Weitspringer Fabian Heinle hielt die schwarz-rot-goldene Fahne hoch

(Tokio/Krefeld, 31. Juli 2021; 17:30 Uhr) Fast ein Abend – hierzulande früher Nachmittag – zum Vergessen aus eingeschränkter deutscher Sicht heute bei der Leichtathletik im Nationalstadion von Tokio. Bis auf zwei rühmliche Ausnahmen. Der Auftritt von Weitspringer Fabian Heinle (VfB Stuttgart) könnte im Nachhinein mit den Erkenntnissen aus der Qualifikation mit „Eigentlich habe ich keine Chance, aber die nutze ich jetzt" überschrieben werden. Selber leistete er dazu den Beitrag mit der neuen Saisonbestweite von 7,96m (bisher 7,82m). Den Rest besorgte die überwiegend schwächelnde Konkurrenz der insgesamt 31 Teilnehmer. Und so sprang im doppelten Wortsinne für den als Dreißigsten der Weltrangliste noch so gerade ins Feld gerutschten 27-Jährigen der völlig unverhoffte zehnte Platz und das Weiterkommen heraus.

Zwei Schweizerinnen im 100-m-Finale

Ausnahme, die 2. durch Sprinterin Alexandra Burkhardt von Wacker Burghausen. Auf verlorenem Posten stehend, bot sie als Vierte des zweiten Driplelfinals über 100m in 11,07 eine prima Darbietung im Bereich ihres Leistungsvermögens nahe ihrer Bestzeit von 11,01 Sekunden. Da gibt es nichts zu meckern. Anders unmittelbar zuvor bei Tatjana Pinto vom LC Paderborn. Mit einer blutleeren, verkrampften Vorstellung wurde sie Letzte in 11,35 Sekunden. Da gibt es rein gar nichts mehr zu beschönigen. Allein olympisch ihre Ausreden bei ARD-Moderator Claus Lufen nach ihrem „Rennen“. Und dann noch der oft gehörte Klassiker-Spruch von gescheiterten germanischen Solo-Sprintern*innen obendrauf, dass in der Staffel so richtig angegriffen wird. Schau'n mer mal.
Aber das haben wir bereits gesehen. Die ausgewiesene Wintersportnation Schweiz läuft uns im Frauensprint den Rang ab. Als jeweils Zweite ihrer Läufe qualifizierten sich Alja del Ponte (11,01) als einzig weißhäutige Läuferin und Halb-Kongonesin Mujinga Kambundji (10,96) für das Finale. Und da waren zum krönenden Abschluss des Abends del Ponte als Fünfte in 10,96 und die sechstplatzierte Kambundji in 10,99 Sekunden keineswegs nur schmückendes Beiwerk für den dreiköpfigen Jamaika-Express an der Spitze. Ganz vorne wieder die Olympiasiegerin von 2016 Elaine Thompson-Herah, die in Usain-Bolt-Pose durchs Ziel lief und dennoch in 10,61 Sekunden angeblich den olympischen Rekord verbesserte. Dann müssten die 10,54 von Florence Griffith-Joyner (†21.09.98) aus den USA
1988 in Seoul mit unzulässiger Windunterstützung erzielt worden sein. Hinweise darauf haben ich indes nicht gefunden.  

Pleiten, Pech und Pannen beim Rest vom deutschen Fest  

Doch zurück zu den Pleiten, Pech und Pannen der männlichen und weiblichen Germanen. Kollektiv verabschiedeten sich Daniel Jasinski vom TV Wattenscheid als Zehnter (62,44m) und Clemens Prüfer vom SC Potsdam als Elfter (61,75m) nach dem Vorkampf von der Diskuswurf-Entscheidung. Beim Jungspund aus Brandenburg unter Lehrgeld abzuhaken, beim bislang so konstanten Jasinski jedoch eine ziemliche Enttäuschung. Allerdings recht unglücklich, dass der 2,07-m-Hüne bei seinem dritten Versuch von etwa 64 Metern mit der Schuhsole auf die eisenumfasste Ringumrandung trat und sich damit aus dem Wettbewerb nahm. Später jubelten vorne auf den Medaillen-Rängen einer hochklassigen Konkurrenz innerhalb eines Stadions die Männer aus Schweden-Stahl Daniel Stahl (68,90m) und Simon Petterson (67,39m) sowie der Österreicher Lukas „Lucky Luke“ Weisshaidinger. Für die 67,02m und einer blitzsauberen Serie von Denny Matthew (Australien) blieb nur der undankbare vierte Platz. Der wird sich wahrscheinlich ein Monogramm in seinen Allerwertesten gebissen haben. Das wäre allerdings auch eine Leistung von olympischem Format.

Jury-Entscheidung ein ungeheuerlicher Skandal

Da hätte Katharina Trost aus München in dieser Hinsicht im dritten Triplefinale über 800 Meter auch gerne mitgeredet. Doch mit für sie selber unerklärlich schweren Beinen in der zweiten Rennhälfte belegte sie fernab ihrer diesjährigen (!) famosen persönlichen Bestzeit von 1:58,68 weit abgeschlagen in 2:02,14 Minuten den letzten Platz.
Und schlimmer geht ja irgendwie immer. Die deutsche Mixed-Staffel über 4x400m brachte beim zweiten Wechsel von Corinna Schwab auf Nadine Gonska durch die strauchelnde Schwab die Stabübergabe nicht zu Wege. Obwohl abgeschlagen hinterherlaufend, erfolgte später die Disqualifikation. Wenigstens ein kleines bisschen ausgleichende Gerechtigkeit, dass sich die nach einem klaren Regelverstoß im Vorlauf (Wechselmarke überschritten) ins Finale protestierenden Amerikaner nach diesem Skandal nicht noch mit der Goldmedaille belohnt worden sind. Aber auch Bronze ist noch zu viel, das regulär den viertplatzierten Niederländern zustehen würde. Donald „Duck“ Trump ist nicht mehr an der Macht und doch gilt noch bisweilen „America first“. Schimpf und Schande über die Mitglieder der Jury, die das verbrochen und zu verantworten haben. Ein Schildbürgerstreich der aller übelsten Sorte. – Alle Resultate.