Da staunt selbst der Fachmann und der Laie wundert sich

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(Amstetten/Krefeld, 07. August 2014) Er ist ein sportliches Phänomen mit einer schier unerschöpflichen Haltbarkeitsdauer. Quasi so etwas wie der österreichische Gegenentwurf zu Stabhochspringer Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen, der schon seit Jahren den eigentlichen Gesetzmäßigkeiten der Biologie ein Schnippchen schlägt. Die Baustelle ist freilich eine völlig andere, gehört zur Schwerathletik innerhalb der Leichtathletik. Gemeint ist Hammerwerfer Gottfried Gassenbauer (*1958) aus Wien, der von seinen vielen Sportfreunden kurz „Gassi“ genannt wird. Der schaffte jüngst ein Kunststück, das selbst für die etwas beschaulichere Alpenrepublik in der olympischen Kernsportart eben nur einer wie er hin bekommt. Der kurz vor der Vollendung seines 56. Lebensjahres stehende Wiener mit dem Wahrzeichen einer schneidigen Mecki-Frisur belegte bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften der Männer/Frauen in Amstetten mit 51,13 m in dem achtköpfigen Teilnehmerfeld den vierten Platz. Insgeheim hatte er zwar mit dem Bronzerang geliebäugelt. Dass es nicht klappte lag jedoch mehr an der etwas stärkeren Konkurrenz, darunter und direkt vor ihm sein Schützling Matthias Hayek (55,19 m), als an ihm selber. Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerkes erfüllte er zur Stunde X punktgenau seine eigenen Vorgaben mit einer 51 vor dem Komma.
Ein Selbstläufer war es dennoch nicht. Dazu musste er nach zähem Beginn seine kämpferischen Qualitäten und seine Wettkampfhärte in die Waagschale werfen, ohne dabei seine exzellente Technik mit immer noch vier sehr schnellen Drehungen und einem kernigen Abwurf zu vernachlässigen. Der Knoten platzte mit 50,03 m im vierten Versuch, dem er auf Ansage im Anschluss die Steigerung auf 51,13 m folgen ließ. So weit hat der mehrfache Senioren-Weltmeister im Hammer- und Gewichtwurf seit drei Jahren den 7,26 Kilogramm schweren Männer-Hammer nicht mehr geworfen. Beinahe müßig zu erwähnen, dass er insgesamt der „Stubenälteste“ bei den zweitägigen Titelkämpfen in der Bezirkshauptstadt im Südwesten von Niederösterreich war. Da staunt ob seiner Leistung, nicht seines Alters, der Fachmann und der Laie wundert sich.
Nunmehr wendet sich Gottfried mit der Rückumstellung auf den altersgemäßen Sechser dem Feinschliff für die Senioren-EM vom 22. bis 31. August 2014  in Izmir (Türkei) zu, wo er sich „nur“ mit in etwa gleichaltrigen Gegnern auseinander zu setzen hat. Den leicht favorisierten Russen Victor Bobryshev (58,70 m) kennt er bereits von der diesjährigen Winterwurf-WM in Budapest, unterlag ihm im Hammerwurf, war allerdings als Titelgewinner mit dem Wurfgewicht klar vor ihm. Das kann eine sehr spannende Auseinandersetzung werden. Denn der gute Victor wirft auch nicht alle Tage seine Meldeleistung, und der Mann mit dem göttlichen Beistand im Vornamen kann als Meister der Vorbereitung seine 57,56 m von den Austrian Masters Mitte Juli in Wolfsberg vielleicht noch toppen. Sollte er bis dahin seine Verletzung völlig auskuriert und seinen Trainingsrückstand aufgearbeitet haben, könnte allerdings Hans Lindner (58,41 m) aus Österreich aus dem Zwei- einen Dreikampf um den Titel machen.