Senioren-EM nach dem Motto: Jedem Dierche sing Pläsierche

  • Drucken

(Braga/Krefeld, 22. Februar 2022) Gilt nicht nur für den Karneval, der Corona zum Trotz Donnerstag mit Altweiber fröhliche Urständ feiert: Jedem Dierche sing Pläsierche, pflegt der Kölner, und davon gibt es in der größten Stadt am Vater Rhein über eine Million, in Mundart zu sagen. Gender-frei übersetzt: Jedem wie es ihm beliebt. Dieser Wahlspruch ist selbstverständlich auch den nominell 1.865 Gemeldeten ohne die Anhängsel Cross und Straßengehen in je 18 Disziplinen und je zwölf Altersklassen von M/W35 bis 90 bei den Hallen-Europameisterschaften mit Winterwurf im portugiesischen Braga zuzugestehen. Allerdings liegt es schon rein rechnerisch auf der Hand, dass heruntergebrochen auf den einzelnen Wettbewerb nicht mehr viel übrigbleibt – nicht zuletzt an Klasse in dem bisschen Masse. Deshalb werden wir uns fürderhin überwiegend in vornehmer Zurückhaltung üben, überlassen generös dem anwesenden „literarischen Quartett“ aus dem überfrachteten siebenköpfigen DLV-Begleittross in der Senioren-Spielecke auf der Verbandsnetzseite das Feld. Die sind nah dran, könn(t)en sich mit Hintergrundinformationen über die bloße 1:0-Berichterstattung der Aneinanderreihung von Titel, Medaillen, Zeiten, Höhen, Weiten hinaus nach Herzenslust austoben.

Für Glory, Glory, Halleluja auch aus deutscher Sicht kein Anlass

Nicht zu vergessen neben Kaffeetrinken im VIP-Raum ihrer Lieblingsbeschäftigung "Erbsenzählen" zu frönen und dem Götzen Medaillenspiegel huldigen. Denn ein bisschen was wird aus dem großen Schmelztiegel an Sporttouristen im Nationaltrikot aus 42 Herren Ländern schon noch abfallen. Wobei, um der Wahrheit die Ehre zu geben, sich in der normenfreien Komfortzone dieser EM unter den 188 germanischen Startwilligen (inklusive Anhängsel) auch nicht ausschließlich die deutsche Creme de la Creme ein Stelldichein geben wird. Vorausgeschickt, dass ich über ein gutes Namensgedächtnis verfüge, kamen  mir beim gestrigen mühseligen Durchstöbern der Meldelisten (nur nach Disziplinen in einem kunterbunten Altersklassen-Mix vorhanden) gemessen an Ergebnislisten von Deutschen Senioren-Meisterschaften gefühlt 60 Prozent unbekannt vor.
Was im Umkehrschluss freilich nicht heißt, dass die von ihrem Leistungsvermögen über jeden Zweifel erhabene Ü35-Generation besser zuhause geblieben wäre. Schon sind wir wieder beim Eingangssatz und dem beschriebenen Stellenwert in unserem Beitrag „Iberische Meisterschaften mit internationaler Beteiligung von 40 Ländern“. Für Glory, Glory, Halleluja besteht nun mal kein Anlass. Augenwischerei und Schönrednerei ist nicht mein Ding. Nicht nur, aber auch dafür wurden schließlich Verbände erfunden.  

Ein Spiegelbild: Magerkost auch bei Stoß und Wurf

Und damit ich mir die Mühe nicht nur finanziell umsonst gemacht habe
bei meiner freiberuflichen und freiwilligen Tätigkeit „für Gottes Lohn" als Betreiber von LAMPIS aus unserem originären Bereich die Meldestatistik nach Zahlen bei Kugelstoßen in der Halle und Diskus, Speer, Hammer, Gewichtwurf unter freiem Himmel bei angenehmen Außentemperaturen:Senioren: Kugel insgesamt 120, davon 15 Deutsche; Diskus: 107/11; Speer: 90/15; Hammer: 87/6; Gewichtwurf 92/8.
Seniorinnen: Kugel 97/12; Diskus: 64/13; Speer 47/11 (so ein Zufall, von wegen Kölnisch Wasser); Hammer 71/9; Gewichtwurf 61/8. 
  Summa summarum ein nahezu ausgeglichenes 55:53. Wohlgemerkt bei Mehrfachstarts nicht identisch mit Personen.

Trotz geringer Beteiligung ein riesiges Leistungsgefälle

Nach dem Vorgeplänkel Crosslauf am Eröffnungstag stand gestern unter anderem der Hammerwurf der Senioren auf dem Programm. Bei durchgängig geringer Beteiligung ergab sich gleichwohl vom Erst- bis zum Letztplatzierten eine Leistungsgefälle bis zu 28 Metern. Noch irgendwelche Fragen zum von uns beschriebenen „Stellenwert“?
Ein deutsches Quintett von ursprünglich sechs Gemeldeten trat an. Rüdiger Möhring (50,45m) und Franz Pauly (44,06m) landeten einen edelmetallenen Doppelerfolg. Unser Österreich-Repräsentant Gottfried Gassenbauer dürfte als ungekrönter Meister der zielgenauen Vorbereitung nach zuletzt 58,68m in Austin/Texas trotz seines ungefährdeten Sieges in der M60 mit seinen dargebotenen 54,14m vermutlich nicht zufrieden gewesen sein. Wo es bei dem 63-jährigen Wiener „Gaudibursch“ ein wenig im Getriebe mit vier Drehungen knirschte, lässt sich aus der Ferne zwangsläufig nicht beurteilen. Alles Weitere überantworten wir der verlinkten Ergebnisliste.
Fortan werden wir in unserem Fenster Ergebnisse über aus unserer Sicht Erwähnenswertem von dieser EM berichten. Also vorsorglich immer wieder mal dort reinschauen.