Gebührenordnung des DLV grenzt an modernes Raubrittertum

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Darmstadt/Krefeld, 1
8. Februar 2022) Andere Länder, andere Sitten und Gebräuche. Das gilt für viele Bereiche des täglichen Lebens und des Unterhalts dafür. Es pflegt in der Natur der Sache zu liegen, dass sich bei unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Infrastruktur und des Bruttosozialproduktes nicht alles über einen Kamm scheren und beliebig 1:1 vergleichen lässt. Aber es müssen deshalb nicht alle 27 Staaten der Europäischen Union auf den Prüfstand gestellt und zu Rate gezogen werden, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) bei seinen mannigfaltigen Gebühren eine Art modernes Raubrittertum betreibt. Besonders augenfällig ist das an den Meldegebühren für die Offenen Polnischen Masters-Meisterschaften in Torun geworden (wir berichteten). Da wurde für ein sehr übersichtliches Entre pro Disziplin nicht nur eine perfekte Organisation mit viel Liebe zum Detail auf erstklassigen Anlagen geboten, sondern auch einige kleine Antrittsgeschenke für die rund 500 Teilnehmer/innen. Vermutlich von akquirierten Sponsoren. Was für deren gewecktes Interesse an diesem Personenkreis durch die rührigen Veranstalter spricht. Anschauungsunterreicht en masse  

Realitätsfremde, exorbitante Steigerungsraten 

Aber nun Fleisch an die Knochen, was hierzulande die Vereine, die Senioren*innen oftmals selber, bei nationalen Meisterschaften nach der Gebührenordnung (GBO) des DLV berappen müssen: Einzelstart pro Disziplin 25 Euro, Staffel 32 Euro, Fünfkampf oder Wurf-Fünfkampf 54 Euro. In der Halle sind es jeweils noch mal 2 Euro mehr. Für die Team-DM Senioren, bekannter unter DAMM, werden pro Mannschaft 200 Euro  (2019 noch 115€) verlangt. Das ist der Stand der GBO vom 20.März 2021. Bei der von der Europäischen Zentralbank (EZB) für 2022 vorausgesagten Inflationsrate von 3,2 Prozent, hat die Dachorganisation kein Problem damit, die Startgebühren im Handstreich mal wieder um 30 Prozent oder mehr zu erhöhen.

Beim "Leuchtturm"-Verband strahlen nicht die hellsten Birnen

Die fadenscheinige Begründung: „Diese auf der Grundlage einer Gremienentscheidung beschlossene Anpassung der Höchstsätze in der Gebührenordnung wurde als bundeseinheitlicher Rahmen beschrieben, damit diese Höchstsätze aktualisiert werden. In diesem Prozess erfolgte die Berücksichtigung von Preisentwicklungen, da sich für alle Veranstalter die Kosten in den letzten Jahren wesentlich erhöht haben;  zum Beispiel durch höhere Anforderungen an Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen der Kommunen, steigende Mietkosten für die Sportanlagen oder für das technische Equipment. So kann  jeder Veranstalter mit dem gegebenen Spielraum flexibel auf die jeweilig vorhandene finanzielle Situation vor Ort reagieren.“
Fakt ist jedoch, dass die Gebühren vollkommen relationsfremd innerhalb von zwei Jahren exorbitant um bis zu 73 Prozent erhöht worden sind, derweil Löhne, Gehälter, Pensionen, Renten und Lebenshaltungskosten im kleinen einstelligen Bereich gestiegen sind.
Dies alles in Rechnung gestellt, sind beim latent klammen Deutschen „Leuchtturm“-Verband“ mit selbst ernannter weltweiter Strahlkraft allem Anschein nach nicht die hellsten Birnen am Werk. Die Letzten beißen die Hunde. Und das sind als monetäre Melkkühe der Leichtathletik-Nation die schwächsten Glieder in der Kette mit den Vereinen und deren Mitglieder. Das hat was von Totengräber-Mentalität.