Lockdown wurde zum "Anglizismus des Jahres 2020" gekürt

Glosse

Neben der Spur

(Berlin/Krefeld, 25. Februar 2021)
Neu ist alles das, was jemand noch nicht weiß. Es war auch nur eine kleine Randnotiz unter „Kurz berichtet“ in manchen Tageszeitungen. Eine Jury um den Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch (*1970 in Berlin) kürte das Wort „Lockdown“ (Abriegelung) zum „Anglizismus des Jahres 2020“. Da fielen mir schon als leidenschaftlichem Verfechter deutschen Sprachgutes mit seinen rund fünf Millionen Wörtern noch ein paar andere verquere Bezeichnungen ein. Allerdings nicht allein bezogen und entstanden im „Fuck you 2020“. Hinlänglich bekannt für seinen ganz normalen Anglizismuswahnsinn ist der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt.
Er wurde auf Initiative von LAMPIS von einer Experten-Jury vom 35.000 Mitglieder starken  „Verein Deutsche Sprache“  unter fünf in die engere Auslese genommenen Vorschlägen auf den zweiten Platz zum „Sprachpanscher des Jahres 2015“ gewählt (siehe Link). Da bei dieser Dachorganisation der honigblühende Nonsens Methode und System hat, wurde an der verrosteten Schraube munter weitergedreht. Dazu muss lediglich seine Netzseite aufgerufen werden – und die englischsprachigen Begriffe springen einem nur so entgegen. Seine Marketing-Tochter DLM mit dem Denglish-Misch-Masch „Weihnachts Sale“ und so weiter eingeschlossen.

Nicht nur DLV und DLM sind die Sprachverhunzer der Nation

Doch nicht allein die bösen Jungs beim DLV und jener DLM sind die sprachverhunzenden Buhmänner der Nation. Wer mit wachen Augen durch die momentan leerer gewordenen Straßen geht, der findet an jeder Ecke oder auf Fahrzeugen „fantasievolle“ Formulierungen für ganz gewöhnliche Dinge. Beispielsweise: Die guten alten Friseur-Betriebe, die schon wieder früher in erwähntem Lockdown öffnen dürfen (01.März), sind nun „Hair Dresser“, Hair Stylist“, „Hair & Body“, „Barber Shop“ und was nicht sonst noch alles in dieser haarsträubenden Richtung. Fahrschulen heißen heutzutage „Driving School“, „Fun and drive“, „Driving Academy“ et cetera. Aber nun wird es richtig crazy, Entschuldigung: verrückt! Eine erst jüngst auf ZDF Neo ausgestrahlte sechsteilige deutsche (!) Fernseh-Produktion trägt den für viele – lediglich etwa neun Prozent der Deutschen beherrschen Englisch einigermaßen vollständig in Wort und Schrift – miss- oder unverständlichen Titel „Unbroken“. Ununterbrochen war wohl zu simpel und profan.
Und was lernen wir daraus? Schlimmer geht irgendwie und irgendwo immer! Nicht nur, aber auch diesbezüglich: „Armseliges deutsches Heimatland“. Vaterland wäre ja frauenfeindlich in der anderen Baustelle, die da Gender-Wahnsinn heißt.