Senioren-Leichtathletik: Lieblos platzierte Stellenausschreibung des DLV

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Krefeld, 29. Januar, 2016) Selbsterkenntnis ist bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Manchmal, leider nicht immer. Dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) scheint indes zumindest endlich ein Lichtlein aufgegangen zu sein, dass seine Berichterstattung in der Senioren-Spielecke auf der Verbandsnetzseite in restlos allen Belangen stark unterrepräsentiert und unterbelichtet ist. Einmal abgesehen von den Fotos, die freilich mehr der Selbstbeweihräucherung und Geschäftsankurbelung für den mit Ehrenamt versehenen Urheber dienen. Kurzum: der DLV will die – bislang dröge, antiseptische, kritikfreie und spartanische – Öffentlichkeitsarbeit nicht mehr den Hobbyisten vom Bundesausschuss Senioren überlassen, sondern in professionelle(re) Hände legen. Lobenswert! Grundsätzlich.
Allerdings mutet die Lieblosigkeit der Platzierung der Stellenausschreibung sehr halbherzig an: Sie wurde unter der Denglish-Rubrik 
Flash-News des Tages" vom 26. Januar 2016 als chronologisch letzte Meldung mit der Überschrift „leichtathletik.de sucht Verstärkung“ versteckt. Da muss ein Mensch erst einmal drauf kommen, der sich für diese Aufgabe interessieren sollte. Indirekt drückt es die ganze Missachtung für dieses lästige Anhängsel von über 400.000 Senioren-Leichtathleten aus. Daran ändert auch das mit wohlfeilen Worten formulierte und – für spätere Leser (?) – verheißungsvoll klingende Anforderungsprofil nichts. Zitat: „Zudem suchen wir Autoren für Berichte, Porträts und Interviews rund um die Senioren-Leichtathletik. Wer einen guten Schreibstil nachweisen kann, sich in der Welt der Leichtathletik auskennt, eine Portion Leidenschaft für die Sportart mitbringt und Lust hat, das redaktionelle Angebot von leichtathletik.de mitzugestalten, der meldet sich per E-Mail bei...“ Zugegeben, dass ich das Versteck nicht selber entdeckt habe. Vielmehr bekam ich etliche (scherzhaft gemeinte) Mails von Sportfreunden und Lampis-Stammbesuchern, mich darauf zu bewerben.

Aber es gibt noch eine größere Baustelle, die auch entsprechend im Fenster „Verband“ unter Stellenangebote platziert wurde. Der DLV sucht zum 01. Januar 2017 für seine gefühlt 20 hauptamtlichen Direktoren und noch mal so vielen Stellvertreter der Geschäftsstelle in Darmstadt eine/n Generaldirektor/in. Eine Art Großer Manitou für 20 Häuptlinge. Hoffentlich nicht noch ein weiterer Grüßaugust und Frühstücksdirektor, der den Gemischtwarenladen mal so richtig ausmistet und vom Behördenmief befreit. Das wird sich auch Diskuswurf-Allesgewinner Robert Harting aus Berlin wünschen, der jüngst in der „Bild am Sonntag“ wieder einmal Klartext redete: „Leute wie Präsident Clemens Prokop und Generalsekretär Frank Hensel brauchste eigentlich nicht.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer, dass es sich mit diesen beiden Namen bei Weitem nicht erschöpft.