Pietätloses, geradezu makabres Bilddokument auf dem DLV-Portal

Kolumne

Moment mal

(Darmstadt/Krefeld, 02. März 2021)
Sie/Er ist und bleibt eine riesige Wundertüte: Die im Denglish-Misch-Masch sprachpanschende, im für sie ganz normalen Anglizismus-Wahn(sinn) agierende „German Athletics Association“ (nicht meine Idee, Wortschöpfung EMA-Webmaster Hans-Peter Skala) alias der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mit Geschäftssitz in Darmstadt. Es fügte sich mehr rein zufällig, dass ich auf dessen Internet-Portal in der Dachleiste im Fenster „Verband“ etwas Bestimmtes gesucht habe. Aufgemacht wird es als Blickfang mit dem unten zu sehenden großformatigen Foto auf einer Treppe (das lässt zwei Interpretationen zu: Es geht bergauf oder, wahrscheinlicher, bergab) vor dem selbstbeweihräuchernden Text mit den Überschriften wie „Der DLV ist fair, attraktiv und innovativ“ (reimt sich zwar, ist aber eine fromme Lüge) und „Der DLV als Service-Dienstleister“ (müsste er sein, ist er aber bei Weitem nicht). Überholt sind auch die angegebenen Kürzel der internationalen Verbände mit IAAF (jetzt WA für World Athletics) und EAA (nunmehr EA für European Athletics).

Schlampige Tradition: Bildunterschrift fehlt

Gut, darüber kann man(n)/frau noch hämisch lächelnd hinwegsehen. Aber nicht bei genauer Betrachtung des Fotos, das in der schlampigen Tradition des Hauses keine Bildunterschrift mit der richtigen Zuordnung der abgelichteten Personen hat. Die stammt von uns und ist vom Autor dieses Beitrages in mühevoller Kleinarbeit über zwei Mittelsmänner zusammengesucht worden. Der DLV unterstellt schlicht und ergreifend, dass diese elf Leute weithin bekannt sind. Das ist selbstverständlich ein veritabler Trugschluss. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, hatte ich auch lediglich eine Trefferquote von 55 Prozent (sechs von elf).

Einer trat zurück, weiterer verstarb während der November-Tristesse 2020

Aber auch das ist nur ein Nebenschauplatz zu dem, was folgt. Frank O.Hamm (Fünfter von rechts) ist nicht mehr Mitglied des Präsidiums, erklärte im November 2020 als Leiter Wettkampf-Organisation und Vizepräsident seinen Rücktritt (wir berichteten). Ebenfalls eine Marginalie, denn eine Lücke hätte er allenfalls auf einem aktualisierten Foto hinterlassen. Doch jetzt aber wird es hochnotpeinlich, pietätlos, geradezu makaber. Das Bild zeigt einen Toten, als wäre er noch unter den Lebenden. Der ehemalige DLV-Generaldirektor Frank Hensel (Erster von links) ist Ende November 2020 im Alter von 70 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Das kann dieser Dachorganisation schwerlich entgangen sein, da sie sie ihm doch einen großen Nachruf auf ihrer Netzseite (siehe Link) widmete.
Das Referat Medien & Kommunikation hat paritätisch besetzt vier hauptamtliche Mitarbeiter/innen, und niemanden ist seither dieser Fauxpas aufgefallen. Auweia! Da muss erst ein Außenstehender wie ich daherkommen und es entdecken. Dermaßen simpel kann investigativer Journalismus sein. Ein Blick genügte. 

Kessing muss sich diesmal einem Gegenkandidaten stellen

Es darf gemutmaßt werden, dass jenes ominöse Aufmacher-Foto erst nach dem Verbandstag mit Neuwahlen im April dieses Jahres ausgetauscht wird. Dann verschwindet hoffentlich auch der uncharismatische und tollpatschige „Präses“ Jürgen Kessing buchstäblich von der Bildfläche. Anders als bei seiner umstrittenen Wahl 2017 (es wurde vorher eine Alkoholfahrt des Straftatbestandes von mehr als 1,1 Promille von ihm ruchbar) wird er dem Vernehmen nach diesmal einen Gegenkandidaten haben. Der Name ist LAMPIS bekannt, soll jedoch von uns noch als
„Gekados" (= geheime Kommandosache) behandelt werden.