) gegeben, diese einzigartige Preziose einem geschichtlich interessierten Publikum dauerhaft zu präsentieren.
An eine allenfalls fünfminütige Erzählung für einen kleinen, einmaligen Personenkreis ist wiederum Wolfgang nicht interessiert, ist ihm der immense Aufwand verständlicherweise schlichtweg zu groß. Allerdings lässt er nicht locker, dass dieses Prachtstück der deutschen Sportgeschichte doch noch einen angemessenen Platz erhält, bietet es nunmehr dem am Vater Rhein gelegenen Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln (siehe Link) an.
Schaun mer mal, dann sehn mer scho, zitieren wir noch den einstigen
Fußball-Kaiser" Franz Beckenbauer. So er es wüsste, würde er vermutlich auch verächtlich die Nase rümpfen.

LOC und WMA legten den Masters weltweit ein faules Ei ins Osternest

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Edmonton/Toronto/Krefeld, 19. April 2022) Ausgerechnet an Gründonnerstag legte der Senioren-Weltverband World Masters Athletics (WMA) mit Sitz in Monte Carlo im Fürstentum Monaco seinen Schutzbefohlenen aus aller Herren Länder ein faules Osterei ins Nest: Edmonton in Kanada wird 2023 die Hallen-Weltmeisterschaften der Ü35-Generation nicht ausrichten (siehe Link)! Peng, das sitzt! Irgendwie scheint auf die Masters-Leichtathletik bezogen ein Fluch über diesem zweitgrößten Flächenland der Erde zu liegen. Die Stadion-WM 2021 in Toronto fiel aus nachvollziehbaren Gründen seinerzeit Corona zum Opfer, wird vom 29.Juni bis 10.Juli 2022 im finnischen Tampere „nachgeholt“. Natürlich handelt es sich nicht um einen Willkürakt, einen Schnellschuss des Lokalen Organisationskomitee (LOC) in Edmonton. Die Macher haben (wohl noch rechtzeitig) die Reißleine gezogen, sind die Beweggründe für den Rückzug aus ihrer Sicht verständlich. Nun sucht die WMA mit Frontfrau Margit Jungmann (im Bild) auf der Zielgeraden ihrer Amtszeit (dem Vernehmen nach kandidiert sie nicht mehr als Präsidentin) händeringend nach einem Ersatz.

Nun muss alsbald Ersatz für Edmonton her

Womöglich wird der gefunden. Doch das sollte den Blick nicht für das tieferliegende Problem verstellen. Denn neben den nachvollziehbaren Hemmnissen wie die immer noch grassierende Corona-Pandemie oder der tobende, von Putin-Land angezettelte Krieg in der Ukraine sollte der Hinweis auf (fehlende) „Sponsoren" stutzig machen. Dass in der heutigen Zeit, wo die Wirtschaft alles andere als Blütezustände verzeichnet, die Geberhände zurückhaltend und zögerlich reagieren, ist die logische Konsequenz. Dazu kommt ein Umstand, den die Masters erst recht nicht zu verantworten haben: Die zunehmend schwindende Attraktivität der Leichtathletik, die mit diesem Dilemma immer noch nicht bei der obersten Dachorganisation World Athletics (WA; zuvor IAAF) im Fürstentum an der
Côte d’Azur angekommen zu sein scheint.
Von der WA können die Masters wenig bis gar keine Hilfe erwarten. Sie sind dort genauso ein Klotz am Bein wie in Deutschland beim DLV, wo die Absagequote von Senioren-Meisterschaften einen vorläufigen Höchststand erreicht hat. Ende offen.

Hoffnungsträger für die Senioren-Bewegung ist Sergej Bubka

Wäre da nicht beim Weltverband ein Umstand eingetreten, der als Chance zu sehen ist. Und die trägt den Namen des früheren Weltklasse-Stabhochspringers Sergej Bubka aus der Ukraine, seines Zeichens Vize-Präsident der World Athletics. Bubka ist seit Mitte letzten Jahres zudem Präsident der International Masters Games Association (IMGA). Der mit allen Weihen gesegnete 58-jährige Fachmann zieht nun die Fäden eines Verbandes, der professionell geleitet wird, der modern und effektiv denkend eine Bewegung vorantreibt, von der die Leichtathletik-Masters nur träumen können, im Selbstdarstellungsgehabe und persönlichen Eitelkeiten („bestens“ demonstriert in Europa) zu ersticken drohen. Der damalige WMA-Präsident Torsten Carlius aus Schweden hatte zu Beginn des zweiten Jahrtausends die pfiffige Idee der „Vereinigung" von IMGA und WMA, scheiterte aber an (finanziellen) Egoismen der Präsidiumsmitglieder.

Abspaltung der deutschen Senioren vom DLV ist dringend geboten

Finanzielle Nöte wie die WMA oder European Masters Athletics (EMA) hat die IMGA nicht, muss auch nicht von Meisterschaft zu Meisterschaft nach neuen Strohhalmen suchen, um überleben zu können. Edmonton ist das Alarmsignal aufzurütteln, sonst geht die Zukunft der Welt-Masters-Bewegung mit nicht mehr zu stoppenden Vehemenz den Bach herunter und zieht folglich die Europäer mit sich.
Und in Deutschland könnte ein Wandel bei WMA/EMA Vorbild sein, nach britischem Muster über einen eigenständigen Senioren-Verband nicht nur nachzudenken, sondern ihn auch endlich in die Tat umzusetzen. Bloß: Wer setzt die Maschinerie beim langen Marsch durch die Instanzen in Gang? Wo sind die Visionäre mit Profil und von Format?

Was versprochen wird, sollte ge- und nicht für sich behalten werden!

(Tampere/Arneburg/Krefeld, 20. April 2022) Kommen wir nach der gestrigen Absage-Verkündung noch zu einer Senioren-Weltmeisterschaft, die Stand jetzt stattfinden wird. Allerdings ist es auch keine Ruhmestat, über die wir berichten werden. Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch. Doch auf die Substanz kommt es vordergründig an. Versprechen sollten, nein: müssen gehalten und nicht für sich behalten werden. Diesbezüglich ist Margit Jungmann aus Rehlingen als Präsidentin der World Masters Athletics (WMA) ein miserables Zeugnis auszustellen. Gemessen an Schulnoten mit einer lupenreinen 6. Lanciert von LAMPIS und in unserem BeitragMargit Jungmann erklärt Zimmerpreise bei der WM zur Chefsache“ hat(te) die WMA-Oberschwester angekündigt sich dafür einzusetzen, dass alternativ auch günstigere Angebote zu den exorbitant hohen Logiskosten zu den vom Lokalen Organisationskomitee (LOC) präferierten und ihm provisionierten vier Hotels offeriert würden. Das ist fast zwei Monate her – und passiert ist absolut nichts!

Wenn Welt- zu Geldmeisterschaften von betuchten Sportouristen mutieren

Wer hat so viel Pinke, Pinke, wer kann das bezahlen, wenn Welt- zu Geldmeisterschaften von wohlhabenden Sporttouristen mutieren? Ein stellvertretend am Beispiel von Weltklasse-Wurfallrounder Lothar Huchthausen (*12.03.1935) aus Arneburg aufgemachten ostdeutschen Rentner jedenfalls nicht. Er war es überhaupt, der über uns den Stein ins Rollen brachte. Ergebnis nunmehr bekannt, entsprechend groß die Enttäuschung des 87-jährigen Mehrfach-Weltrekordlers, der seine überaus erfolgreiche internationale Karriere mit diesen Senioren-Weltmeisterschaften vom 29. bis 10.Juli 2022 in Tampere (Finnland) mit dem vollen Programm von fünf Einzeldisziplinen und dem Wurf-Fünfkampf zu beenden gedachte. Das wird Lothar auch. Denn aufgeben gibt es nicht bei der ihm eigenen Kämpfermentalität eines gestandenen Mannsbildes aus der Altmark in Sachsen-Anhalt.

Dabei ließ es Lothar Huchthausen jedoch nicht bewenden
 
Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott, dachte er sich. Über ein Reisebüro wurde er mit einer Ferienwohnung fündig, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zehn Minuten vom Stadion entfernt, Kostenpunkt für die Zeit vom 29. Juni bis 11.Juli 1.032 Euro. Das ist immerhin 42 Euro pro Tag und in Summe 504 Euro weniger als das „günstigste“ Hotel. Hinzu kommen logischerweise noch die Kosten für Verpflegung und in seinem Falle eine erkleckliche Meldegebühr von 291 Euro (der DLV partizipiert bei Online-Meldung mit 20 Euro fürs Nichtstun). Ein alles in allem sehr teures Vergnügen für den Spaß an der Freud. Allerdings wäre im beschriebenen Domizil gegen Kostenbeteiligung noch Platz für einen Sportkameraden zu haben.
Bei Interesse stellen wir gerne den Kontakt her. Denn nicht nur bei der inzwischen von der Bildfläche verschwundenen einstigen Werbeikone Verona Feldbusch (verheiratete Pooth) „werden Sie geholfen“!

Düsterer Ausblick am nationalen und internationalen Wettkampf-Himmel

(Zella-Mehlis/Erfurt/Krefeld, 19. April 2022) Nach dieser angekündigten österlichen Minipause, unterbrochen durch eine vorproduzierte und voreingestellte Laudatio an Oster-Sonntag, nehmen wir unseren wonnevollen Dienst an der Senioren-Leichtathletik, ihren Protagonisten und Lesern wieder auf. Der Einschaltquote hat es dennoch nicht geschadet, wie die Zugriffszahlen des Webhosters IONOS belegen. Nun ist ja auch das Archiv prall gefüllt (allein 130 Beiträge in diesem Jahr), nicht jede/r wird alles gelesen haben. Zumal ja mancher Stoff nicht die Tagesaktualität abbildet, sondern allgemeinverbindlichen, zeitlosen Charakter hat oder in Dauerschleife mit Wiederholungspotenzial gelten und als Blaupause herhalten kann. Da sei nur an eine bestimmte nationale Dachorganisation erinnert. Name hinlänglich bekannt und verbrannt. Leuchtturmprojekte mit selbst ernannter weltweiter Strahlkraft sind weiterhin nicht von ihm zu erwarten. Zumindest nicht bei der wettkampfaffinen Ü35-Generation. Klar, dabei haben noch ein paar andere (nicht) Mitwirkende ihre unseligen Finger im Salat.  

Allein das Team-Finale Senioren ist in trockenen Tüchern

Allein in trockenen Tüchern ist auch in der offiziellen Verlautbarung seit voriger Woche nach Lage der Dinge das 48.Team-Finale Senioren, bekannter unter DAMM, am 10.September 2022 im Stadion Werreanger in Lage/Westfalen (wir berichteten). Nach wie vor für diese Saison vakant und mit düsteren Aussichten behaftet: Stadion-DM, Mehrkampf-DM und Wurf-Fünfkampf-DM mit Langstaffeln. Für Letzteres hat einmal mehr der TSV Zella-Mehlis seine Bewerbung abgegeben. Sie ist momentan nach unserem Kenntnisstand beim Thüringer Leichtathletik-Verband (TLV) in Erfurt zwischengelagert, droht an der Finanzierung von 2.000 Euro Nutzungsentgelt für die Arena Schöne Aussicht an den angedachten beiden Meisterschaftstagen 03./04.September zu scheitern. Vielleicht sollten wir zu einer Kollekte aufrufen?! 
Aber auch international brennt schon weit vor Weihnachten der Baum. Darauf gehen wir im Laufe des Vormittags noch mit einem Kommentar unseres Gastautoren Knut Reimann ein. Ja, es gibt weitaus Schlimmeres auf dieser besch… Welt. Ein Trost ist das nicht. Ganz im Gegenteil: Selber ausgeübter Sport kann wenigstens für ein paar Stunden ein bisschen Ablenkung verschaffen und das Kopfkino ausschalten.