Preussen Leichtathleten im illustren Klub der 100-Jährigen

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(Krefeld, 20. Oktober 2019) „Viele rühmen sich als Sportstadt, nur wenige haben es wahrlich verdient“ titelten wir in unserer Kolumne „Das Wort am Sonntag“ vom 17.März dieses Jahres. Das soll jetzt kein zweiter Aufguss werden. Aber es gibt aktuell einen neuerlichen Beweis des schmückenden Beiwerks mit der herrlichsten Nebensache der Welt. Nach dem KTSV Preussen von 1855, dem Crefelder Hockey- und Tennis-Club von 1890, dem TV Krefeld-Oppum von 1894 und dem SC Bayer Uerdingen von 1905 ist Preussen Krefeld Leichtathletik von 1919 der fünfte bekannte, erfolgreiche Verein der einstigen Samt- und Seidenstadt am linken Niederrhein im erlauchten, illustren Klub der 100-Jährigen und älter.
Schon das allein ist in unserer schnelllebigen Zeit, in der stetig neue Fun-Sportarten wie Pilze aus dem Boden schießen und mitunter so rasch wieder verschwinden, wie sie entstanden sind, eine Leistung für sich. Zumal, wenn das Fundament lediglich auf einem Eckpfeiler steht. Denn die Preussen-Leichtathleten haben sich 2010 vom Gesamtgebilde Krefelder Turn- und Sport-Verein (KTSV) abgekoppelt und verselbständigt, bedienen also nur diese eine Sparte.

Vier Teilnehmer an fünf Olympischen Spielen schmücken die Vereinschronik

Nicht so einfach, das Pflänzchen mit nur rund 250 Mitgliedern sportlich, sondern auch finanziell am Leben zu erhalten. Das ist auch der Grund, weshalb dieses Jubiläum nicht mit Pomp, Prunk und Protz auf einer großen Gala gefeiert wird. Gesellschaftlich geschieht das im Rahmen der Vereinsfamilie mit einer Matinee sowie einer Nikolausfeier und sportlich mit dem Martins-Crosslauf am 10.November 2019 (11 bis 14 Uhr) auf der Hubert-Houben-Kampfbahn in der Nähe des Krefelder Stadtwaldes, konkret dem Appellweg.
Der Namensgeber der Sport- und Heimstätte der Rot-Weißen ist zugleich deren berühmtester Aktiver. Als einstiger Weltklasse-Sprinter (handgestoppte 10,3 Sekunden über 100 Meter auf Asche in selbst gebuddelten Startlöchern) war Hubert Houben 1928 der erste von insgesamt vier Olympia-Teilnehmern. Nach ihm noch Diskuswerferin Krimhild Limberg-Hausmann (1960 und ‘64), Marathonläufer Karl-Heinz „Kalle“ Sievers (1968) und Hochspringerin Brigitte Holzapfel (1976). Letztgenannte ist unter ihrem zweiten Ehenamen Kurschilgen Hochsprung-Bundestrainerin beim Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV).
Die Rheinische Post widmete vorgestern im Krefelder Lokalteil dem Jubilar als Seitenaufmacher eine große Geschichte mit fünf nostalgischen Fotos, die auch online zur Verfügung steht. Sei noch am Rande erwähnt, dass Preussen nach zuvor Fußball und Eishockey von 1966 bis 1968 mein erster Leichtathletik-Verein war, ich mit einer leibhaftigen Olympia-Vierten von 1960 zusammen trainieren durfte, und seit 2016 mit einer Rückkehr zu den Wurzeln wieder ist.