Hallen-EM 2016: Ein Video als höchst fragwürdige Werbebotschaft

Kolumne

Moment mal

(Ancona/Krefeld, 25. Januar 2016
) Ordentlich ins Zeug legen sich die örtlichen Veranstalter der 11.Hallen-Europameisterschaftren mit Winterwurf vom 29. März bis 03. April 2016 in Ancona (Italien), scheuen weder Kosten noch Mühen. Es sind noch drei Wochen bis zum Meldeschluss. Und das Lokale Organisationskomitee (LOC) rührt per Internet und via facebook für diesen ersten sportlichen internationalen Jahreshöhepunkt der Senioren/innen ab M/W35 auf dem alten Kontinent kräftig die Reklametrommel.
Diese Werbekampagnen der Italiener stehen im krassen Gegensatz zum Gebaren des Schirmherrn und federführenden Veranstalters, dem europäischen Dachverband European Masters Athletics (EMA). Der hat es sage und schreibe bislang auf eine (!) karge Ankündigung dieser EM gebracht. Gerade so, als ob ihn diese Titelkämpfe nicht interessieren würden und er nur eine Geldquelle darin für die Dienstreisen seines Präsidiums sieht.
Unterdessen haben sich die Macher in „Bella Italia“ ein leuchtendes Beispiel an der vorjährigen Hallen-EM im polnischen Torun genommen. Sie wollen mit einem Live-Ticker und womöglich mit bewegten Live-Bildern im Internet-TV aus dem früheren „Palaindoor" berichten. So sind  zumindest die Direktübertragungen jüngst aus der Halle von den Italienischen Meisterschaften der Männer/Frauen zu deuten. Dass darüber hinaus auch Videos von der kommenden EM erstellt werden, ist mittlerweile Standard bei den Senioren.
Ob dabei das kürzlich veröffentlichte Video vom Hindernislauf der Senioren eine Werbung darstellt, ist Geschmacksache, eher fragwürdig bis abschreckend. Einmal gibt es diesen Wettbewerb unter dem Hallendach nicht, zum anderen zeigt der Lauf, und vor allem der Schlussläufer, dass der Seniorensport sich zwar das „niemals aufgeben" (Never Give Up) auf die Fahne geschrieben hat, nicht aber in dieser Form und dieser zur Schau gestellten „Qualität". Da wäre besser mancher vor sich selber geschützt, vor dem Hindernis am Wassergraben ein Leiterchen hingestellt und ihm vorsorglich Schwimmärmel angelegt worden. Sicherheitshalber standen zwei 
Seenotretter" gleich neben dran. Unter dem Strich abenteuerliche Szenen, einem sportlichen Offenbarungseid gleichkommend. Und das ist noch verdammt nett formuliert.
Ein Schmankerl am Rande: der Schlussläufer stammt übrigens aus Deutschland. Am (Uralt-)Trikot ist er nicht zu erkennen. Insider aber werden wissen, um wen es sich in diesem Inkognito-Leibchen handelt. Zum Glück (?) wird dieses Trikot im Sonderposten-Handel des DLV in Darmstadt nicht mehr angeboten.