Auch beim Verbandsmonopoly stinkt der Fisch zuerst vom Kopf

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Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 03. Januar 2016)
Neues Jahr, neues Glück!? Beschränken wir uns auf das rein Sportliche. Was kann oder sollte in 2016 alles besser werden? Klarer Fall: immer wieder gern die eigene Leistung. Da sorgt der Ehrgeiz schon für, dass die Skala nach oben hin offen bleibt. Wenn da nicht die Schwierigkeit wäre, Wunsch und Wirklichkeit in Einklang zu bringen. Das ist jedoch sehr individuell und speziell, schwerlich allgemein vermittelbar, zudem nicht die eigentliche Baustelle dieses Beitrages.

Normenerhöhung das falsche Signal

Besser werden muss es zum Wohle der Protagonisten, den aktiven Leichtathleten, insbesondere bei den Dachorganisationen. Angefangen beim Weltverband IAAF. Auch beim Verbandsmonopoly stinkt der Fisch bekanntlich zuerst vom Kopf. Und da geht es bei den hohen Herrn um euer Lordschaft Sir Sebastian Coe (Großbritannien) längst nicht mit soviel Noblesse zu, wie der feudale Sitz in Monte Carlo im Fürstentum Monaco vermuten ließe. Dieser „Saustall” mit seinem Korruptions- und Dopingsumpf gehört ordentlich ausgemistet, um die einstige olympische Kernsportart wieder hoffähig zu machen. Fraglos leichter gesagt, als getan. Aber die Normen für die Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) in neun Frauen-Disziplinen (von 21) und acht Männer-Wettbewerben (von 22) zu erhöhen (wir berichteten), war garantiert das falsche Signal für eine reinigende Wirkung hin zu einem etwas saubereren Sport. Die dopingfreie Zone im Profisport, nicht nur in der Leichtathletik. wird eh Illusion bleiben. Wo es um Ruhm, Ehre und nicht zuletzt um Geld, sehr viel Geld, geht, werden Betrüger nicht auszurotten sein.
Fernab von all dem müssten die Senioren/innen ja auf einer Insel der Glückseligen leben. Denkste! Ohne sie wichtiger zu nehmen als sie sind, ringen sie ihrer großen Zahl nach (stärkste Fraktion im DLV) immer noch nach einer entsprechenden Wertschätzung, sehen sich obendrein einer Kommunikationswüste bei ihrem Dachverband ausgesetzt. Das Wort Informationspflicht drückt es bereits aus, dass es sich um eine Bringschuld handelt. Doch die tritt der aufgeblähte, schwerfällige hauptamtliche Verwaltungsapparat in Darmstadt mit seinen über 40 Beschäftigten immer wieder mit Füßen. Dazu kommen noch einmal in diversen Ausschüssen jede Menge Ehrenämtler. Eine Plattitüde mit Wahrheitsgehalt, dass viele Köche den Brei verderben. Etliche, sicherlich längst nicht alle Ungereimtheiten und Unzulänglichkeiten waren unterjährig in 2015 bei uns nachzulesen. Die wollen wir jedoch nicht alle wieder aufwärmen. Was zudem diesen Rahmen bei Weitem sprengen würde.

An der Basis wird häufig gute Arbeit geleistet

Es gehörte so einiges auf den Prüfstand. Aber wo sind die Personen und vor allem die Persönlichkeiten, die es anpacken? Es steht leider zu befürchten, dass im bisherigen höchst unvollkommenen Stile weiter gewurstelt wird. Gleichwohl wollen wir nicht alles in Bausch und Bogen verdammen. Es gibt in Ebenen unterhalb des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) fraglos viele rührige berufsmäßige und ehrenamtliche Mitarbeiter, die im Interesse der gemeinsamen Sache großen Einsatz zeigen. Die gilt es in Ehren zu halten, denen gebührt Lob und Anerkennung. Mögen sie nicht die Geduld verlieren, dass oben oft tollpatschig mit dem Allerwertesten wieder umgestoßen wird, was sie weiter unten in mühseliger Kleinarbeit aufgebaut haben.
In diesem Sinne einen schönen Sonntag und eine schaffensreiche erste vollständige Kalenderwoche im neuen Jahr!

Hinweis der Redaktion: Ein weiterer aktueller Beitrag befindet sich im Fenster „Bei anderen gesehen”.