Johann Stein warf auf der letzten Rille deutsche Jahresbestweite

(Düsseldorf/Krefeld, 08. November 2021) Vorweg: Die Falschmeldung stammt nicht von uns, wir haben sie lediglich weitertransportiert. Das Wetter war beim gestrigen Beginn der Offenen NRW-Winterwurf-Meisterschaften im Arena Sportpark in Düsseldorf bei heiter bis wolkig und etwa 12 Grad nicht so schaurig, wie prognostiziert. Mithin herrschten für die Jahreszeit annehmbare äußere Bedingungen, konnte der „Friesennerz“ in der Sporttasche bleiben. Und so gab es eingedenk der späten Saison noch einige sehr ordentliche Resultate bis hin zu einer deutschen Jahresbestleistung. Die stellte der für den TV Werther startende Jung-Siebziger Johann Stein (*01.11.1951) aus Hagen mit 41,75m im Diskuswurf der M70 auf. Der kernige Westfale verdrängte auf der buchstäblichen letzten Rille Gerhard Zachrau (40,99m) von RKS Phoenix Mutterstadt vom „Platz an der Sonne“.
Es war nach meinem Augenschein auf die sehr früh schon gestern Nachmittag zur Verfügung stehenden Gesamtübersicht (zuvor soll es sogar einen Live-Ticker gegeben haben) das herausragende Ergebnis dieser Titelkämpfe.

Buchführung lässt Zweifel an ihrer Richtigkeit aufkommen

Die Ergebnisliste förderte allerdings auch noch Verwunderliches zu Tage. Schenken wir der Buchführung glauben, was wir nicht tun, hagelte es von ungewöhnlich vielen Athleten ganze Wettbewerbe ohne gültigen Versuch (= ogV). Um die krassesten Fälle zu nennen, so zum Beispiel von einem Trio im Diskuswurf der M50 und einem Quartett in derselben Disziplin der M55. Das mag bei horizontalen Sprüngen mit einem „Salto nullo“ über die Anfangshöhe oder im Mehrkampf bei nur drei Versuchen im Weitsprung vorkommen, aber nicht bei Langwürfen in der Häufung mit vorher verbrieften sechs Durchgängen.

Thomas Neumann mit starken 53,76 Meter beim Hammerwurf der M50

Sei noch anknüpfend an unsere Vorschau erwähnt, dass Thomas Schmitt (*1989) vom VfL Ahaus in seiner stärkeren Disziplin Diskuswurf (Bestleistung 53,44m) ebenfalls „sechs Fahrkarten geschossen“ haben soll, mit dem Hammer warf er als Alleinunterhalter der M30 42,07m. Der Mann mit der (vermeintlich) weitesten Anreise, der für Diskus und Speer gemeldete Christian Reich (*1967/M50) vom SC Siemensstadt Berlin, trat nicht an. Vor Ort muss er eigentlich gewesen sein, denn für den Speerwurf hat er sich angeblich abgemeldet (abg.). Womit wir wieder bei der höchst zweifelhaften Buchführung wären.
Noch dies: Obwohl er nur noch sporadisch bei Wettkämpfen selber in Erscheinung tritt (er ist auch Kampfrichter), hat der ehemalige 73,51m-Hammerwerfer Thomas Neumann (*1971) vom SC Bayer 05 Uerdingen zumindest von seinem technischen Rüstzeug noch einiges zu bieten. Bei seinem Einstand in der M50 schleuderte er das 6-Kilo-Gerät auf 53,76m und die dritte Position der deutschen Jahresbestenliste. Und: Was die wenigen „Mädels“ so zu bieten hatten, überantworten wir den weiblichen und männlichen Freunden der Statistik (siehe obige Verlinkung).

LAMPIS-Gründervater Peter Holthuijsen nun ein echter Sechziger

(Erkelenz//Krefeld, 07. November 2021) Wer hat’s erfunden? Nicht die Finnen, auch nicht die Schweizer, sondern ein gebürtiger Niederländer mit Wohnsitz im beschaulichen Erkelenz unweit von Mönchengladbach. Gemeint ist LAMPIS. Ohne ihn könnte ich jetzt die Laudatio an dieser Stelle zur Vollendung seines 60.Lebensjahres gar nicht zu Bildschirm bringen. Denn Peter Holthuijsen (*07.11.1961 in Tegelen/NL) ist der Gründervater dieser Netzseite von, aber nicht nur für Senioren-Werfer/innen.
Gemeinsam mit den Brüdern im Geiste Henk van Baakel, Jan Titulaer (beide Baarlo/NL) und mir in der zusätzlichen Rolle als Sportjournalist wurde dieses Internetportal am Nikolaus-Tag, dem 06.Dezember, des Jahres 2009 aus der Taufe gehoben. Mit Fug und Recht darf in dem schnelllebigen Geschäft von Online-Medien mit Nischenengagement konstatiert werden, dass wir uns in seit bald zwölf Jahren am Markt – nach Einschätzung Dritter – einen beachtlichen Stellenwert erarbeitet haben. Von den einstmals „Big Five“ auf diesem Gebiet sind wir zudem die einzig Verbliebenen.

Deutscher und niederländischer Senioren-Meister an einem Tag

Doch zurück zur Hauptfigur. Der mit fast zwei Metern Körperlänge, exakt 1,97m, hünenhafte Jubilar war dereinst niederländischer Junioren-Meister im Zehnkampf mit jenseits von 7.000 Punkten. Doch sein Studium zum Grafik-Designer ließ irgendwann das zeitaufwändige Training für diesen Vielseitigkeitswettbewerb nicht mehr zu, um auf hohem Niveau im Konzert der Elite mitzuspielen. Der Leichtathletik blieb „Peter der Große“ heruntergebrochen auf Stoß/Wurf jedoch bis in den Senioren-Bereich mit niederländischem und deutschem Verein zweigleisig fahrend stets treu. Erfolgreich, wie anzufügen ist. Nicht allein als mehrfacher niederländischer Senioren-Meister durch verschiedene Altersklassen mit Kugel, Diskus und im Wurf-Fünfkampf. Zeitpläne und die geringe Entfernung beider Schauplätze ließen es zu, dass er zudem für ein Novum sorgte, an ein und dem selben Tag deutscher und niederländischer Senioren-Meister geworden zu sein.
In den letzten Jahren hat er sich allerdings mit eigener sportlicher Aktivität ziemlich rar gemacht. Er widmete sich mehr der Betreuung seiner hammerwerfenden Tochter Sina Mai, die als Deutsch-Niederländerin ebenfalls zweigleisig fährt und im Juni 2018 in Utrecht im Trikot des AV Unitas Sittard die große Favoritin Wendy Koolhaas schlug und mit 61,71m niederländische Meisterin im Hammerwurf geworden ist (siehe Link).

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
  
Eigentlich wollte Peter in der M60 wieder in die verschieden großen Ringe gehen, wechselte sogar dafür zum 01.Januar 2021 vom SC Myhl zum SC Bayer 05 Uerdingen, dem auch Sina Mai angehört. Aber zweitens kommt es anders, als man(n) erstens gedacht hat. Aber vielleicht klappt es ja demnächst als echter Sechziger. Aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Außerdem wollen wir ihn nicht allein auf das rein Sportliche reduzieren. Er ist ein Werfer wie du und ich, ein feiner, aufrichtiger Kerl und prima Kumpel. Obendrein ein geselliges „Feierbiest“, um einen Ausspruch seines Landsmannes und Fußball-Trainer Luis van Gaal zu zitieren.
Da uns seit vielen Jahren eine Männer-Freundschaft verbindet, wir darüber hinaus gelegentliche Kontakte zusammen mit unseren Ehefrauen pflegen, weiß ich, wovon ich schreibe. Weiterhin eint uns die Passion zu „Fellkindern“, zu gut Deutsch: Hunden. Aktuell gibt es im Hause Holthuijsen mit großem Grundstück in Erkelenz-Hetzerath zwei Bernhardiner-Hündinnen. Ein Yorkshire-Terrier würde zu so viel Mannsbild auch schlecht passen.  
Und zu guter Letzt: Herzlichen Glückwunsch, lieber Peter!

Zehnkampf-Weltrekord von Thomas Stewens - aber auf wieviel Punkte?

(Bad Nauheim/Dortelweil/Krefeld, 06. November 2021) Nahezu unbemerkt von einer breiteren interessierten Öffentlichkeit an der Senioren-Leichtathletik mogelte sich gewissermaßen unterm Radar ein Weltrekord im Zehnkampf der M55 durch. Und das nicht irgendwo im nirgendwo, sondern hierzulande, aufgestellt von einem durchaus bekannten Protagonisten unter den „Königen der Athleten“. Hinzu kam/kommt, dass Thomas Stewens (*1966; im Bild) vom SV Fun-Ball Dortelweil, ein Stadtteil von Bad Vilbel, nicht zu den Lautsprechern der Szene gehört, der großartig PR in eigener Sache machen würde. Aber wenigstens die „Wetterauer Zeitung“ berichtete mit leichter Verspätung am 25.September im Lokalsport, dass bei einem Jedermann-Zehnkampf am 18./19.September im Waldstadion in Bad Nauheim der 55-jährige Modellathlet mit 8.325 Punkten eine neue globale Höchstmarke in seiner Altersklasse aufgestellt habe.

Offizielle Lesart der WMA 8.312 Punkte

Die World Masters Athletics (WMA) führt ihn jedoch nach offizieller Lesart mit 8.312 Punkten (siehe Link). Immerhin stimmen die Einzelleistungen mit denen im Zeitungsbeitrag überein: 100m 12,80 sec., Weit 5,52m, Kugel 13,27m, Hoch 1,65m, 400m 57,01m; 100 m Hürden 15,41 sec., Diskus 32,45m, Stabhoch 3,60m, Speer 46,05m, 1.500m 5:02,23 min. Da wir nicht vertrauensvoll davon ausgehen, dass die in vielerlei Hinsicht umstrittene, stets nach dem Motto „America first“ handelnde WMA-Statistikerin Sandy Pashkin aus Eugene/Oregon in den USA richtig gerechnet hat, haben wir den vom DLV angebotenen Mehrkampf-Rechner mit Altersklassenfaktor für die M55 bemüht. Danach ergeben sich als nunmehr dritte Version 8.234 Punkte.

Ein Fall für Statistik-Ikone Bernd Rehpenning

Was nun? Das ist wieder ein Fall für Bernd Rehpenning aus Garbsen bei Hannover, dem Schöpfer des „Results Model 2010“. Dem werden wir selbstverständlich nachgehen. Übrigens keine neue Erkenntnis, dass es immer wieder mal Irrungen und Wirrungen um die Punktewertung-/ermittlung bei Mehrkämpfen der Senioren*innen gegeben hat. Speziell auch dem Weltrekord in der M55. Die alte Bestmarke vor Stewens war im Besitz von Angel Estuardo Diaz Granillo aus Guatemela, aufgestellt mit 8.031 Punkten Ende Mai 2017 beim Stendaler Hanse Cup. So wurde er auch nach langem Wirrwarr, das auf Betreiben vom LAMPIS im Zusammenwirken mit Statistik-Ikone Rehpenning aufgeklärt worden ist, von der WMA bis vor kurzem geführt.

Rekordführung bei der EMA ist definitiv falsch

Statistiker Ivar Söderlind (Schweden) von der European Masters Athletics (EMA) listet jedoch unverdrossen seit über zwei Jahrzehnten Rolf Geese (*1944) von der LG Göttingen mit 8.487 Punkten als Weltrekordhalter, erzielt Anfang Juli 1999 in Göttingen (siehe Decathlon auf Seite 18). Gleich in zweifacher Hinsicht falsch: Beim Hürdensprint fiel zum großen Pech von Geese die elektronische Zeitnahme aus. Die ist aber durchgängig in allen gestoppten Disziplinen mit Sekunden und Minuten Voraussetzung für eine Rekordanerkennung. Söderlind machte obendrein den Fehler, die handgestoppte Zeit von 15,1 Sekunden in eine elektronische von 15,10 umzuwandeln. Zumindest für ein richtiges, wenngleich nicht rekordfähiges Gesamtergebnis hätte er die üblichen 0,24 Sekunden hinzurechnen müssen.
So schaut’s aus!

NRW-Winterwurf: Der "Friesennerz" sollte im Sportgepäck nicht fehlen

(Düsseldorf/Krefeld, 07. November 2021) Letzte saisonale Ausfahrt 29 Messe/Stadion auf der A44 zu den Offenen NRW-Winterwurf-Meisterschaften der Ü30 Generation heute ab 10 Uhr im Arena Sportpark in Düsseldorf gleich neben der Leichtathletikhalle. Der „Friesennerz“ sollte unbedingt im Sportgepäck sein. Denn schon wie zu den Nordrhein-Seniorenmeisterschaften Ende August an selber Stelle verheißen die Wetternachrichten, dass es bei  maximal 10 Grad ziemlich schaurig werden soll. Als ich diesen Beitrag im nur 16 Straßenkilometer entfernten Krefelder Stadtteil Bockum nahe dem Zoo schreibe, regnet es. Aber „kalifornische Bedingungen“ sind im tristen November nun mal nicht zu erwarten. Daher auch der Arbeitstitel „Winterwurf“.

Ehemalige 21,35m-Kugelstoßer Thomas Schmitt der prominenteste Startwillige

Es wird recht übersichtlich zugehen. Das wegen latentem Kampfrichtermangel um die bisherigen Rahmenwettbewerbe Kugel, Gewichtwurf, Wurf-Fünfkampf um 50 Prozent auf die Meisterschaftskonkurrenzen der Langwürfe Diskus, Speer und Hammer radikal geleichterte Programm lockte bis zum Meldeschluss lediglich 36 Senioren und 14 Seniorinnen ab M/W30 an. Nach Landesverbänden: 33 vom Nordrhein, 13 aus Westfalen und je eine/r aus Hessen, dem Rheinland, der Pfalz und Berlin. Letzterer ist Christian Reich (*1967) vom SC Siemensstadt Berlin. Ob er eigens für die Wettbewerbe Diskus und Speer anreist (immerhin wäre der Rhein-Ruhr-Flughafen in unmittelbarer Nähe) oder er im Westen der Republik ohnehin irgendwie zu tun hat, ist uns nicht bekannt. Prominentester Startwilliger ist allerdings der frühere 21,35m-Kugelstoßer Thomas Schmitt (*1989; im Bild) vom VfL Ahaus im Münsterland. Der 32-jährige Koloss betreibt die Werferei indes nur noch aus reinem Spaß an der Freud, ist in der Landeshauptstadt für Diskus und Hammer gemeldet (siehe Reportage von seinem Überding).
Alles Weitere in der Meldeliste nach Disziplinen.

Wurf-Allrounder Günther Fändrich feiert heute runden Geburtstag

(Gorxheimertal/Krefeld, 05. November 2021) Allemal in ziemlich trüben Zeiten wie diesen sollten Familienfeste gefeiert werden, wie sie fallen. Erst recht bei runden Geburtstagen. Dazu gab/gibt es im deutsch-ungarischen Haus der Fändrichs in der idyllischen Gemeinde Gorxheimertal (3.960 Einwohner) im hessischen Odenwald nahe der badischen Städte Mannheim und Heidelberg im Wochentakt gleich zweimal Gelegenheit. Erika (*30.10.60 unter dem Mädchennamen Mészáros) vollendete das 60.Lebensjahr, und Ehemann Günther Fändrich (*05.11.1941) zieht just heute mit dem  Achtzigsten nach. Der Jubilar ist gewissermaßen prädestiniert für den flapsigen Spruch aus Volkes Mund „Mit einem alten Haus und einer wesentlich jüngeren Frau gilt es immer was zu tun“. Ein bisschen Spaß muss sein, behauptete schon in einem Schlager der Deutsch-Kubaner Roberto Blanco.
Ernsthaft: Die beiden eint die Liebe zueinander und die Leidenschaft für das gemeinsame Hobby Leichtathletik, Abteilung Schwerathletik von Stoß und Wurf. Das gleich in allen Variationen zudem beim Rasenkraftsport und LSW-Wettbewerben. Eine ideale, beneidenswerte Symbiose der auch sportlichen Zweisamkeit. Erika und Günther nie wie dereinst in der amerikanischen Slapstick-Komödie „Kevin allein zu Haus“.

Inoffiziöser Weltrekord im Wurf-Fünfkampf als gemischtes Doppel

Solange nicht das Gegenteil bewiesen wird, behaupten wir mal schlankweg, dass das gemischte Fändrich-Doppel im Vorgriff auf die nächsthöheren Altersklassen der M80 und W60 (national gilt bekanntlich unsinnigerweise das Jahr der Vollendung) am 21.August diesen Jahres in Alzey mit 9.311 Punkten (er 4.828, sie 4.483) einen inoffiziösen  Ehepaar-Weltrekord im Wurf-Fünfkampf aufstellte. Das trifft im Übrigen auch auf die M75 und W55 zu.
Bei der jüngsten Senioren-DM in ihrem „Heimspiel“ im hessischen Baunatal griff Günther in den drei angebotenen Disziplinen (Diskus war nicht im Programm) der M80 einen kompletten Medaillensatz ab: Erster im Kugelstoßen (11,26m), Zweiter mit dem Hammer (43,89m), wobei er Weltrekordler Hermann „Herminator“ Albrecht (45,00m) ein ernstzunehmender Konkurrent war, und Dritter im Speerwurf (28,41m). Erika trat in der W60 zweimal an, gewann den Hammerwurf (41,64m) und wurde Dritte mit dem Speer (27,09m).
Darüber hinaus kann das fortgeschrittene Geburtstagskind von heute als leuchtendes Beispiel dienen. Trotz vieler Verletzungen und Erkrankungen ließ sich Günther nie unterkriegen, kehrte immer wieder auf die Trainingsstätten und Wettkampfanlagen erfolgreich zurück. Kurzum: Der Sport als Lebenselixier.
Was Letzteres anbelangt: Weiter so, und Herzlichen Glückwunsch zum Wiegenfest!