Äußerst dürftige Berichterstattung der Senioren-DM beim DLV

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(Baunatal/Krefeld, 12. September 2021; 10 Uhr) Nach mehr als elendig langen zwei Monaten Sendepause erschien am 09.September (davor 02.Juli) wieder ein Beitrag in der grundsätzlich miserabel gepflegten Senioren-Spielecke der Verbandsnetzseite des DLV. Da wäre es ausgesprochen naheliegend gewesen, eine Vorschau auf die im Vorfeld skandalträchtigen Deutschen Senioren-Meisterschaften vom 10. bis 12.September 2021 im hessischen Baunatal zu veröffentlichen. Wäre, Konjunktiv eben a la Hätte, hätte, Fahrradkette" nach dem vergeblichen Kanzlertür-Rüttler Peer(lusconi) Steinbrück. Stattdessen erschien in einem riesigen Aufguss mit dem Eigeninteresse eines deutschen Teilnehmers ein Bericht von der bereits einige Tage zurückliegenden exotischen Berglauf-Masters-WM im Stubaital in Österreich. Da wird das Weihrauchfass über alles geschwenkt, dass es nur so qualmt.

Fehlinterpretation der angeblich schwachen Beteiligung

Heute wird der bass erstaunte Besucher, so er dieses Fenster, wo es meist nix zu fensterln gibt, überhaupt noch aufsucht, mit einem seichten Beitrag vom Auftakt der 2,5-tägigen Titelkämpfe überrascht. Da durfte die offiziell durch die Auflösung des Bundesausschuss‘ Senioren abgeschaffte ehemalige Öffentlichkeitsarbeiterin und Wurf-Allrounderin Bettina Schardt von der MTG Mannheim wieder ans Werk. Klarer Fall: Der Ärmsten sind mit imaginären Fesseln die Hände gebunden: Natürlich darf sie das Nest dieser - Achtung: Satire - blitzsauberen Dachorganisation nicht beschmutzen, musste die heile Leichtathletik-Welt abbilden, die es im Zusammenhang mit dieser Ü35-DM garantiert nicht gibt (wir berichteten rauf und runter in alle Facetten).
Dabei heraus kam die klassische 1:0-Berichterstattung mit einem Abklatsch der Aneinanderreihung von Ergebnissen in Textform, garniert mit ein paar weichgespülten Anmerkungen. Definitiv falsch liegt Frau Schardt mit ihrer Einschätzung, einer schwach besuchten Meisterschaft mit teilweise dünn besetzten Feldern. Die hat es immer schon gegeben. Und wir bleiben unumstößlich und beharrlich bei unserer Feststellung, dass eingedenk der Kappung etlicher Disziplinen (darunter Diskuswurf, wovon auch B.S. aus M. betroffen ist) und der Einschränkung von Mehrfachstarts 1.033 Gemeldete eine fürwahr ansehnliche Zahl sind. In der Relation betrachtet absolut vergleichbar mit jenen 1.283 Startwilligen bei der letzten Freiluft-DM vor Corona 2019 in Leinefelde-Worbis (Thüringen).

Corona und Zahn der Zeit hinterlassen tiefgreifende Spuren

Richtig ist, dass diese neue Geißel der Menschheit auch sportlich tiefgreifende Spuren hinterlassen hat. Erschwerend kommt hinzu, dass selbst bei Athleten mit besonders langem Haltbarkeitsdatum irgendwann der Zahn der Zeit nagt. Nicht mehr kontinuierlich, sondern mitunter erdrutschartig. Aufgemacht am Beispiel von Stabhochsprung-Überflieger Wolfgang Ritte (im Bild) vom SC Bayer 05 Uerdingen. Sein Weltrekord in der M65 wird mit 4,05m notiert. Obwohl der 68-jährige bei seinem Klub Sommer wie Winter formidable Trainingsbedingungen vorfindet und als ungekrönter Großmeister der punktgenauen Vorbereitung gilt, gerne auch mal ein Show-Einlage zelebriert, musste er sich Freitag bei seinem immer noch sehr komfortabel ausfallenden Titelgewinn mit 3,50m (JBL 3,71m) bescheiden.

Wolfgang Knabe hat sich vermutlich beim Weitsprung verletzt

Kaprizieren wir uns auf ein weiteres Trumpf-Ass in unserer Vorschau, das DLV-Topmodel Wolfang Knabe (*1959) vom OSC Damme. Der amtierende vierfache Dreisprung-Weltrekordhalter trat gestern zu seiner Paradedisziplin und dem gemeldeten 100-m-Sprint nicht mehr an. Ohne es genau zu wissen, darf gemutmaßt werden, dass sich der 60-jährige Niedersachse bei seinem unerwartet hauchdünnen Weitsprung-Erfolg von 5,10 zu 5,06m (JBL 5,64m) verletzt hat. Nach drei ungültigen Versuchen sprang er im vierten Durchgang jene 5,10m. Obschon kein sanftes Ruhekissen, verzichtete er aller Wahrscheinlichkeit nach nicht freiwillig auf die Fortsetzung des Wettbewerbs.

„Highländer“ Andreas Deuschle tauschte die Rollen

„Highlander“ Andreas Deuschle (*1968) vom LAC Essingen tauschte mit Erfolg die Rollen und den Verein. Der urige Württemberger, für die CDU dem Stadtrat seiner Heimatgemeinde Nürtingen angehörend, gewann gestern überlegen mit 15,34m und einem satten Vorsprung von 1,43m auf den Zweitplatzierten das Kugelstoßen der M50. Das war freilich ein veritabler Ausreißer nach oben, wobei allerdings noch sein stark unterbelichtetes nächstbestes Resultat von 14,20m (JBL 15,46m) zum Titel gereicht hätte. – Alles Weitere überantworten wir der bisherigen Ergebnisübersicht.

Olympia-Dritte Kirsten Münchow für Hammerwurf der W40 gemeldet

Tragen wir noch nach, dass wir bei unseren beiden jüngsten Aufmachern zur DM 2021 ein höchst prominente Gemeldete bei dem Wust an Altersklassen und Disziplinen regelrecht übersehen haben. Was speziell bei ihr auch leicht passieren kann. Denn sie betreibt bei ihrem Nachnamen ein munteres Wechselspiel. Die (vorerst) vollständige Kollektion der „Hammerfrau“: Münchow – Klose – Münchow – Hilbig – Münchow (siehe Link). Der dazu gehörige Vorname: Kirsten, ihres Zeichens Olympia-Dritte 2000 in Sydney (Australien) bei der Premiere des olympischen Hammerwurfs der Frauen mit damaligem deutschen Rekord von 69,28m. Nunmehr ist die inzwischen 44-Jährige für die Konkurrenz der W40 gemeldet, die um 10.20 Uhr zusammen mit der M40 ausgetragen wird.