EMA-Präsident Kurt Kaschke wirft mit Vorankündigung das Handtuch

Kolumne

Moment mal

(Ancona/Freudenstadt/Krefeld, 20. März 2016) Es war einmal... So fangen alle Märchen an. Dies wird allerdings keine Geschichte aus 1.000 und einer Nacht. Vielmehr handelt es sich um Realsatire aus der unerschöpflichen Schatztruhe um Würden- und Bürdenträger. Gut versteckt auf Seite 10 der Einladung zur Außerordentlichen Generalversammlung der European Masters Athletics (EMA) am 30.März 2016 im Rahmen der 11. Hallen-Europameisterschaften mit Winterwurf in Ancona (Italien) lässt der höchst umstrittene EMA-Präsident Kurt Kaschke aus Freudenstadt die Katze aus dem Sack. Der 60jährige Wahl-Schwarzwälder, der sich gerne auch mal als Aktiver blamiert, geht diesmal auf andere Weise unter die „Finisher“. Er kündigte an, dass er bei der turnusmäßigen Generalversammlung im Sommer nächsten Jahres bei der Stadion-EM in Aarhus (Dänemark) nicht wieder für den Vorsitz kandidieren wird.
Eine weise Entscheidung, die indes von vielen Kennern der Szene als überfällig angesehen wird. Spätestens nach dem unseligen Vorfall mit der unzulässigen Annahme von den 27 EM-Meldungen der in Sippenhaftung mitsuspendierten Senioren/innen aus Russland (wir berichteten) hätte er das Handtuch werfen sollen. Nein, müssen! Das hätte wenigstens noch ein bisschen Stil gehabt, Charakter und Rückgrat offenbart. So bleibt ein fader Beigeschmack, und vor allen Dingen kann der ungekrönte Großmeister des unkontrollierten Delegierens noch pralle 16 Monate lang lustig Porzellan zerdeppern. Gewissermaßen handelt es sich obendrein um die „Nachspielzeit“ der an sich nur vier Jahre währenden Amtsperiode, die 2016 abgelaufen wäre. Neuwahlen setzte er jedoch nicht auf die Agenda, stellte sich in einer Art Regelbeugung – fatalerweise unwidersprochen – auf den Standpunkt, dass sie traditionell bei der Stadion-EM erfolgen. Dieser Rhythmus wurde durch den Turnuswechsel der Welt- und Europameisterschaften durchbrochen.
Ohne hier im verklärten Rückblick Heldenverehrung betreiben zu wollen, hat Kaschke im August 2012 bei der EM in Zittau von seinem Vorgänger und seitherigen Ehrenpräsidenten Dieter Massin (*1940) aus Ahlen in Westfalen einen hervorragend be- und aufgestellten Verband übernommen, den er jedoch in mehreren Handstreichen mit Schmackes gegen die Wand gefahren hat. Was Massin in zehn Jahren fast als sein "Lebenswerk" aufgebaut hat, ist von seinem „Kronprinzen“ Kaschke, der zuvor unter ihm Sekretär war, mit dem Allerwertesten sukzessive wieder umgestoßen worden. Es wurde allzu schnell erkennbar, dass die hinterlassenen Fußstapfen für K.K. aus F. ein paar Nummern zu groß geraten waren. Hinzu kam/kommt sein Auftreten. Ein bisschen Eitelkeit gehört bei hochrangigen Amtsinhabern quasi zum Anforderungsprofil. Nur sollte es nicht in Selbstdarstellung oder gar Selbstverliebtheit aus- und entarten. Und in dieser Hinsicht hat Kaschke die Grenzen des guten Geschmacks bisweilen deutlich überschritten.
Doch irgendwann hat sich bei ihm wohl die Erkenntnis eingestellt: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt‘s sich völlig ungeniert. Und schließlich verpflichtet auch ein wenig schmeichelhafter Leumund. Für die große kontinentale Seniorengemeinde bleibt die Gewissheit, dass es schlimmer nimmer werden kann. Die "Ewigen Talente" aus aller Herren Länder müssen halt nur noch ein bisschen warten.