Kugelstoß-Zelt bei Hallen-EM: Dilettantismus in höchster Vollendung

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(Ancona/Krefeld, 30. März 2016, 19 Uhr) Es kam, wie es kommen musste. Spätestens wenn Kugelstoßer mit halbwegs passablen Weiten in den Ring des „Bierzeltes“ (lichte Höhe 3,45m) bei den Hallen-Europameisterschaften in Ancona gingen, um mal ein Stößchen zu Trainingszwecken zu wagen, wurde die verfahrene Chose offenkundig. Die 5-Kilo-Kugel von Frans de Laat (M65) aus den Niederlanden, fast zwei Meter groß, Abstoßhöhe etwa 2,50m, landete bereits kurz nach dem Ausstoß mit gewaltigem Getöse in der Metallkonstruktion (siehe Abbildung  im Beitrag vom 29. März). Darauf hat der 69-jährige Psyscho-Therapeut bereits am Montag eine offizielle Beschwerde beim Lokalen Organisationskomitee (LOC) eingelegt. Die Reaktion kam stark zeitverzögert. Für den heutigen Wettbewerb der M65 wurde eines der drei Zelte, wie auch immer, umgebaut. Vielleicht hochkant gestellt. Die Folge davon ist eine voraussichtliche (!) vierstündige Verspätung und die Konsequenz, dass er (andere womöglich auch) nach 22 Uhr mit seinem Wohnmobil (Niederländer eben, die ihr Hotel häufig dabei haben) nicht mehr auf den bereits geschlossenen Campingplatz kommt und irgendwo wild unbeaufsichtigt ohne Strom nächtigen muss.
Vorhin erreichte uns zum selben Thema eine E-Mail von Kugelstoß-Spezialist Roland Wattenbach (im Bild) vom TV Eiche Bad Honnef mit folgendem Wortlaut: „Soeben bin ich in Ancona angekommen. Kugelstoßen ist eine Katastrophe. Das Zelt ist zu niedrig! Man versucht es anzuheben. Dadurch verschieben sich alle Wettkämpfe. Meiner in der M60 ist am 1.April von  9:30 auf 17:00 Uhr verlegt worden und soll dann in der großen Halle stattfinden. Mal sehen, wie das hier weitergeht....“

Warnungen in den Adriawind geschlagen!

Das alles ist Dilettantismus in höchster Vollendung. Unverständlich bleibt auch dies: Obwohl LAMPIS nachweislich bis in Verbandskreise hinein gelesen wird, sind all unsere rechtzeitigen, durch physikalische Berechnungen erhärteten Warnungen nonchalant in den Adriawind geschlagen worden. Das Kind muss offenbar immer erst in den Brunnen fallen, ehe geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Dazu muss sich der letztlich verantwortliche EMA-Präsident Kurt Kaschke aus Freudenstadt im Schwarzwald die Frage gefallen lassen, wo er denn bei seinen vielen teuren Dienstreisen an die Adria und vor allem bei der Technischen Abnahme der gesamten Anlagen hingeschaut hat? Vermutlich in den Prosecco oder Espresso. Dass „Kuddel“ keinen blassen Schimmer vom Kugelstoßen hat und haben muss, ist ihm nicht zum Vorwurf zu machen. Aber der Mann ist studierter und praktizierender Lehrer (Ketzer – diesmal nicht ich – mutmaßen an der Baumschule), sollte daher über Grundkenntnisse in Physik verfügen. Sein inzwischen pensionierter ehemaliger Berufskollege Albert Fichtner, Studiendirektor i.R. aus München, hat an unbestechlichen Formeln nachgewiesen und bei uns nachzulesen, dass bereits ein nicht sonderlich imposanter Kugelstoß von zehn Metern in der Parabelspitze eine Höhe von 3,90 Meter erreicht. Doch nur 3,45m sind (waren) es.
Noch Fragen? Schon noch an den gewählten DLV-Senioren(ver)sprecher Alfred Hermes aus Jülich, der sich bei dieser leidigen Angelegenheit wieder einmal elegant abgeduckt hat.