"Alternative Fakten" oder Falschmeldung: Schlicht fehlende Information

Kolumne

Moment mal

(Gerstungen-Neustädt/Bottnaryd/Krefeld, 12. Juli 2021)
Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Stopp: Manchmal schon. Zumindest im Nachhinein! Denn naturgemäß ist es bei vorhandener Berufsehre journalistisch absolut verpönt, a la des ehemaligen US-Präsidenten Donald „Duck“ Trump die von ihm erfundenen „Alternativen Fakten“ zu verbreiten. Genau das ist im konkreten Falle irgendwie doch in unserem Beitrag vom 5.Neustädter Kugel-Cup geschehen, ohne dass wir unsererseits keine direkte Falschmeldung zum (vermeintlich) unentschuldigten Fehlen, mithin der „glänzenden Abwesenheit“, der ursprünglich gemeldeten Kugelstoßerin Alina Kenzel (VfL Waiblingen) verbreitet haben. Denn als weitgehender Alleinunterhalter meiner Internet-Spielwiese bin ich nun einmal auf die Informationen des/der Veranstalter/s angewiesen, kann nicht alles und jedes in Frage stellen sowie vorsorglich überall auf unsichtbaren blauen Dunst hin gegenchecken. Dann könnte ich meinen kostenfreien Selbstbedienungsladen für die geschätzte Leserschaft gleich einstellen.  

Peter Salzer hatte seinen Schützling rechtzeitig abgemeldet

Genug der sehr wohl erforderlichen Vorrede. Jedenfalls reklamierte ihr Heimtrainer Peter Salzer via E-Mail bei mir, dass er seinen Schützling rechtzeitig im Vorfeld abgemeldet habe, da seine Alina zum selben Wettkampftag einen (vermutlich mit Antrittsgeld versehenen) Startplatz bei einem Meeting im schwedischen Bottnaryd erhalten habe. Auf Nachfrage bestätigte mir Initiator und Chef-Organisator Heiko Wendorf, dass ihm diese Information an mich eingedenk der über ihn einprasselnden gesamten Vorbereitungen durchgerutscht sei. Ja, klar: Kann passieren, halt dumm gelaufen. Nur lasse ich mir nicht den Schwarzen Peter anhängen, der mir nicht gebührt. Noch dies aus der durchaus freundlich formulierten Mail von Salzer (die ich selbstverständlich zeitnah, nämlich knapp vier Stunden später beantwortet habe): „Der Trip hat sich gelohnt, denn Alina hat mit 18,69m persönliche Bestleistung gestoßen und dabei auch die Lokalmatadorin Fanny Roos schlagen können!“

Eine prima Leistung, die für die Olympia-Nominierung zu spät kommt

Prima! Nur wer sagt ihm, dem guten Peter Salzer, dass das der Alina aus dem Wunderland Baden-Württemberg nicht auch im Zweikampf mit Julia Ritter in Neustädt gelungen wäre? Meinerseits konnte ich mir in meiner Re-Mail an ihn diesen Seitenhieb nicht verkneifen: „Wenn Du meine Netzseite regelmäßig liest, hast Du ja sicherlich auch meine kritische Anmerkung wahrgenommen, es nicht für eine gute Idee zu halten, ,mitten im Strom‘ einer olympischen Saison die Pferde respektive die Technik zu wechseln. Wenngleich es müßig und Konjunktiv ist, wären die 18,69m womöglich schon vor dem Nominierungsschluss machbar gewesen.“
So, hätten wir das hoffentlich zur Zufriedenheit aller Beteiligten auch geklärt.

Ein Er-lebnis als Multiplikator für eine digital zusammengerückte Welt

(Ahlen/Malmö/Krefeld, 16. Juni 2021)  Mitunter holt einen die längst verschüttet geglaubte Vergangenheit wieder ein. So erging es jüngst dem früher kugelstoßenden Sportjournalisten und LAMPIS-Betreiber Axel Hermanns. Im Zusammenhang mit dem kollabierenden und reanimierten dänischen Fußballspieler Christian Eriksen in der EM-Auftaktpartie gegen Finnland erinnerte sich das 52 Jahre lang aktive Leichtathletik-Urgestein (1966 bis 2018) aus der Seidenstadt am linken Niederrhein an ein sehr ähnliches Er-lebnis (wir berichteten). Und da die mediale Welt eingedenk moderner Kommunikationsmittel ganz eng zusammengerückt ist, entdeckte ein Redakteur der „Ahlener Zeitung“ diesen Beitrag und das unübersehbare Foto von Dieter Massin aus Ahlen, der/das ihn zu einer eigenen Geschichte für sein Blatt inspirierte. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Weniger wegen A.H. aus K., sondern mehr aufgrund D.M. aus A. Denn der umtriebige 80-jährige Wahl-Westfale ist in der 56.000-Einwohner-Stadt am Rande des Münsterlandes bekannt wie der vielzitierte bunte Hund, höchstwahrscheinlich sogar ihr prominentester Bürger mit dem größten Wiedererkennungswert.

„Bunte Hund“ Dieter Massin liefert dafür den Aufhänger

Nicht von ungefähr, gingen doch Generationen von Ahlener Kindern, Teens und Twens buchstäblich durch seine Schule als Lehrer und späterer Konrektor. Doch auch nach seiner Pensionierung blieb der (Un-)Ruheständler vor Ort durch seine mannigfaltigen Aktivitäten in aller Munde. Dabei liegt dem ehemaligen DLV-Vizepräsidenten und EVAA/EMA-Präsidenten, deren Ehrenpräsident er seit 2012 ist, die Leichtathletik besonders am Herzen, aber zudem der Sport im Allgemeinen. Er betreibt seit vielen Jahren ein Sport-Museum und –Archiv. Das platzte mit ständig hinzukommenden Unikaten und Devotionalien früherer Epochen aus allen Nähten, ist es erst unlängst vom „Ahlener Kulturkeller“ in seinem eigenen Haus in größere Räumlichkeiten an seiner ehemaligen Schule umgezogen. Auch das unterstreicht die Bedeutung sowie den Stellenwert von Massin und seines Wirkens in seiner und für seine angenommene Heimaststadt.

Schickssalsort Malmö spielte schon vor- und noch nachher eine Rolle

Doch zurück zu der unfreiwilligen und dramatischen Begegnung des damaligen Kugelstoßers der M50 und seinerzeitigen DLV-Delegationsleiters am 06.März 1999 in der schwedischen Hafenstadt Malmö, die für Hermanns nicht nur den Schauplatz seiner Wiedergeburt markiert. Dort erlebte er zuvor 1986 als Dritter der M40 hinter seinem Sportfreund Manfred Buchmüller aus Leverkusen und der lebenden schwedischen Sportlegende Ricky Bruch (beide inzwischen verstorben) aus Malmö seine erste Stadion-Europameisterschaft (Eintrittsalter war da noch 40 Jahre). An selber Stelle wurde er 1996 Titelgewinner in der M50 vor Drehstoßer Kurt Goldschmidt aus Travemünde-Kücknitz. Als Titelverteidiger der ersten Hallen-EM 1997 in Birmingham (geehrt von Doppel-Olympiasiegerin Irena Szewinska aus Polen) holte es ihn dann bei dem erwähnten ominösen Ereignis durch eine Blutleere im Gehirn (Synkope) förmlich von den Beinen. Happy End bekannt. Lieber lebend Zweiter, als posthum Europameister mit jenem unheilvollen besseren fünften Versuch über 15 Meter (Siegesweite 14,89m), bei dem Hermanns nicht aus eigener Kraft den Ring verlassen konnte.

Ein Gedenkbesuch neun Jahre später

Der Stätte des Schreckens statteten der Pechvogel und Massin gut neun Jahre später gewissermaßen einen Gedenkbesuch ab. Gleich nebenan im Stadion fanden Ende August, Anfang September 2008 die European Masters Games (EMG) statt, an denen Hermanns im Kugelstoßen teilnahm und deren oberster Schirmherr Massin als Präsident der European Masters Sports Association (EMSA) war. Davon zeugt jenes obige schwarz-weiße Bilddokument, das womöglich in größerer Aufmachung mit ein paar Textzeilen nun den Weg ins Ahlener Sportmuseum findet. Übrigens mit noch einem Relikt aus der Vergangenheit, trägt Hermanns doch das von Hammerwerfer Claus Dethloff geliehene National-Trikot mit dem Bundesadler von den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta.

Scheinheiliger DLV spielt sich als Hüter von Sitte und Moral auf

Glosse

Neben der Spur

(Darmstadt/Offenburg/Köln/Krefeld, 26. April 2021)
Hoch lebe die in Artikel 5 des Grundgesetzes verbriefte Presse- und Meinungsfreiheit! Schade nur, dass sich nicht jeder daran hält. Ausgerechnet der „Deutsche Leuchtturm-Verband“ (DLV) mit weltweiter Strahlkraft von eigenen Gnaden zensiert einen Beitrag des über jeden Zweifel erhabenen, angesehenen Sport-Informations-Dienstes (SID). Die Agentur mit Sitz in Köln hatte über die Samstag in Offenburg erzielte formidable Speerwurf-Leistung von Johannes Vetter geschrieben: Der Weltmeister von 2017 postete bei Instagram im Anschluss ein Bild aus der Eistonne: Mit einem Bier in der Hand genoss Vetter "den Geschmack einer neuen Weltjahresbestleistung". Zitat Ende.
Etwas Ehrenrühriges vermag keiner daran zu entdecken. Immer noch besser das bayrische Grundnahrungsmittel maßvoll (womit jetzt nicht die Maß von 1 Liter auf dem Oktoberfest gemeint ist) zu trinken, als es maßlos und vollkommen sinnfrei bei Siegesfeiern kübelweise über die Köpfe und sündhaft teuren maßgeschneiderten Designer-Anzüge irgendwelcher Fußball-Trainer wie Pep Guardiola & Co. zu schütten.

Eine überflüssige Maßnahme aus der Abteilung Nonsens

Doch der DLV änderte auf seiner stets die heile Welt, die allerdings dadurch nicht in Unordnung geraten wäre, abbildende Netzseite diese Passage in mit „einem Getränk in der Hand“. Weshalb bloß derlei Berührungsängste? Vielleicht nach dem Motto „Ein gebranntes Kind scheut das Feuer“? Dazu muss der geneigte Leser wissen, dass Oberbürgermeister Jürgen Kessing aus der „Weltstadt“ Bietigheim-Bissingen in Baden-Württemberg relativ kurz vor seiner damals bei vielen umstrittenen ersten Wahl im November 2017 zum DLV-Präsidenten bei einer Fahrt am Steuer mit mehr als 1,1 Promille erwischt wurde (siehe Link). Mit welchem alkoholischen Getränk er diesen Wert erreichte, ist seinerzeit nicht kolportiert worden. Das kann der Region gemäß auch Wein, wie wär's mit Trollinger (?), gewesen sein. Sonnenklar ist allerdings, dass es sich mitnichten um ein Kavaliersdelikt, sondern neben dem Führerscheinentzug auf Zeit um einen justiziablen Straftatbestand gehandelt hat.
Dies „Bruder Johannes“ bei einem Bierchen daheim unterstellen und ihn davor beschützen zu wollen, ist hochgradiger Nonsens. Zumal es anderswo (auch bei uns) ge- und beschrieben wurde. Wenn dieser scheinheilige Dachverband wirklich der Hüter von Sitte und Moral wäre, hätte er damals nicht die Kandidatur von Kessing zugelassen.
Redaktioneller Hinweis: Diesen für das Klatsch- und Tratsch-Fenster Flurfunk gedachten Beitrag hatten wir zunächst in die unsere Seite aufmachende Nachrichtenspalte gestellt.

Mit einem "Herz für Senioren" geht auch in pandemischen Zeiten was

Kolumne

Moment mal

(Horneburg/Krefeld, 07. Juni 2021)
Als Teil der vom DLV stets in die untere Schublade des Schreibtisches abgelegten Werfer-Gemeinde der Senioren/innen (für Darmstadt übersetzt: Masters-Throw-Community) hat man es in diesen Zeiten gewiss nicht leicht, Gelegenheiten zu finden, um mehr oder weniger schwere Geräte durch die Gegend zu schmeißen. Arbeitet man(n)/frau sich an den umfangreichen LADV-Veranstaltungshinweisen ab, so versperren Kader-, Einladungs- und vereinsinterne Wettkämpfe uns älterer Generation meist die Teilnahme daran. Da für Veranstalter die Corona-Pandemie naturgemäß Unsicherheiten in der Planung sowie bei Kampfrichtermangel und Auflagen vonseiten der Kommunen Einschränkungen mit sich bringen, ist dafür selbstredend Verständnis angesagt.

Beispiel des VfL Horneburg zur Nachahmung empfohlen

Umso erfreulicher, dass vorigen Samstag in Horneburg im Kreis Stade Bezirksmeisterschaften im Wurf-Fünfkampf speziell für Senioren* – Achtung: Gender-Schluckauf – innen mit Gaststartrecht angeboten wurden, dem im Nachhinein nur Gutes abgewonnen werden konnte.
Der Ausschreibung lag ein klarer Hygieneplan bei, der vor Beginn der Wettbewerbe nochmals erläutert und von allen 30 Teilnehmern in drei Riegen ohne jede Mühe eingehalten wurde. Die Kampfgerichte mussten kein einziges Mal auf irgendein Fehlverhalten reagieren und machten kompetent einfach nur ihren Job. Auf die vorhergesagten und herannahenden Gewitterfronten reagierten sie teilnehmerfreundlich durch die gewünschte Verkürzung der Pausen, alles konnte so rechtzeitig zu Ende gebracht werden.
Vielleicht sollten manche Vereine, vorausgesetzt, sie sind organisatorisch dazu in der Lage, uns Ältere nicht länger ignorieren, sondern einfach mehr vertrauen. Der VfL Horneburg hat es vorbildlich getan, dafür sei ihm gedankt und sein Angebot zur Nachahmung empfohlen!

Speerwurf-Olympiasieger Klaus Wolfermann wird heute 75

(Penzberg/Krefeld, 31. März 2021) Freud‘ und Leid, diesmal umgekehrt, liegen oftmals dicht beisammen. Zwei Leichtathleten aus der Abteilung Schwerathletik,die sich aus ungezählten gemeinsamen – wenngleich in unterschiedlichen Disziplinen – Sportfesten, Länderkämpfen, Lehrgängen und Trainingsaufenthalten sehr gut gekannt haben und auch in unterschiedlichen Rollen bei den Olympischen Spielen 1972 begegneten, stehen für das eingangs erwähnte geflügelte Wort Pate: Kugelstoß-Hüne Ferdinand „Fred“ Schladen ist Montag verstorben, und der mit 1,76m vergleichsweise kleine Speerwurf-Olympiasieger Klaus Wolfermann (*31.03.1946 in Altdorf bei Nürnberg) feiert heute in Penzberg nahe dem Starnberger See die Vollendung des Dreivierteljahrhunderts. Kurzum: er wird dem Frühling angemessen 75 Lenze jung.
Das lässt sich bei beim 91-jährigen Werfer-Urgestein Richard Rzehak, der ein Turnbruder von Wolfermanns verstorbenem Vater war, mit Fug und Recht konstatieren. „König“ Richard gehörte zu morgendlicher Stunde zu einem der vielen Gratulanten, die wohl auch weiterhin die imaginären Telefondrähte glühen lassen. Viel mehr geht eben auch in den Zeiten von Corona nicht, muss die große Sause ausfallen. Wenigstens die war Schladen zu seinem „Achtzigsten“ noch gegönnt.
Mehr zum aktuellen Jubilar in einer großen, unter anderem in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Laudatio der Deutschen Presse-Agentur (dpa).