Nordrhein "Open": 80-jährige Horst Bödeker erlitt einen Schwächeanfall

(Krefeld-Uerdingen, 16. Juni 2017) Es war warm, sehr warm, am gestrigen Fronleichnamstag bei den Offenen Nordrhein-Seniorenmeisterschaften im einstigen Bayer-Stadion am Löschenhofweg in Krefeld-Uerdingen. Da hätte der DLV-Chefliterat, Wasserstandsmelder und Kachelmann für Arme, mit bürgerlichem Namen Karl-Heinz „Flunker“ Flucke aus Berlin, bei seinen täglichen Internet-Nachrichten von internationalen Masters-Titelkämpfen an die Adresse der Athleten (aber zwangsläufig auch Daheimgebliebenen) „Ihr müsst gaaanz viel trinken!“ geschrieben. Das hätte freilich der beileibe erfahrene Horst Bödeker (*1936) vom Pulheimer SC beherzigen sollen. Der 80-Jährige erlitt offenbar infolge Dehydrierung (Flüssigkeitsmangel) einen Schwächeanfall, wurde mit dem Notarztwagen ins nahe Uerdinger Krankenhaus gebracht, konnte jedoch nach stationärer Behandlung wieder entlassen werden. Die LVN-„Open“ waren für ihn jedoch vorzeitig beendet, zu den 200 Metern um 12.55 Uhr trat er schon nicht mehr an. Eine weitere wetterbedingte Gesundheitsgefährdung wussten jedoch die Verantwortlichen des federführenden Leichtathletik-Verbandes Nordrhein (LVN) zu verhindern. Die Veranstaltung wurde gegen 17.00 Uhr wegen eines Wärmegewitters abgebrochen, die noch an- und ausstehenden 5.000-m-Läufe nicht mehr durchgeführt.

Ralf Unger mit dem besten klassischen Doppel

Doch werden wir nach diesem unerlässlichen Vorspiel ein wenig sportlich. Wiewohl bei dem Wust von Ergebnissen die Betonung auf „wenig“ liegt, picken uns ein paar Rosinen nach der objektiven, indes letztlich doch subjektiven Sicht des Verfassers aus dem riesigen Kuchen heraus. Unserer selbst gewählten Bestimmung entsprechend mit dem Schwerpunkt Stoß/Wurf. Die klassenübergreifende „All-Star-Wertung“ mit der metrisch besten Leistung mit der Kugel ging papierformgemäß an Oliver Schembach (*1965) vom Essener LV mit 14,60m in der M50. Gäste aus anderen Landesverbänden waren unter diesem Aspekt mit Diskus und Speer vorn. Der vor Ort nachmeldende Westfale Frank Hoffmann (*1957) von der LG Plettenberg-Herscheid mit der 1-Kilo-Scheibe in der M60 (47,97m) und im Speerwurf der Saarländer Jung-Senior Manuel Croon (*1986) mit 54,31m in der M30. Ob er diesen Erfolg Verbandsoberschwester Margit Jungmann (beide LC Rehlingen) widmete, ist nicht überliefert. Sei noch der fairnesshalber erwähnt, dass die 49,26m des 18 Jahre älteren Aacheners Christian Hund (*1968) mit dem gleichen Gerätegewicht von 800 Gramm nach der Punktewertung höher einzuschätzen sind. Das ist zugleich die passende Überleitung. Denn das beste klassische Doppel in dieser Hinsicht legte mit Kugel (13,90m) und Diskus (42,13m) Neu-Siebziger Ralf Unger (*1947) vom TuS Buir in der M70 in die verschieden großen Ringe. Dieses Meisterstück lieferte der Kerpener übrigens schon bei den "Westfälischen" an Christi Himmelfahrt in Parderborn mit 13,87 und 43,01m ab. Konstanz auf hohem Niveau!

Hochsprung-Ass Thomas Zacharias trat nicht an

Das mit Spannung erwartete Hochsprung-Duell zwischen dem aktuellen (1,53m) und abgelösten (1,49m) deutschen Freiluft-Rekordhalter der M70 fand leider nicht statt. Thomas Zacharias (*1947) vom TV Obersuhl glänzte diesmal nicht mit Leistung, sondern der Sprachgebrauchsfloskel nach durch Abwesenheit. So hatte Lokalmatador Wolfgang Hirt (*1946) freie Bahn, der mit 1,49m seine Vorjahresbestleistung einstellte und sich danach dreimal vergeblich am neuen Rekord von 1,54m abarbeitete. Das wird womöglich den meist schweigenden Seniorensprecher Alfred Hermes insofern traurig stimmen, der nun auf seiner Verharmlosungsnetzseite Zacharias nicht weitere rhetorische Kränze flechten und eine große Plattform bieten kann. Mag sich „Alfilein“ damit trösten, dass die Saison und die angeblich sportliche Abschiedstournee des bevorzugt auf Lanzarote lebenden Kosmopoliten T.Z. aus O. noch nicht zu Ende ist.

Birgit Plifke: Vermeintlich aus dem Nirwana 13,43m im Kugelstoßen der W50

Keine neue Erkenntnis die durchweg recht dünn bis hin zum Alleinstellungsmerkmal besetzten Felder bei den  Seniorinnen. Gewissermaßen aus dem Nichts, in der DLV-Bestenliste 2016 nicht notiert, tauchte im Kugelstoßen der W50 Birgit Plifke (*1963) von der DJK Montania Kürten im Bergischen Land mit starken 13,43m auf. Das hätte im Vorjahr Rang zwei bedeutet. Womöglich steckt ein bekannterer, uns gleichwohl (noch) nicht bekannter Mädchenname dahinter. Denn so kann sich keine 54-jährig aus dem Nirwana in den Blickpunkt katapultieren. Noch erwähnenswert die 42,07m von Wilma Jansen (*1980) vom LT DSHS Köln im Speerwurf der W35.
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