Hallen-EM: K für Kugelstoßen könnte auch für Katastrophe stehen

(Ancona/Krefeld, 29. März 2016) „Ancona is ready to go“ wurde bereits am 20. März 2016 schlankweg auf der Netzseite des Schirmherrn European Masters Athletics (EMA) verkündet. Eine fromme Lüge! Die Realität bezogen auf die Kugelstoß-Wettbewerbe bei den heute beginnenden 11.Hallen-Europameisterschaften mit Winterwurf in der Stadt an der italienischen Adriaküste sieht indes völlig anders aus. Bereits mehrfach hatten wir im Vorfeld dieser Titelkämpfe thematisiert, dass es gegen alle Gepflogenheiten und einer EM unwürdig ist, das Kugelstoßen als klassischen Wettbewerb bei Meisterschaften unter dem Hallendach in ein „Bierzelt“ auszulagern. Das, was sich jedoch vor Ort darstellt und von Diskuswerfer Christian Welke aus Forchheim gestern in Bild wie Schrift eingefangen wurde, spottet jeder Beschreibung, ist schlechterdings eine Farce. Er meint salopp, aber höchst zutreffend: „Das K für Kugelstoßen könnte auch für Katastrophe stehen.“ Die Fakten: Länge der drei Zelte jeweils 25 m, Breite 10 m, Außenhöhe 3,80 m, Innenhöhe – nach Abzug der Trägerkonstruktion von 35 cm – 3,45m. Anschaulich ins Bild gesetzt, das Christian mit nach hoben ausgestrecktem Arm (Fingerspitze bei 2,35m) in der Zeltmitte zeigt.

Dittmar benötigt 8 Meter Höhe

Wie, in Gottes- und Teufelsnamen, soll hier bei einer Abstoßhöhe von, je nach Körpergröße, 2,20 bis 2,50m ein ordnungsgemäßer Wettkampf stattfinden? Selbst ab Weiten von etwa zehn Meter ist die Parabel höher als jene zur Verfügung stehenden 3,45m. Da müssen wir erst gar nicht den gemeldeten und startenden Andy Dittmar (*1974) aus Gotha ins Spiel bringen, dessen Kugel nach seiner eigenen Aussage bei Weiten jenseits von 18 Meter in der Spitze eine Flughöhe um die acht (!) Meter erreicht. Bei dem 41-jährigen deutschen M-40-Rekordhalter (18,45m) würde das 7,26 Kilogramm schwere Gerät schon kurz nach dem Abstoß mit Tempo von cirka 90 km/h krachend und funkensprühend in der Metallkonstruktion einschlagen und zum jähen Absturz gebracht.

Alles in allem eine miese Karikatur

Nicht nur für ihn sollten sich die Organisatoren schleunigst in München ein Wiesn-Zelt entsprechender Größenordnung beschaffen, in dem beim Oktoberfest zigtausend Menschen feucht-fröhlich feiern. Für die heutigen Mehrkämpfe mit Kugel käme diese Maßnahme freilich schon zu spät. Alternativ könnte  das Kugelstoßen wie die tatsächlichen Winterwurf-Wettbewerbe bei derzeit 20 Grad auch richtig draußen stattfinden, würde jedoch den ursprünglichen Sinn und Zweck konterkarieren. Der ist in einem „Bierzelt“ jedoch eh schon nicht mehr gegeben. Aber das hatten wir schon zur Genüge. Nur Hallen-Europameister könnten sich die Sieger/innen dann nicht mehr nennen.
Alles in allem gesehen eine Karikatur. Eine ganz miese dazu.