Symptomatischer Widerspruch: Geräteabnahme und Veranstaltergeräte

(Krefeld, 22. Oktober 2014) Wenngleich es bei diesem bestimmten Werfertag außerordentlich hemdsärmelig zuging und der Zeitplan sehr zum Leidwesen leistungsorientierter Athleten/innen allenfalls als Dekorationsstück diente, geht es hier nicht vordergründig darum, die rührigen Macher eines Vereines zu verunglimpfen und bloß zu stellen. Nennen wir ihn deshalb TV Zweierlei Maß aus Kleinkleckersdorf. Vielmehr ist diese authentische Geschichte symptomatisch und kann als Blaupause für X andere Veranstaltungen dieser Art herhalten. Aus den verschiedensten Gründen haben Werfer/innen eigene Geräte im Sportgepäck. Die müssen verständlicherweise erst einmal die Gerätekontrolle passieren und werden, sofern korrekt, darob irgendwie markiert. Bevorzugt mit Nagellack aus dem heimischen Kosmetikschränkchen. Das ist soweit alles völlig in Ordnung, verhilft beiden Parteien zu der nötigen Glaubwürdigkeit. Schließlich ist bei Lauf- und Sprungwettbewerben mit etwaiger unzulässiger Windunterstützung von über 2,0 m/sec ein Windmesser vorgeschrieben.  

Hitzige Debatte um angeblich 157 Gramm zu leichte Kugel

Nun fügte es sich, dass meine neuwertige, IAAF-zertifizierte, nachtarierbare (damit freilich für Schufte auch zu leichternde), mit einem Übergewicht von zwölf Gramm ausgelieferte sündhaft teure 4-Kilo-Edelstahlkugel (folglich nicht rostend) auf der immerhin digitalen Waage satte 157 Gramm zu leicht gewesen sein soll. Der Durchmesser von 109 mm (bis 110 sind erlaubt) blieb unbeanstandet, da erst gar nicht überprüft. „Die Kugel kann ich nicht abnehmen“, erklärte mir die ansonsten nette Veranstaltungsleiterin freundlich, aber bestimmt. Versteht sich peripher, dass ich erstmal aus allen Wolken fiel, dann jedoch in meiner bekannt zurückhaltenden Art vehement protestierte. Dieses von mir ausschließlich in den sehr wenigen Wettkämpfen in dieser, meiner überhaupt ersten M-70-Saison eingesetzte Schmuckstück brachte beim Werfertag am 03.Oktober 2014 in Gladbeck exakt 4.010 Gramm auf die dortige geeichte Waage. Selbstverständlich habe ich sie zwischenzeitlich nicht geleichtert, was der neben besagter Dame stehende junge Mann, geschätzte Zwanzig, als zumindest theoretische Möglichkeit in die inzwischen hitziger werdende Debatte warf.
Mein langjähriger Sportfreund Hans-Josef „Kugeljupp“ Weitz (*1946) aus Köln, ebenfalls stets mit eigener „Fünfer“ anreisend, leistete mir rhetorischen Beistand. Worauf sich Frau Lieschen Müller (Name geändert) bemüßigt fühlte, den Ort der Handlung einer genaueren Überprüfung zu unterziehen. Und siehe da: linksseitig unter der Waage lag eine in kleine Stücke zerrissene Urkunde, die das Wiegeergebnis zwangsläufig gehörig verfälscht hatte. Nach Entfernung des Abfalls hatte meine Kugel wieder just jene 4.010 Gramm wie in Gladbeck und erhielt zur Absegnung ein schwarzes Kreuz mit dem Filzstift. Unterstellt, beide Waagen liefern absolut identische Resultate (auch daran sind oft berechtigte Zweifel angebracht), spricht es für die Qualität und Härte des Stahls, den Wettkampf mit sechs Versuchen und neun beim „warm up“ ohne jeden Abrieb überstanden zu haben. Jedoch kein Wort des Bedauerns oder gar der Entschuldigung dieses unseligen Duos, das mir mehr oder weniger unverhohlen Beschiss in die Sportschuhe schieben wollte.

Offenkundig zu leichte Veranstalterkugeln im Wettbewerb

Aber es kommt noch „besser“. Anschließend auf der Anlage angekommen, lagen da jede Menge Veranstalterkugeln verschiedener Gewichts- und doppeltem Wortsinne Altersklassen herum. Deren Richtigkeit wird schlicht unterstellt, sie werden garantiert vorher nicht gewogen und womöglich für zu leicht befunden. Den Durchmesser können wir vernachlässigen, da meist zu „kleine Knicker“ angeboten werden.  Alle waren jedoch nicht nachtarierbar, viele davon mit einem dicken, innen liegenden Prägestempel des jeweiligen Gewichtes versehen, was längst nicht mehr erlaubt ist. Andererseits legte es Zeugnis davon ab, dass sie den zweiten Weltkrieg schadlos überstanden hatten. Eine davon war mit 7,25 gekennzeichnet, sprich: dick geprägt. Die war ganz offenkundig zu leicht. Denn es waren nie 7,25, sondern mindestens 7,257 Kilogramm. Doch aus meiner Erinnerung müssen es seit irgendwann in den siebziger Jahren minimum 7,26 kg sein – und kein Gramm weniger!
Also, wird sich auch der geneigte Leser jetzt fragen, was soll in solchem Falle das Theater mit der Geräteabnahme, wenn auf der offiziellen Seite derart lax mit diesem sensiblen und wichtigen Thema umgegangen wird? Noch schlimmer sind indes Werfertage, bei denen in dieser Hinsicht überhaupt nix passiert. Die gibt es zuhauf, so wahr ich mich seit nunmehr bald 50 Jahren und inzwischen 1.091 Wettkämpfen hinauf bis zu Senioren-Weltmeisterschaften allein in dieser Spezialdisziplin im schmutzigen Geschäft mit der Kugel tummele.
Willkommen in Schilda! Dort wo die Schildbürgerstreiche fabriziert werden. Nicht nur von Behörden und Verbänden, wie hier unschwer zu erkennen ist. 

Redaktionelle Anmerkung: Diesen für das Fenster „Flurfunk“ gedachten Beitrag stellen wir zunächst in die unsere Seite aufmachende Rubrik Nachrichten.