Erste EM-Impressionen aus der 3,5-Millionen-Stadt an der Ägäis

(Izmir, 20.  August 2014) Stelle dir vor, es sind Senioren-Europameisterschaften und die 3,5 Millionen Einwohner der drittgrößten Stadt der Türkei bekommen es überhaupt nicht mit. Dass sie ein Publikumsrenner im Fußball verrückten Erdogan-Land sein würden, durfte eh keiner erwarten, wäre auch anderswo nicht anders. Doch selbst im Tourismus-Center in der Innenstadt wussten die dienstbaren Geister hinter dem Tresen nichts von einer EM. Ergo konnten sie auch keinerlei Informationen geben, wie die akkreditierten Teilnehmer an diesen Titelkämpfen gemäß den vollmundigen Verlautbarungen der EVAA die Metro kostenfrei nutzen können. Da wird man(n)/frau wohl in die eigene Tasche greifen müssen.
Entgegen anders lautenden Meldungen lässt sich das Lokale Organisationskomitee (LOC) den Bustransfer vom Flughafen zu den vom Veranstalter vorgebuchten überteuerten Hotels fürstlich mit 25 Euro honorieren. Für die einfache Fahrt, wohl gemerkt. Der Nepp geht also munter weiter. Vorher ist allerdings Geduld gefragt. Ähnlich wie in den Vereinigten Staaten ist nach der Ankunft noch vor dem Abholen des Reisegepäcks die Einreisekontrolle zu passieren. Da kann locker mal ’ne halbe Stunde oder mehr bei drauf gehen, derweil das Kofferband bereits abgestellt zu sein pflegt und die Gepäckstücke kunterbunt verloren darauf herum liegen. Das ist der Idealfall, sofern nicht sonst wer Verwendung dafür hat(te).

Es ist viel zu heiß…

Dafür gibt es klimatisch keine Überraschungen. Es herrscht die „Affenhitze“, die nun einmal an der Ägäisküste am Golf von Izmir im Monat August vorherrscht. Erschwerend kommt hinzu, dass es auch des Nachts kaum abkühlt. Das wird ohne Klimaanlage womöglich die Tiefschlafphase empfindlich stören. Auch dass in vielen Hotels erst ab sieben Uhr Frühstück gereicht wird, ist nicht sehr athletenfreundlich für all jene, die schon zeitig in Blöcke oder was auch immer müssen. Aber da wir vorwiegend zur Unterhaltung und Erbauung für die Daheimgebliebenen berichten, überlassen wir die heißen oder kalten Tipps dem aufgeblähten DLV-Begleittross.
Eine Vorhut mit Frontfrau Margit „Wicki“ Jungmann ist bereits vor Ort und besichtigte gestern das Atatürk-Stadion. Richtiger: wollte. Denn es war verschlossen und bot mitnichten verlässliche Hinweise darauf, dass hier ab Freitag Leben in der Bude sein soll. Immerhin hatte der italienische Software-Anbieter für die Ergebnisübermittlung bereits sein mobiles Büro in der Zufahrt plaziert und hingen nebenan auf der Wurfanlage schon die Netze. Für rekordverdächtige Würfe mit Diskus und Hammer scheinen zumindest nach Augenmaß die Sektoren in der Weite zu knapp bemessen zu sein.

Seniorensprecherin Lidia Zentner fehlt angeblich verletzungsbedingt

Wie noch auf dem „Obergefreiten-Dienstweg“ durchsickerte, werden die DLV-Starterinnen bei irgendwelchen Beschwerden, Sorgen und Kümmernissen auf ihre relativ frisch gekürte Seniorensprecherin Lidia Zentner verzichten müssen. Die Mittelstrecken-Gazelle von Gazelle Pforzheim sei angeblich verletzt und kuriere zu Hause in Baden-Württemberg ihre Wehwehchen aus.
Jetzt muss es also der begnadete, vom Himmel gefallene Götterbote Alfred Hermes (im Bild) mutterseelenallein richten. Aber er ist ja ein ganz pfiffiges Kerlchen und seiner sowie unser aller Zeit stets mehr als nur einen Schritt voraus. Bereits seit heute kurz vor 8 Uhr ist auf seiner Netzseite ein Beitrag mit morgigem Datum zu lesen. Kein Scherz! Aber abgesehen davon wird er in Izmir über die eigenen läuferischen Aktivitäten in der M 65 hinaus nicht viel Arbeit haben. Als Delegierter am 26.August zur EVAA-Vollversammlung – das dürfte es schon gewesen sein.
Soweit unsere ersten Impressionen aus der 3,5-Millionen-Stadt der 19. Europameisterschaften ab M/W 35, wo die voraussichtlich 1.500 Teilnehmer (gemeldet sind 2.027, der Schwund beträgt meist 25 Prozent) nebst etwaiger Begleitung weder auf-, noch sonderlich ins Gewicht fallen. Sportlich wahrgenommen werden sie sowieso nicht. Doch das ist eine Asbach uralte Erkenntnis.