"Schlaraffenland" DLV gibt sich seinem Dornröschenschlaf hin

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Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Krefeld, 22. Januar 2021) Mit der Verlegung der World Masters Games (WGM) im westjapanischen Kansai um ein Jahr von Mai 2021 auf den mutmaßlichen Wonnemonat anno 2022 (wir berichteten) haben wir nun den absoluten Super-GAU (= Größter angenommener Unfall). Für die Senioren-Leichtathleten aller drei Sparten von Lauf, Sprung und Wurf wird es weltweit keine gemeinsamen internationalen Meisterschaften geben. Dafür zieht sich der kontinentale Dachverband  European Masters Athletics (EMA) an immer wieder neuen, relativ sinnfreien virtuellen Meisterschaften für eine Minderheit von Langstrecklern hoch. Das hat entschieden den Vorteil, dass der präsidiale Nar(r)zisst Kurt Kaschke (*1955/M65) daran rund um sein Domizil in der Wahlheimat Assafora (Portugal) bei schon angenehmen Temperaturen teilnehmen kann. Das ist natürlich sehr bequem. Aber auch äußerst eindimensional gedacht, statt über Alternativen für alle Aktiven nachzudenken und vor allem solche auch anzubieten. Es zu lassen, ist ein Armutszeugnis allererster Güte des ehemaligen Realschullehrers aus Freudenstadt.

Keine Idee, keinen blassen Schimmer für Alternatives

Genauso wie beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Zeichnen wir vorausschauend mal ein tiefschwarzes Horrorszenario: Es wir auch in 2021, dem Jahr zwei von Corona, keine Deutschen Meisterschaften für Senioren geben. Sie werden in ihrem Darmstädter Wolkenkuckucksheim immer einen vorgeschobenen Grund finden, auf der faulen Haut liegen zu bleiben. Keine Idee, keinen blassen Schimmer, wie man eben etwas anderes machen könnte. Die wohl besten Disziplinen in Zeiten wie diesen Veranstaltungen zu bewerkstelligen kommen aus den Bereichen von Sprung und Wurf. Stattdessen wird auf Läufe gesetzt (siehe auch EMA), die auf Gedeih und Verderb durchgezogen werden. Warum keine Ausschreibung von der Corona-Situation angepassten unkonventionellen Meisterschaften? Und weshalb werden Vereinsvertreter und Senioren/innen nicht in die Planspiele einbezogen? 
Ausrichter werden sich finden lassen, wenn die ungeheuer hohe Messlatte des über 70-seitigen Anforderungsprofils mit VIP-Parkplätzen, VIP-Bewirtung, überdachten Tribünen, abgeklebter Werbung einer runtergedimmten Amateur-Meisterschaft für „Fortgeschrittene“ auf ein angemessenes, vernünftiges Maß niedriger gelegt wird. Allerdings schwierig, wenn auch bei den bezahlten Machern der Dachorganisation überwiegend Hobbyisten am Werke sind.

„La dolce far niente“ beim nationalen Dachverband

Und diese (un-)verantwortlich handelnden Personen sollten sich bewusst machen, wofür dieser Verband eigentlich installiert worden ist: Nämlich die vielen Sportler/innen und nicht für jene „über 50 hauptamtlichen Kräfte“ mit ihrem ehrenamtlichen Vorgesetzten Jürgen Kessing. Dieses riesige Orchester ohne wirklichen Dirigenten liefert momentan eine außerordentlich dürftige Leistung für seine mitgliederstärkste Fraktion ab. Einmal ausgeklammert, dass seit Oktober 2020 allmonatlich der obligatorische Anti-Doping-Brief in der Senioren-Spielecke der Verbandsnetzseite veröffentlicht wird und zwei nachgeschobene, die Ü30-Generation nicht tangierende Meldungen, um den dürren Aufguss ein wenig aufzupeppen. Ganz so, also gäbe es über rein gar nichts zu berichten. Der Gegenbeweis wird auf dieser Welle und an dieser Stelle angetreten. Wenngleich bisweilen mit kleinen, indes thematisch allgemeinverbindlichen Anleihen. 
Es steht zu befürchten, dass sich das isolierte Schlaraffenland der Geschäftsstelle in Darmstadt weiterhin seinem Dornröschenschlaf hingibt. Denn wer nicht arbeitet, macht auch keine Fehler. Diese per Saldo traurige Zeit der Verarmung sozialer Kontakte und zwischenmenschlichen Beziehungen wird durch das „La dolce far niente“ (Das süße Nichtstun) des DLV in seiner Tristesse unnötigerweise noch verstärkt.