Ski-Ass Maria Höfl-Riesch kritisierte die Wahl von Robert Harting

Kommentar

Nebenbei bemerkt

(Baden-Baden/Krefeld, 24. Dezember 2014)
Nicht alle waren vorbehaltlos amüsiert über die Wahl von Diskuswurf-Gigant Robert Harting aus Berlin zu Deutschlands Sportler des Jahres 2014. Der 30-Jährige höchstpersönlich machte einen ziemlich betretenen, fast betroffenen Eindruck, als Sonntagabend im Kurhaus zu Baden-Baden (das ZDF übertrug live) seine Name an der alles entscheidenden ersten Position genannt wurde. Rund 1.200 berufsständisch organisierte Sportjournalisten hatten mehrheitlich für ihn votiert. Eingedenk dieser durchaus repräsentativen Zahl darf gemutmaßt werden, dass ein halbwegs gescheites Ergebnis unter dem Strich steht. Zweifel sind indes diesmal angebracht. Ehe ich hier noch zum Nestbeschmutzer werde, kann ich mich auf Dritte berufen. Keine Geringere als das weibliche Pendant zu Harting, Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch, äußerte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bei der unter den 700 geladenen Gästen von unüberhörbaren Misstönen begleiteten Gala deutliche Kritik. „Wenn man bei den Herren schaut, finde ich es eher bedenklich, dass ein Europameister aus dem Sommer mehr wert ist als ein Olympiasieger aus dem Winter“, monierte Höfl-Riesch, das zurückgetretene einstige deutsche Glamour-Girl der alpinen Szene. Dem pflichtete schon vor dieser Aussage der Berliner bei, der heuer sichtlich verblüfft war, dass er nach 2012 und 2013 zum dritten Mal in Serie als Sieger ausgerufen wurde (wir berichteten).
Nun befinde ich mich in der komfortablen Lage und kann es dazu belegen, dass ich ein wenig sorgfältiger mit meiner Hitliste der jeweils ersten Fünf, die absteigend mit fünf Punkten bis zu einem Zähler gewertet wurden, umgegangen zu sein, das nicht irgendwann auf dem letzten Drücker zwischen Hauptgang und Dessert gemacht zu haben. Nach Abschluss der Stimmabgabe (05.12) und vor der Proklamation (21.12.) habe ich mein gewissenhaft überlegtes Votum im Fenster Nachrichten am 16. Dezember veröffentlicht. Harting habe ich hinter den Wintersportlern Severin Freund (Skisprung) und Eric Frenzel (Nordische Kombination) auf  Platz drei gesetzt. Bei den Frauen lag ich mit Natalie Geisenberger (Rennrodeln), Carina Vogt (Skisprung) und Höfl-Riesch in der Tendenz richtig, nur in der Reihenfolge der drei Erstplatzierten einigermaßen knapp daneben. Für mich war die Begründung relativ simpel: Geisenberger gewann zweimal Gold in Sotschi (Einzel- und Team-Wettbewerb), Höfl-Riesch nur einmal Gold in der nicht sehr hoch angesiedelten Super-Kombination aus Abfahrt und Slalom sowie Silber im Super-G. Vogt hingegen war die Überraschungs-Olympiasiegerin schlechthin beim erstmals unter den fünf Ringen ausgetragenen Skispringen der Frauen. Das weltmeisterliche Fußball-Nationalteam bei der Mannschaft des Jahres vor dem Skisprung-Team vorn zu sehen, war folgerichtig und keine große Kunst. Daran gibt und gab es auch nichts zu mäkeln.
Bei allem hier zu Lande allenthalben um sich greifenden Bierernst bleibt festzuhalten, dass es sich bei solcherlei Wahlen letzten Endes um eine nette Spielerei mit höchst ungewissem Ausgang handelt. Das entbindet freilich niemanden davon, sich – wenn schon, denn schon – sorgsam dieser Aufgabe zu widmen. Schlussendlich ist er nicht nur dem eigenen (Ge-)Wissen, sondern auch den Sportlern gegenüber verantwortlich, mit größtmöglicher Objektivität beim äußerst schwierigen Vergleich von Äpfel und Birnen eingedenk der vielen höchst unterschiedlichen Sportarten und Großereignisse abzuwägen. Dennoch ist und bleibt es ein Ritt auf der Rasierklinge. Zumal sich keiner völlig davon freisprechen kann, dass Vorlieben und Sympathien mit in die Bewertung einfließen. Davon nehme ich mich selbstverständlich nicht aus.
Und das ist auch gut so. Anderen geht es ebenso, was per Saldo für eine gewisse Ausgewogenheit sorgen sollte.
Doch keine Regel ohne Ausnahme, wie dieses negative Beispiel lehrt.