"Alea iacta est" - die Würfel sind gefallen: eine Wahl als Glücksspiel

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Darmstadt/Krefeld, 31. Januar 2016) Wie wahr, wie wahr. „Alea iacta est" – die Würfel sind gefallen. So heißt es gestern in der Senioren-Spielecke auf der Netzseite des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zu den Ergebnissen zur vermeintlichen Wahl zu den Senioren-Leichtathleten des Jahres 2015. Und in der Tat hat es etwas von einem Glücksspiel, einer Lotterie, was da eine angebliche Expertengruppe ausbaldowert hat. Zumindest bei den Seniorinnen. Ohne dem ernannten Terzett auf den „Medaillenrängen“ zu nahe treten zu wollen und etwas nicht zu gönnen oder gar zu missgönnen (warum sollte ich auch, Ingrid Meier habe ich selber neben Schmidt in meiner Vorschlagsmail genannt), ist diese Ernennung, mit Verlaub, eine Farce. Die alles überragende Mittel- und Langstrecklerin Silke Schmidt (W55) von Mettmann Sport, die 2015 alles gewann, was es für sie zu gewinnen gab, die sieben Weltrekorde verbesserte, die Welt-Senioren-Leichtathletin und von Europa dazu wurde, kommt in ihrem Heimatland überhaupt nicht vor. Wenn das nicht schizophren ist, was dann?
Statt die beste Lösung zu „wählen“, wird die zweitbeste genommen. Das verstehe, wer will. Und nun möge sich keiner von dieser Findingskommission damit herausreden, dass es eine interne Vereinbarung gegeben habe, dass der/die Vorjahressiegerin (Wolfgang Ritte und eben Schmidt) nicht erneut gekürt werden können. Eine solche Abmachung gibt es nicht, entspringt einer von Jörg Erdmann von der DLV-Geschäftsstelle durch Veröffentlichung transportierten Schnapsidee. Dies wurde auf ausdrückliche Nachfrage des Verfassers auf der LVN-Seniorentagung am 18. November 2015 in Duisburg von den Bundesausschuss-Mitgliedern Gisela Stecher (Grevenbroich) und Alfred Hermes (Jülich) unter rund 20 Zeugen bestätigt. Aber die „Expertengruppe“ hielt sich an eine Vorgabe, die überhaupt nicht existiert. Denn dass sie die Laufikone rein irrtümlich übersehen haben sollen, ist nicht vorstellbar.

Alles in allem ein stümperhaftes Vorgehen

Abgesehen von all dem: was soll die Bekanntgabe zum jetzigen Zeitpunkt? Weshalb wurde der Spannungsbogen nicht bis zur Verleihung am 13. Februar 2016 anlässlich der Senioren-DM in Erfurt hoch gehalten? Das wäre gerade so, als würde 14 Tage vor der Proklamation zu Deutschlands Sportler/in und Mannschaft des Jahres das wahrhaftige Wahlergebnis von rund 1.500 Sportjournalisten über eine Agenturmeldung herausposaunt. Undenkbar! Ein derartiger Verräter wäre ein für allemal in der Szene durch. Und noch eins: warum wird eine solche ideelle Auszeichnung nicht per Online-Abstimmung einem mehrheitsfähigen Votum interessierter Leichtathleten/innen überlassen, wie es im Übrigen bei den Männern und Frauen ja geschieht. Weshalb bei den Senioren wieder eine Extranummer, die zum wiederholten Mal zu solch einem absurden Ausgang führt?
Alles in allem elendig stümperhaft, dass es einen graust. Entweder man macht etwas richtig oder lässt es besser bleiben. Wiewohl die viel höher ausgezeichnete Silke Schmidt das vermutlich mit einem milden Lächeln quittiert. Dennoch: sicherlich nicht nur für uns ist sie die deutschen Senioren-Leichtathletin 2015 des Herzens und die wahrhaftige Nr.1! Ganz nebenbei bemerkt wurde der Auserkorenen bei all ihrer Klasse ein höchst zweifelhaftes Vergnügen zuteil. Denn sie wird bei den Gremien des globalen und europäischen Senioren-Verbandes nicht Betriebsblindheit unterstellen. Zumal der DLV Silke Schmidt und nicht sie vorgeschlagen hat.
In diesem Sinne einen schönen Sonntag und eine ersprießliche erste Februar-Woche mit dem Höhepunkt „Altweiber“ am kommenden Donnerstag! Vorab schon mal Alaaf und Helau oder was es sonst noch alles in diesem Zusammenhang gibt.