Kristin Pudenz gewann überraschend Silber im Diskuswurf

(Tokio/Krefeld, 02. August 2021; 16:20 Uhr) Dereinst sang Dalida „Am Tag als der Regen kam“. Lang ersehnt, heißt erfleht wie die weiteren Textzeilen besagen war er allerdings heute Abend gegen etwa 20:30 Uhr Ortszeit in Tokio nicht. Denn der sintflutartige Wolkenguss setzte während des zweiten Durchganges im Diskuswurf-Finale und der Triplefinals über 400 m Hürden der Frauen ein. Die Langhürdlerinnen wurden dadurch gejagt. Wenngleich nicht sehr spaßig, vermittelten zumindest die Spikes unter den Schuhsohlen ein wenig Bodenhaftung. Aber nicht den Hauch einer Chance hatten die kreiselnden Mädels in dem schon im trockenen Zustand als sehr glatt, indes noch einigermaßen beherrschbar bezeichneten Betonuntergrund. Erst viel zu spät nach bereits vier Stürzen gleich nach dem Eindrehen des Fußes wurde der Wettbewerb unterbrochen und nach Abklingen der himmlischen Naturdusche fortgesetzt. Fairerweise durften die vier Zwangsverunglückten ihren Versuch wiederholen. Darunter Marike Steinacker, die sich mit 62,02m einen Platz im Finale der besten Acht sicherte, woran Claudine Vita als Neunte mit 61,80m knapp scheiterte.

Persönliche Bestweite im Stadion zum saisonalen Höhepunkt

Unbehelligt davon blieb Kristin Pudenz. Die Potsdamerin schuf sich bereits zum Auftakt mit 63,07m eine glänzende Ausgangsposition, die sie im zweiten Versuch mit 65,34m und einem zwischenzeitlichen dritten Platz ausbaute. Auch die Zwangspause vermochte der im westfälischen Herford geborenen 28-Jährigen nichts anzuhaben. Ganz im Gegenteil: Im fünften Durchgang holte sie mit der persönlichen Bestleistung von 66,86m (bisher 66,31m) zu ihrem großen Schlag aus und verbesserte sich hinter der führenden, schlanken und ranken, wie eine Hochspringerin anmutenden US-Amerikanerin Vallerie Allmann (68,98m) auf den zweiten Platz. Das versetzte sie zudem in die komfortable Lage, dass sie ihn Umkehr der Reihenfolge den finalen sechsten Versuch als vorletzte Werferin bestreiten durfte.

Kollektiver Jubel auf der Trainer-/Teilnehmertribüne

So konnte die Deutsche Meisterin mit bangen Augen und sicherlich bibbernden Herzens mitansehen, wie sich die höher gehandelten Yaimé Perez (65,72m) aus Kuba und die große, unberechenbare, divenhafte Sandra Perkovic (65,01m) aus Kroatien, die oftmals auch auf der letzten Rille noch „zaubert“, vergeblich an ihrer vorgelegten Silberspur abarbeiteten. Danach fiel verständlicherweise die Spannung ab, zimmerte Pudenz die Scheibe im letzten Versuch rechts oben ins Netz. Nicht mal ein Schönheitsfehler, sondern lediglich für die Statistik. Natürlich kollektiver Jubel bei ihr und den paar Landsleuten auf der Trainer-/Teilnehmertribüne. Diese Medaille hat einen ganz besonderen Glanz, da sie so gut wie niemand auf der Rechnung gehabt haben dürfte. Und lassen wir es noch mal auf der Zunge zergehen: Den „Hausrekord“ warf sie zum wichtigsten Zeitpunkt der Saison in einem Stadion und auf keiner begünstigenden Segelwiese. Tusch, Applaus, Chapeau und sportliche Anerkennung eines ehedem kugelstoßenden Sportjournalisten !!! – Das Wettkampfprotokoll.

Carolina Krafzik blieb erneut unter 55 Sekunden

Tragen wir noch nach, dass Carolina Krafzik aus Sindelfingen in der Regenschlacht auf kletschnasser Bahn im ersten Triplefinale über 400 m Hürden eine prima Vorstellung bot. Als Vierte in 54,96 Sekunden blieb sie  in ihrer noch jungen Laufbahn auf dieser Distanz zum dritten Mal unter 55 Sekunden. Die bislang absolute Bestzeit lief sie an selber Stelle im Vorlauf (54,72) vor zwei Tagen. Das spricht auch für ihre Tempohärte und schnelle Regeneration.
Das hätte sicherlich auch Lisa Maria Kwayie gerne über sich sagen lassen. Daraus wurde allerdings der berühmte Satz mit x. Sie bildete in Summe nach den drei Triplefinals über 200m in 23,42 Sekunden das Schlusslicht, kam an ihre 23,14 aus dem Vorlauf von heute Morgen Ortszeit nicht heran. – Alle Ergebnisse des heutigen vierten Tages der Leichtathletik.

Bei der Übertragung der ARD gab’s ordenlich was auf die Ohren

Noch dies: Bei der Fernseh-Übertragung in der ARD, bei der wir Konsumenten ja angeblich in der ersten Reihe sitzen (sollten), gab’s ordentlich was auf die Ohren. Das mit den Schwadroneuren Ralf „Sortierer“ Scholt und Wilfried Hark ohnehin schon poetischste Reporter-Duo des Senders überbot sich gegenseitig in jargonhaften Formulierungen. Das sollte wohl sehr flott und jugendlich für die U20 rüberkommen. Es saßen jedoch noch ein paar ältere Semester an den Bildschirmen. „Kostproben“ erspare ich jetzt meiner geschätzten Leserschaft.