DLV-Verbandsrat schmetterte gestern Startrecht für EU-Bürger ab

(Darmstadt/Krefeld, 18. November 2017) Schnell, schneller, LAMPIS! Ehe das ausgesprochen schwerfällige Referat Medien & Kommunikation des DLV mit seinen zwei Online-Redakteuren in die Hufe kommt, haben wir bereits die besonders die Ü30-Generation interessierende Entscheidung aus der gestrigen Verbandsratssitzung in Darmstadt exklusiv erfahren. Das aus dem Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und den 20 regionalen Verbandspräsidenten bestehende Gremium hat den Antrag des Bundesausschuss‘ Senioren (BAS) abgelehnt, EU-Bürgern mit mindestens ein-, ersatzweise zweijährigem Startrecht für einen deutschen Leichtathletik-Verein ab 1.Januar 2018 wieder (wie schon bis 2016) bei Deutschen Senioren-Meisterschaften eine Teilnahme ohne jegliche Einschränkung zuzubilligen. Also auch mit der Möglichkeit Titel oder Medaillen zu gewinnen.

„Heilige Kuh“ zunächst weder vom Eis, noch geschlachtet

Allerdings ist die anscheinend „Heilige Kuh“ damit weder vom Eis, noch viel weniger schon geschlachtet. Der heute tagende Verbandstag, insgesamt knapp über 200 Vertreter, kann Kraft § 7.1 D
LO (steht für  Deutsche Leichtathletik-Ordnung) Beschlüsse des Verbandsrates aufheben oder ändern. Dazu steht weiterhin noch ein diesbezüglicher Antrag des Berliner Leichtathletik-Verbandes (BLV) im Raum, der direkt an den Verbandstag gerichtet worden ist.
Sehr wahrscheinlich ist das allerdings unserer bescheidenen Meinung nach nicht. So bedauerlich das für die betroffenen Athleten auch sein mag, mit denen sich sehr viele Sportkameraden und damit potenzielle Konkurrenten solidarisiert haben (LAMPIS hat sich in etlich Beiträgen auch stets dafür stark gemacht),  ist eher mit einer neuerlichen Hiobsbotschaft zu rechnen. Vielmehr ist zu mutmaßen, dass der Dachverband mal wieder auf Zeit spielt, böswillig formuliert, sie schindet.

Amtsgericht Darmstadt leitete den „Schwarzen Peter“ weiter

Denn im Hintergrund steht die Klage des italienischstämmigen Sprinters und Viertelmeilers Daniele Biffi (*1972/M45) von TopFit Berlin vor dem Amtsgericht Darmstadt (wir berichteten). Das verkündete am 02.November 2017 in dem Rechtsstreit den uns vorliegenden Beschluss, den „Schwarzen Peter“ dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg zuzuschieben. Extrem verkürzt wiedergegeben geht es darum festzustellen, ob es nach EU-Recht eine Diskriminierung darstellt, einer Person wie dem Kläger das Teilnahmerecht an nationalen Meisterschaften – in diesem Falle sogar seiner langjährigen Wahlheimat – zu verweigern.
Derartige Verfahren pflegen zwölf bis 24 Monate zu dauern. Soviel zum Thema Zeitspiel.