Weltrekord von Wissinger in allen Belangen ohne Fehl und Tadel

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(Baunatal/Gelnhausen/Krefeld, 02. Oktober 2014) Es gibt am neuen Fünfkampf-Weltrekord von Susanne Wissinger (*1934) vom TV Gelnhausen absolut nichts herum zu mäkeln, den die überaus rüstige 80-jährige Hessin bei den „Deutschen“ im Wurf-Fünfkampf in Baunatal mit 5.039 Punkten in der W80 aufstellte. Sie steigerte die bisherige globale Bestmarke (4.831) der belgischen Ausnahmekönnerin Rachel Hanssens (*1929) vom 27. August 2011 in Steneke (Belgien) um deutliche 208 Zähler. Dabei liegt hier wir da die noch nicht überarbeitete Mehrkampf-Punktewertung nach „model-results2010“ von Bernd Rehpenning aus Garbsen zu Grunde. Wie es auch gedreht und gewendet wird, hat Wissinger bei den beiden denkbaren Pseudo-Rechnungen ebenfalls das bessere Ende für sich. Die Wertung nach Disziplinen entschied sie gegenüber Hanssens klar mit 4:1 für sich, die nach der metrischen Gesamtleistung nicht minder überzeugend mit 85,29 zu 82,80m. Im Einzelnen, Wissinger zuerst genannt: Hammer: 27,58 zu 24,24m; Kugel: 8,93 zu 8,58m; Diskus: 20,52 zu 19,46m; Speer: 17,48 zu 20,69m; Gewicht: 10,78 zu 9,83m.

Mehrkampfrechner des DLV seit 2010 überholt

Der auf www.leichtathletik.de unter Service angebotene Punkterechner des DLV hat zumindest in den höheren Altersklassen antiquarischen Wert. Er berücksichtigt nicht die Absenkung der Gewichte mit Kugel und Hammer von 3 auf 2 sowie dem Wurfgewicht von 5,45 auf 4 Kilo, mithin die niedrigeren Altersfaktoren. Nach dieser falschen Wertung kommt/käme Wissinger auf 5.418, Hanssens auf 5.180 Punkte. Offen gestanden habe ich unter Zuhilfenahme einiger versierter Werfer lange daran herum gedoktert, um letztlich doch selber auf diese Irreführung von höchster Stelle zu kommen (soviel Eigenlob muss sein). Einmal mehr: Servicewüste DLV! Die geänderten Gewichte gelten übrigens international seit 2010. Allerdings sind mir bei meinen umfangreichen Recherchen noch andere Ungereimtheiten an dem zweifellos einer statistischen und mathematischen Herkules-Aufgabe gleich kommendem Rehpenning’schen Jahrhundertwerk aufgefallen, das in Teilen nach dem Willen der World Masters Athletics (WMA) ab 01. Januar 2014 nun schon ausgedient hat.

Hammerwurf produziert eine gehörige Unwucht

Aber eben nur in Teilen. Unwuchten werden jedoch bleiben, beispielhaft aufgemacht an der W65. Da fielen mir die exorbitant hohen 1.333 Punkte von Eva Nohl (*1948) für 39,81 m im Hammerwurf der W65 bei der DM auf. Fraglos eine sehr gute Leistung. Freilich immer noch ein gutes Stück vom AK-Weltrekord (44,38 m) von Jutta Schäfer aus dem Jahre 1997 (!) entfernt, der wahnwitzige 1.510 Punkte ausmacht. Der Weltrekord der Frauen von Anita Wlodarczyk (*1985), den die Polin beim diesjährigen ISTAF Ende August in Berlin in direkter Konkurrenz zu der bisherigen Inhaberin Betty Heidler (*1983) von der LG Frankfurt mit 79,58m (zuvor 79,42m) abnahm, ist dagegen lediglich 1.248 Punkte wert.
Doch bleiben wir bei den Seniorinnen: Diese ominösen 1.510 Punkte laufen auch in Relation und Proportion zu den Weltrekorden in den vier anderen Stoß- und Wurfdisziplinen der W65 gewaltig aus dem Ruder. Kugel: Sigrun Kofink (Deutschland) 12,21 m = 1.210 Punkte; Diskus: Tamara Danilova (Russland) 37,62 m = 1.205; Speer: Evaun B. Williams (England) 38,07 m = 1.167; Gewichtwurf: Annie van Anholt (Niederlande) 16,77 m = 1.257 Punkte. Auffallend ist ferner, dass bei der W60 – 75 bei gleichen Gerätegewichten die bestehenden Weltrekorde im Wurf-Fünfkampf in der nächst höheren Altersklasse im Zehn-Jahres-Takt bei logischerweise schwächeren Einzelleistungen nach absoluten Punktzahlen besser sind. Das galt bis Wissinger zudem in der W80/85, wenngleich nur marginal, mithin vertretbar (Hanssens 4.831/4.846 Punkte). Die Tendenz ist auch in den oberen Altersklassen durchweg steigend. Da wird die Biologie quasi außer Kraft gesetzt.

Eine gerechte Wertung bleibt Illusion

Es sei allerdings eingeräumt, dass eine gerechte und für jede/n, auch Außenstehende, nachvollziehbare Wertung ein schier unmögliches Unterfangen darstellt. Dann müsste nach jedem Weltrekord der Männer/Frauen und Senioren/innen in den Mehrkampf relevanten Einzeldisziplinen eine Anpassung erfolgen. Ein Unding und völlig illusorisch. Also werden wir notgedrungen mit der einen oder anderen Ungereimtheit leben müssen. Wenngleich manch eine/r, der eben nicht davon profitiert, benachteiligt wird. Das ist bei dem hammerwurflastigen Wurf-Fünfkampf indes beinahe zwangsläufig der Fall.