Doping: Wagner-Festspiele der etwas anderen Art zweiter Akt

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(Melsungen, 14. März 2015) Nachdem ich öffentlich zugab, dass der damalige Bundestrainer Karlheinz Steinmetz mir zum Anabolika-Doping geraten hatte und mir selbst die Tabletten besorgte, dementierte er diese Anschuldigung und ging gerichtlich gegen mich vor. Weil die DLV-Diskus-Kaderathleten, die ich als Zeugen benannte, keine Aussage machten, verlor ich einige Prozesse. Zu meiner Überraschung äußerte sich im Sommer 2013 der sechsfache deutsche Diskuswurfmeister Hein-Direck Neu (Wiesbaden) und räumte in einem Presse-Interview ein, dass er mit Steinmetz regelmäßig zu Professor Klümper nach Freiburg gefahren sei, wo er reichlich mit Dopingspritzen und Tabletten versorgt wurde. Er hätte sich gewundert, dass die Krankenkasse das alles bezahlte. Aber dieses Geständnis kam für mich leider 30 Jahre zu spät.

Steinmetz wurde die Zwielichtigkeit attestiert

Obwohl Karlheinz Steinmetz wegen meiner Aussagen mehrfach vor Gericht ging und Einstweilige Verfügungen zunächst durchsetzen konnte, weil meine Zeugen plötzlich nicht mehr Zeugen sein wollten, unterlag er später sowohl gegen mich als auch gegen Brigitte Berendonk. Das Landgericht führte aus, dass Berendonk den Nachweis der Richtigkeit der von ihr publizierten Behauptungen erbracht habe. Steinmetz hatte sämtliche Beschuldigungen von mir, die auch Berendonks Buch „Doping Dokumente – von der Forschung zum Betrug“ nachzulesen waren, ständig als unwahr zurückgewiesen. Das Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ berichtete in der Ausgabe vom 28. Dezember 1992 wie folgt: „So verlor Diskuswurf-Bundestrainer Karlheinz Steinmetz nicht nur drei Prozesse in Heidelberg und Kassel, sondern ebenso seinen Posten als Bundestrainer. Obendrein musste er 10.000 DM Schadenersatz an Berendonk und ihren Verlag bezahlen. Nun ermittelt auch noch die Staatsanwaltschaft wegen "Falschaussage vor Gericht". Letztlich musste Steinmetz zugeben, dass er gelogen hatte. Aber er traf verbandsintern auf milde gestimmte Richter. Er wurde von einer unabhängigen Juristen-Kommission, die zur Überprüfung von dopingbelasteten Trainern aus Ost und West eingesetzt war, zur Weiterbeschäftigung empfohlen. Dabei hatte wenige Tage zuvor das Landgericht Heidelberg festgestellt: "Sein gesamtes Verhalten rechtfertigt den Vorwurf ein ,Doping-Experte’ zu sein." Seit einigen Jahren ist er als Trainer in China tätig. Pikanterweise vom damaligen NOK (mittlerweile im DOSB aufgegangen) als Entwicklungshelfer entsandt...


Wer dopt, steht mit einem Bein im Grab“

Ines Geipel, die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfeverein (DOH), sagte der Süddeutschen Zeitung, dass Kader-Athleten mindestens bis zum Jahr 2004 Dopingmittel von ihren offiziellen Trainern bekommen hätten. In Sachen Doping hatte ich in meiner aktiven Zeit schon alles gesagt. In den letzten Jahren meldete ich mich nur noch zu Wort, weil ich als Mahner und Aufklärer tätig sein wollte. Für mich gefährdet Doping nicht nur den Sport, der ohne die Achtung von Regeln seinen Sinn und Reiz verliert. Es widerspricht auch dem Fairplay sowie der Chancengleichheit, weil das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt wird. Obendrein gefährdet Doping vor allem die Gesundheit und damit auch das Leben. Wer sich dopt, der steht heute schon mit einem Bein im Grab.
15 Jahre lang war ich in Hessen als Kadertrainer für das Kugelstoßen und Diskuswerfen verantwortlich. Ich habe meine Athleten immer vor der Einnahme von Dopingmitteln gewarnt. Einmal wurde ich gefragt, welche Menge man einnehmen müsste, um deutscher Meister im Kugelstoßen oder Diskuswerfen zu werden. Ich bin mir sicher, dass dieser Jugendliche alles getan hätte, um einmal im Rampenlicht zu stehen. Ich wies ihn ganz gezielt auf die Nebenwirkungen und Spätfolgen hin. Er hängte seine Kugelstoßschuhe an den berühmten Nagel. In meiner Zeit als HLV-Vizepräsident führte Hessen zu Beginn der neunziger Jahre als einziger Landesverband auf mein Betreiben Doping-Kontrollen bei den Landesmeisterschaften ein und war somit ein Vorreiter für die anderen Landesverbände.
Weil Sport eine außergewöhnliche pädagogische Bedeutung hat, die immer wieder in den Schulen unter Beweis gestellt wird, wies ich in Vorträgen im Leistungskurs Sport sowie vor den Studierenden der hessischen Polizei immer wieder auf die Gefahren des Dopings hin. Nur im Leistungssport müssen junge Menschen fürchten, dass sie bei Dopingkontrollen erwischt werden. Im Breiten- und Freizeitsport gibt es keine Kontrollen. Deshalb muss auch hier auf die gesundheitlichen Risiken und etwaige Spätfolgen aufmerksam gemacht werden.

Mahner und Aufklärer in Sachen Doping


Ich weiß, dass viele Jungen einen muskulösen Körper besitzen möchten und deshalb ihre Muskeln aufpumpen. Obwohl der illegale Handel gegen das Arzneimittelgesetz verstößt und eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren nach sich zieht, lassen sich viele Jugendliche nicht davon abschrecken und besorgen sich anabole Steroide und selbst Wachstumshormone. Genaue Zahlen über die jungen Anabolika-Konsumenten gibt es nicht. Aber Fachleute schätzen, dass jeder zehnte jugendliche Kraftsportler zu Pillen und Spritzen greift und sich kaum um die Risiken schert. Mein Hinweis, dass ein schneller Muskelaufbau mit Anabolika bei den Jungen dazu führen kann, dass sie nicht mehr weiter wachsen oder ihre Hoden sich zurückbilden und sich Brüste ausprägen, versetzt manchen Zuhörer in Schrecken. Wenn ich dann noch ausführe, dassAkne, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Leber- und Nierenschäden drohen, habe ich viele überzeugt, die mit den Gedanken spielten, Anabolika auszuprobieren. - Wird mit dem dritten und letzten Akt fortgesetzt!